Bundesamt für Naturschutz

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Sabarth, A. (1998) Bedeutung von Substrat und Versandung für die Verteilung des Makrozoobenthos in naturnahen Heidebeständen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Kanu, Kajak

 

INHALT

Vorbemerkung: Es wird vermutet, dass Kanuten v. a. bei niedrigen Wasserständen Sedimentaufwirbelungen verursachen, die die Lebensgemeinschaft der Fließgewässer, v. a. die des Interstitials (Lückensystem am Gewässerboden), negativ beeinflussen. Besonders betroffen ist hiervon die Flussperlmuschel, deren Jungstadien im Lückensystem des Gewässerbodens leben und die nachweislich sehr empfindlich auf Beeinträchtigungen des Lückensystems durch Feinsedimente reagieren (Erstickungstod). In anderen Fällen zeigt sich (vgl. u. a Tobias 1996), dass Arten auch gegenüber einer unmittelbaren Übersandung empfindlich reagieren. In welchem Ausmaß Kanuten zu einer Übersandung führen, ist bisher - nach Kenntnisstand des Referenten - nicht untersucht worden. Jedoch belegen die Untersuchungen von B. Schmidt, dass es zu unmittelbaren Beschädigungen der im oder auf dem Sediment lebenden Organismen kommt.

In der naturnahen Lutter (Lüneburger Heide) wurde, vor dem Hintergrund der Revitalisierung von Fließgewässern, der Einfluß von Übersandungsprozessen in Kiesbänken sowie der Sedimentbewegung in Sandbereichen auf das Makrozoobenthos untersucht.

Die Arbeit untersucht nicht die Wirkungen von Erholungsaktivitäten auf Lebewesen, jedoch lassen die Ergebnisse die Präzisierung von Risiken im Analogieschluss zu, die von Kanuten ausgehen könnten.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Generell verminderte die strömungsabhängige Übersandung und Bewegung von Sandflächen Arten- und Individuenzahl des Benthos.

Einzelne Arten reagierten unterschiedlich - es konnten tolerante und intolerante Arten festgestellt werden.

Die Sandbewegung der naturnahen Lutter verändert lokal stark die benthische Zönose.

Die Toleranz vieler Arten der Lutter bezüglich dieses Stressors lässt vermuten, dass sich bereits eine "Sandstress-angepasste" Biozönose eingestellt hat.

"Offen bleibt die Frage nach der Natürlichkeit der Versandung. Es kann davon ausgegangen werden, dass die strömungsbedingten, lokalen Sandbewegungen in Heidegewässern in "Maßen" natürlich sind; die Sandmenge jedoch war möglicherweise vor der Kultivierung der Landschaft geringer (BUDDENSIEK et al 1993).

Somit bleibt als Leitbild-Gedanke vorläufig nur ein Aufzeigen der Richtung - ein Weniger an Sandeintrag bedeutet ein Mehr an Biodiversität und somit ein Mehr an Lebensqualität unserer heimischen Gewässer."


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Lutter bei Celle, Niedersachsen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die Übersandung wurde einerseits als natürliche Sandbedeckung gemessen, andererseits künstlich erzeugt; die Sandbewegung mittels Sedimentfallen bestimmt.

Hierbei wurde das Ausmaß der Dynamik der Sohlbereiche, d. h. die rollende Bewegung des Sandes in den Sandbereichen sowie die Übersandung von Kiesbänken gemessen. Durch den Vergleich der Biozönosen in den verschiedenen Bereichen wurde erarbeitet, welche Artengemeinschaften von Wirbellosen sich an die verschiedenen Bedingungen angepasst haben.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Veränderung der Lebensgemeinschaften durch Übersandung

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Für die Analyse des Stressfaktors der Übersandung (bzw. Sedimentation von Sand auf Kies) wurden lokal sandbedeckte Kiesbänke im Untersuchungsgewässer hinsichtlich ihrer Benthoszönose verglichen. Einerseits (1.1) wurde eine stabile längerfristige Obersandung (d. h. "natürlicherweise" in mehreren Monaten auf der Kiesbank ablagernder Sand) untersucht. Andererseits (1.2) wurde eine stabile, künstlich durch Stahlleitbleche induzierte, kurzfristigere Übersandung (d. h. in 3 Wochen abgelagerter Sand) beprobt. Neben den Sandablagerungen sollten auch die, für reine Sandzonen typischen, instabilen Sandbewegungen (2) erfaßt werden: Dazu wurde in Sandbereichen mit charakteristischen Sandrippeln bei höherer Strömung und in Zonen geringerer Strömung und Sandbewegung der bodennahe Sandtransport gemessen und mit der dort vorkommenden Biozönose verglichen.


TIERART

Makrozoobenthos

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Einfluss von lokaler Übersandung

Natürliche und künstliche Übersandung zeigen tendenziell ähnliche Ergebnisse, wobei in beiden Fällen im selben Zeitraum eine Übersandung von 3 cm Höhe erfolgte.

In diesen Bereichen kamen nur "mehr oder weniger übersandungstolerante Arten" vor (Trichoptera: Sericostoma personatum; Ephemeroptera: Ephemera danica; Odonata: Ophiogomphus cecilia; Crustacea: Gammarus pulex, juv.).

"Übersandungsintolerante" Arten sind: Trichoptera: Brachycentrus subnubilus, Oligoplectrum maculatum; Ephemeroptera: Heptagenia sulphurea; Coleoptera: Hydraena gracilis, Larve von Umnius spec.; Turbellaria: Dugesia gonocephala.

Die übersandeten Kiesbank-Bereiche weisen eine individuenärmere Biozönose auf.

Viele rheophile, d. h. fließendes Wasser bevorzugende Arten (z. B. die Eintagsfliege Hetagenia sulphurea) nahmen mit steigendem Übersandungsgrad signifikant ab.

Die Libellenart Ophiogomphus cecilia (Grüne Keiljungfer) zeigte keine Präferenz für sandfreie Bereiche, erduldet somit in Grenzen eine Übersandung (Details hierzu vergleiche jedoch Suhling, F.; Müller, O. (1996): Die Flussjungfern Europas (Gomphidae). Neue Brehm Bücherei 628. 237 pp.).

 

Makroinvertebratenzönose in Sandbereichen mit unterschiedlich starker Sandbewegung

Der Vergleich von Sandzonen mit hoher und geringer Sedimentbewegung zeigt den starken Einfluss auf das Benthos: Sowohl Arten- als auch Individuenzahlen nehmen bei hoher Sandbewegung signifikant (U-test: p=0,001) stark ab.

Aufgrund der äußerst geringen Individuenzahlen konnten keine Korrelationen auf Artnineau durchgeführt werden. Tendenziell zeigten die regelmäßig im Sand vorkommenden Arten Ephemera danica (Eintagsfliegen) und Isoptena serricornis (Steinfliegen) eine Präferenz strömungs- und sandbewegungsberuhigter Bereiche, in denen Nahrungsdetritus sedimentiert.