Bundesamt für Naturschutz

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Schulz, R.; Stock, Martin (1993) Kentish Plovers and tourists: Competitors on sandy coasts?


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Der Seeregenpfeifer zählt in Europa zu den Arten mit starkem Bestandsrückgang. Hierfür werden Habitatzerstörung und Störungen durch touristische Aktivitäten hauptverantwortlich gemacht. Der Lebensraum des Seeregenpfeifers (Primärdünen, Sandstrände und erodiertes Schelf) ist gleichzeitig auch der präferierte Aufenthaltsort von Urlaubern an der Schleswig-Holsteinischen Wattenmeerküste. Deshalb werden die Auswirkungen des Tourismus auf die Nutzung des Lebensraums und den Schlupferfolg des Seeregenpfeifers untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die von Sonnenbadenden oder lagernden Touristen besetzten Bereiche am Strand fallen weitgehend als Lebensraum für den Seeregenpfeifer weg. Der Verlust der Gelege steht weiterhin in einem kausalen Zusammenhang mit der Störungsintensität durch Touristen. Jedoch ist für den Verlust weniger der unmittelbare Einfluss (u. a. Zertreten der Gelege) verantwortlich als vielmehr die Tatsache, dass störungsunempfindlichere Eiräuber aufgrund der anthropogenen Störungen leichteren Zugang zu den Gelegen der Seeregenpfeifer haben. Aufgrund der Tatsache, dass 10% der nordwesteuropäischen und fast 50% der deutschen Population im Untersuchungsgebiet leben ist der negative Einfluss touristischer Aktivitäten auf den Seeregenpfeifer erheblich.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1890) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

St. Peter-Ording, Schleswig-Holstein

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Individuelle Markierung der Seeregenpfeifer im Untersuchungsgebiet; Nestsuche; Analyse des Neststandortes; Schlupferfolg (mindestens 1 Küken geschlüpft oder Küken im Ei zu hören); Wanderer und lagernde Touristen wurden an 50 Tagen von April bis Juli gezählt (zwischen 15.00 und 16.00 Uhr sowie an ausgewählten Tagen ganztägig im 30 min-Abstand); Kartierung der Personenanzahl in 50x50 m Quadraten; Überlagerung der Störungsintensität mit Neststandort- und Bruterfolgsparametern.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewertung des Schlupferfolgs vor dem Hintergrund eines Index, der je Neststandort durch Aufsummierung über die gesamte Brutperiode der Anwesenheit von Touristen am Standort gebildet wurde (Personenstunden/10ha/Tag).

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Zur Brut geeignete Strandbereiche waren von Touristen zum Sonnenbaden oder Lagern genutzt bzw. waren aufgrund des Schutzstatus von Teilbereichen des Strandes störungsfrei.


EINWIRKUNGSDAUER

permanente Anwesenheit von Personen

 

EINWIRKUNGSART

Besetzen potenziell geeigneter Brutbiotope durch Erholungsuchende

 

EINWIRKUNGSGRAD

Verhinderung der Anlage eines Nestes bzw. der erfolgreichen Fortsetzung einer begonnenen Brut

 

TIERART

Seeregenpfeifer

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Stark gestörte Bereiche wurden nicht zur Anlage von Nestern genutzt. Nester wurden nur in den nicht von Touristen genutzten Bereichen angelegt bzw. lagen in Bereichen weit entfernt von touristischen Lageraktivitäten oder von Wanderrouten. Den stärksten Effekt haben Sonnenbaden und Lagern, Wanderer halten sich eher abseits der zur Nestanlage geeigneten Strandbereiche auf. Eine steigende Störintensität - kalkuliert als Index - führte zu einem zunehmenden Verlust von Gelegen. Bei 0-2 Personenstunden/10ha/Tag lag der Gelegeverlust bei 10 % bei > 10 Personenstunden/10ha/Tag bei 36,4 %. Zunehmende Störintensität führt zu einem zunehmenden Verlust von Gelegen. Da Nester bevorzugt in Bereichen mit einer Vegetationsdichte von unter 40 % angelegt werden, sind sie dort auch besonders anfällig gegenüber Aktivitäten wie Lagern. Diese Annahme ergab sich auch aus dem Verlust von Gelegen in Abhängigkeit von der Sichtbarkeit (Vegetationsbedeckung) und der Störungsintensität. In stark gestörten Bereichen gingen 50 % der Gelege in offenen Bereichen und 6,3 % in gut geschützten Bereichen verloren, während bei niedriger Störungsintensität in geschützten Bereichen keine Gelege und bei offenener Vegetationsstruktur 14,3 % der Gelege zerstört wurden. Der Verlust von Gelegen durch natürliche Faktoren (u. a. wegen Überschwemmung oder Eiräuber) und durch touristische Aktivitäten summiert sich auf 52,1 %. Dies liegt im Bereich von Verlustraten von Gelegen in Populationen, deren Individuenzahl abnimmt. Ein Bruterfolg von unter 50 % reicht deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus, die Brutpopulation bei St. Peter-Ording stabil zu halten. Hinzu kommt, dass in dieser Studie die Überlebensrate der geschlüpften Küken nicht analysiert wurde. Bei Strandläuferküken besteht in den beiden ersten Lebenswochen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Störungen der Nahrungsaufnahme.

 

BEMERKUNGEN

Welche Faktoren konkret zum Brutmisserfolg führen wird in der Studie lediglich diskutiert, da nur wenige konkrete Hinweise auf Verluste beobachtet werden könnten: von Touristen wurden Gelege zertreten. Dies kam jedoch nur selten vor. Vielmehr muss vermutet werden, dass Störungen, die zum Verlassen des Geleges führten, von Eiräubern (Möwen, Austerfischer, Fuchs, u. a.) zum Erbeuten der Eier genutzt wurden. Damit sind die Effekte der Touristen auf den Fortpflanzungserfolg der Seeregenpfeifer weniger direkter als indirekter Art. Hinzu kommt, dass Teile des potenziellen Brutgebietes nicht genutzt werden können.