Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Thomas, D. W. (1995) Hibernating bats are sensitive to nontactile human disturbance


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Naturbeobachtung

 

INHALT

Fledermäuse müssen im Sommer und Herbst Fettdepots anlegen, um überwinternd die kalte, nahrungsarme (nahrungslose) Jahreszeit überdauern zu können. Jede Störung führt zu einer Erhöhung des Energieverbrauchs und damit zu einem "außerplanmäßigen" Abbau der Energiereserven. Ziel der Studie ist es, natürliche Faktoren des Energieverbrauchs während der Überwinterung (u.a. periodisches Aufwachen) mit anthropogen verursachtem, zusätzlichen Energieverbrauch (Verursachung und Erhöhung zusätzlicher Flugaktivitäten) zu vergleichen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Überwinternde Fledermäuse reagieren auf Störungen (u.a. Kontrollbesuche) in Überwinterungsquartieren mit einer stark erhöhten Flugaktivität während und v.a. nach den Besuchen, auch wenn sie nicht berührt worden sind; offensichtlich reichen Licht und Stimmen aus, um sie aus dem Winterschlaf zu wecken und sie zu Flugaktivitäten zu veranlassen. Auch wenn nur wenige Fledermäuse unmittelbar aufgrund der anthropogenen Störung aufwachen sollten, so verursachen sie einen sogenannten Kaskadeneffekt, im Laufe dessen immer mehr Fledermäuse aufgeweckt werden. Dieser Kaskadeneffekt dauert mehrere Stunden an. Es wird jedoch nicht die gesamte Kolonie aus dem Winterschlaf gerissen, sondern nur einzelne Individuen.

Messungen an Myotis lucifugus zeigen, dass jedes Erwachen aus dem Torpor zu einem Verbrennen von 108 mg der Fettreserven führt, was einem Äquivalent von 68 Tagen im Torpor entspricht. Um eine Erhöhung der Sterblichkeit durch einen erhöhten Energieumsatz in einer Phase hoher Empfindlichkeit zu vermeiden, sollten Besuche in Winterquartieren auf ein Minimum beschränkt bleiben.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Windsor, Quebec, Kanada

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Aufzeichnen des Verhaltens mittels einer Infrarot-Bewegungskamera mit Datalogger über einen Zeitraum von 30 Tagen nach einem Besuch im Überwinterungsquartier. Technisch bedingt konnte der Datalogger kein exaktes Abbild der Flugbewegungen liefern, da nur ein begrenzter Raumausschnitt abzubilden war. Die Ergebnisse sind deshalb keine absoluten Zahlen sondern Indexwerte der Flugaktivität. Insgesamt wurden zwischen Januar und März 1994 an 62 Tagen, und im April an weiteren 8 Tagen Flugaktivitäten registriert. Störungen erfolgten an sechs Terminen.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vergleich der Anzahl der Flugbewegungen vor einem Besuch mit denen nach einem Besuch im Überwinterungsquartier.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Überwinternde Fledermäuse, die letztmals mindestens seit vier Tagen nicht mehr gestört worden waren.


EINWIRKUNGSDAUER

45-120 min.

 

EINWIRKUNGSART

langsames Gehen in der Höhle, Zählen der Fledermäuse durch Anstrahlen mit einer 3 Watt-Lampe, normal leises Sprechen

 

EINWIRKUNGSGRAD

Abstand zwischen zwei Besuchen mindestens 4 Tage

 

TIERART

Fledermäuse (Myotis lucifugus, M. septentrionalis)

 

ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Gegenüber der natürlichen Flugaktivität während der Überwinterungsphase stieg innerhalb von 30 min. nach einem Besuch die Flugaktivität "dramatisch" an.

1-7, 5 Stunden später erreichten die Flugaktivitäten ihre stärkste Ausprägung (peak).

Sie blieben mindestens 2,5 bis 8,5 Stunden gegenüber der Grundflugaktivität signifikant erhöht.

Bei vier Besuchen von Januar bis März blieb die Aktivität im Durchschnitt 4,8±1,7 Stunden erhöht.

Die höchste Aktivität wurde im Durchschnitt nach 2,3±1,0 Stunden erreicht (Januar bis März).

Im April dauerte die Aktivitätserhöhung 8,0±0,6 Stunden an.

Die höchsten Aktivitätsraten wurden nach 2 und 7,5 Stunden erreicht.