Bundesamt für Naturschutz

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Schmid, W.; Müller, F. (1986) Der Graureiher (Ardea cinerea) im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen unter Berücksichtigung der Störungen durch den Menschen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Angeln

 

INHALT

Die Bestandsentwicklung einer Graureiher-Population nach "Ruhigstellung" eines Baggersees wird dokumentiert und diskutiert. Störreize gehen von Sportanglern aus.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die (negative) Veränderung der Rastzahlen an den Wernauer Baggerseen ist - aufgrund des Fehlens anderer Störquellen - ausschließlich auf die Anwesenheit von Sportanglern zurückzuführen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1847) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

NSG Wernauer Baggerseen, Lk Esslingen, Baden-Württemberg

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zwischen Juli 1977 und Ende 1982 wurden an 560 Tagen im maximal viertägigen Rhythmus rastende Graureiher gezählt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Entwicklung des durchschnittlichen monatlichen Rastbestandes der Graureiher im Gebiet, mit und ohne Angel-Nutzung.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Das bis 1974 für Erholungsaktivitäten gesperrte Gebiet wurde ab 1974 in den Sommermonaten täglich von bis zu 1000 Badenden genutzt. Nach der einstweiligen Sicherstellung des größten der Baggerseen als NSG im Juni 1979 wurde das Baden verboten, nicht jedoch die sportfischereiliche Nutzung. Diese setzte v.a. ab April 1980 mit regelmäßig bis zu 10 Sportfischern ein. Erst ab Juni 1981 wurde die sportfischereiliche Nutzung rechtlich geregelt: Angeln war nur zwischen dem 15.7. und 15.9. eines jeden Jahres an maximal 10 Tagen erlaubt. 1982 wurde für die Kernzone des Gebietes ein totales Angelverbot ausgesprochen, dafür durfte nun zusätzlich an vier Wochenenden im Oktober geangelt werden.


TIERART

Graureiher (Ardea cinerea)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Die (kontinuierliche) Bestandszunahme zwischen 1977 und 1982 wird auf die sukzessiv zunehmende Ruhigstellung des Gebietes (Verbot von Badeaktivitäten, stufenweise Regelung der Angelsportaktivitäten) zurückgeführt. Durchschnittlich waren 1977 täglich zwei und 1982 zehn rastende Graureiher anzutreffen. Auch bei einer, für die Monate differenzierten, Darstellung, ergibt sich ebenfalls eine - zu erwartende - Bestandszunahme der rastenden Individuen, aber mit Ausnahme der Monate August und September. "Diese Rückgänge sind, da andere Störungen ausgeschlossen werden können, ausschließlich auf die Anwesenheit von Sportanglern in empfindlichen Teilen des Schutzgebietes in diesem Zeitabschnitt zurückzuführen. Dass selbst ruhig am Ufer verweilende Angler auf Vogelbestände einen negativen Störeinfluss haben können, wurde bereits in verschiedenen Untersuchungen belegt (z. B. REICHHOLF 1970)."

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

"Wie das Beispiel der Wernauer Baggerseen zeigt, erscheint es sinnvoll, Graureihern beruhigte Rast- und Nahrungsbereiche anzubieten. Solange sie ein ausreichendes Nahrungsangebot besitzen und auf Dauer wenig gestört werden, werden solche Bereiche von den Graureihern bevorzugt aufgesucht. Sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, kann der Graureiher keine Rastplatztradition ausbilden. Das positive Beispiel der Wernauer Baggerseen zeigt, wie rasch ausreichend große Feuchtgebiete selbst in Ballungsräumen nach dem entscheidenden Schritt der Beruhigung durch die gesetzlichen Maßnahmen der Unterschutzstellung auch von störungsempfindlichen Tierarten als Rückzugs- und Rastgebiete unverzüglich angenommen werden. Das Beispiel ermutigt zu weiteren richtungsweisenden Schutzprojekten in dicht besiedelten Räumen. Solche Schutzgebietsausweisungen können der dringend erforderlichen Regeneration der gesamten Tier- und Pflanzenwelt sofort zugute kommen."