Bundesamt für Naturschutz

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Speakman, J.R.; Webb, P.I.; Racey, P.A. (1991) Effects of disturbance on the energy expenditure of hibernating bats


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Naturbeobachtung

 

INHALT

Generell scheinen Fledermäuse in ihren Überwinterungsquartieren gegenüber Störungen sehr empfindlich zu reagieren. Das Aufwachen verursacht einen zusätzlichen Energieverbrauch durch Abbau der Fettreserven, wodurch auch Situationen - wegen des vorzeitigen Aufbrauchs der Fettreserven - eintreten können, die zum Tod von Individuen führen. Auch Aktivitäten, die zum Schutz der Fledermäuse gedacht sind, wie Kontrolle von Winterquartieren oder Beringung, haben nachweislich die Sterblichkeitsrate erhöht. Nachdem dies bemerkt worden war, wurden Verhaltensrichtlinien aufgestellt, die Beeinträchtigungen vermeiden sollten. War es naheliegend, dass das Berühren von Fledermäusen zu Störungen führt, so wurde auch vermutet, dass nichttaktile Faktoren (Lampen, Blitzlicht, Lärm, minimale Temperaturerhöhung durch Anwesenheit von Menschen in den Höhlen, u. a.) zu einem Aufwachen und damit einer Erhöhung des Energieverbrauchs führen. Ziel der Studie ist es zu prüfen, ob auch nichttaktile Störungen bei Fledermäusen auftreten. Weiterhin wird untersucht, zu welcher Erhöhung des Energieverbrauchs Berührungsreize führen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Nichttaktile Störreize haben einen vernachlässigbaren Einfluss auf den Aufbrauch von Fettreserven und die Reduktion der möglichen Überwinterungszeit. Taktile Störreize (Berührungen) haben einen starken Effekt, der jedoch nicht nur von der Störung selbst abhängt, sondern auch von der Umgebungstemperatur und der Kondition (Körpergewicht) des gestörten Individuums. Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass bei Untersuchungen von Überwinterungsquartieren Störungen nur dann eine Wirkung entfalten, wenn sie zu einer Berührung der Fledermäuse führen. Licht, Lärm oder Temperaturerhöhung führen nicht zu einer Störung der Fledermäuse.

Kommentar: Diese Interpretation der Ergebnisse wird von Thomas et al. (1995) explizit zurückgewiesen (s. u. und in dieser Datenbank).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Großbritannien

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Insgesamt 25 Individuen aus sechs Fledermausarten wurden unter Laborbedingungen studiert. Die Reaktion auf Störreize wurde mittels eines Respirometer (Atemmessgerät) gemessen, wobei durch die Veränderung der Sauerstoffkonzentration auf den Verbrauch der Fettreserven rückgeschlossen werden kann. Jedes Tier wurde während einer Untersuchungsreihe, die zwischen 12 und 48 Stunden andauerte, mehreren Störreizen ausgesetzt. Insgesamt wurden die Fledermäuse 1.400 Stunden im Respirometer analysiert. Folgende nichttaktile Störreize wurden angewendet: Helmleuchte, Photoblitz, Lärm, Sprache sowie Temperaturerhöhung. Folgende taktile Störreize wurden angewendet: 15 Sek. andauernde Massage des Rückens der Fledermaus.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Es wurde definiert, dass eine Reaktion auf einen Störreiz dann vorliegt, wenn eine Erhöhung der Energiekosten über den Level vor der Störung erfolgt.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Fledermaus im Torpor (Winterschlaf mit stark reduzierten Körperfunktionen) im Respirator.


EINWIRKUNGSDAUER

Im Falle der Berührungsreize stiegen die Energiekosten im Durchschnitt gegenüber dem Grundumsatz während des Torpors um das 12,2-fache. Welche Effekte der zusätzliche Fettverbrauch hat, hängt vom Körpergewicht oder der Umgebungstemperatur der von Störreizen betroffenen Fledermaus ab. Am Grauen Langohr wurde modelliert, dass bei einer Umgebungstemperatur von 10 °C bei Störungen der stärkste Fettverbrauch erfolgt. Auch sind schwere Individuen von einem stärkeren Fettabbau betroffen als leichtere Individuen. (Dieses Ergebnis wird unter dem Aspekt von Feindvermeidungsstrategien diskutiert.)

Der Abbau von Fettdepots bei Störungen wird für nichttaktile Störungen mit 0,001 g und für taktile Störungen mit 0,05 g pro Störreiz angegeben.

 

EINWIRKUNGSART

100 % (n=19)

 

EINWIRKUNGSGRAD