Bundesamt für Naturschutz

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Trockner, V.; Kopeszki, H. (1994) Auswirkung der Künstlichen Beschneiung auf Bodenverdichtung, Bodentemperatur, Ernteertrag und Collembolenfauna von Pistenböden


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin)

 

INHALT

In Südtirol wurde 1991 etwa ein Drittel der 2.910 ha Skipistenflächen künstlich beschneit. Meist wird vollflächig beschneit und der Kunstschnee anschließend mit bis zu 7 Tonnen schweren Pistenfahrzeugen verdichtet. Dies führt zu bodenphysikalischen und -biologischen Änderungen, von der besonders Kleinlebewesen wie Einzeller, Milben oder Springschwänze betroffen sind (Reduzierung der Abundanzen, Verschiebung der Dominanzen).

"Die vorliegende Arbeit untersucht in einem Vergleich von Naturwiese, Naturschnee- und künstlich beschneiter Piste, inwieweit die künstliche Beschneiung und der Einsatz schwerer Pistenfahrzeuge noch zusätzlich zum normalen Skibetrieb verdichtend auf den Boden wirken."

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Bei insgesamt lockerer Lagerung der untersuchten Böden läßt sich bei den Pistenböden sowohl im humosen A-Horizont als v. a. auch im B-Horizont eine Tendenz zur Verdichtung feststellen, die bei der Kunstschneepiste ausgeprägter ist. Die Collembolen indizieren die Bodenverdichtung und -belastungen nicht sosehr durch geminderte Abundanzen, sondern durch Verschiebungen im Artenspektrum. Euedaphische (tiefere Bodenschichten besiedelnde), im unbefahrenen Wiesenboden eudominate Arten fallen im Bereich der Kunstschneepiste aus, subrezedente, aber ubiquitäre Arten, bauen dafür große Populationen auf. Zudem findet in der Kunstschneepiste eine vertikale Verlagerung der euedaphischen Formen, v. a. von Mesaphorura macrochaeta in die oberste Bodenschicht statt. Auf der Kunstschneepiste ist eine deutliche Artenverarmung zu verzeichnen, von der hauptsächlich rezedente und subrezedente Formen betroffen sind.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 285) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Grödental, Seceda-Massiv, Bozen, Italien

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die Kunstschneepiste (seit 30 Jahren befahren, Beschneiungsanlage seit 7 Jahren in Betrieb) und die mit Neuschnee bedeckte Piste (seit 30 Jahren befahren) sind vegetationskundlich dem Nardetum (Borstgrasrasen) zuzuordnen, die Naturwiese ist eine Blaugraswiese (Seslerietum). Auf diesen Probeflächen wurden Bodenproben genommen, die physikalisch und zoologisch untersucht wurden.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Wüchsigkeit der Vegetation, Bodenverdichtung, Veränderung von Dominanz und Abundanz bei Collembolen

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Ausgangslage


EINWIRKUNGSDAUER

Skipiste: 30 Jahre; Beschneiungsanlage: 7 Jahre

 

TIERART

Springschwänze (Insecta: Collembola)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Wiese und Naturschneepiste weisen eine geschlossene Grasnarbe auf, während die Kunstschneepiste zahlreiche kleine Lücken im Bewuchs aufweist. Mitte Juli war die Pflanzendecke auf der unbefahrenen Wiese doppelt so hoch wie auf der Kunstschneepiste. Die Blüte erscheint v. a. auf der Kunstschneepiste deutlich verzögert. Auf der Naturpiste konnten im Mittel 29 %, auf der Kunstschneepiste 40 % weniger Trockenmasse geerntet werden als auf der Naturwiese. Die Naturschneepiste weist in allen Bodentiefen die niedrigsten Temperaturen auf. Auf der Naturschneepiste liegt wenig und dazu dichter, schlecht wärmeisolierender Schnee, sodass die Bodentemperaturen den Außentemperaturen rasch folgen. Auf der unbefahrenen Wiese hingegen wirkt der lockere Schnee bei gleicher Menge sehr gut wärmeisolierend, während auf der Kunstschneepiste die schlechte Wärmeisolation des dichten Schnees durch größere Schneemengen (größere Wärme-Speicherkapazität) aufgewogen wird. Die Kunstschneepiste taut in 20 cm Sodentiefe im Frühjahr um 3 Wochen später auf als die Naturwiese, während die Ausaperung oberflächlich nur um eine Woche verschoben ist. Der Boden taut demnach erst nach der Schneeschmelze von oben her auf, wodurch v. a. auf der Kunstschneepiste die ohnehin kurze physiologisch aktive Zeit (Vegetationsperiode) noch verkürzt wird. Bei insgesamt lockerer Lagerung erscheint das Gesamtporenvolumen der beiden Pistenböden im A-Horizont im Vergleich zur unbefahrenen Wiese etwas verringert; v. a. die Grob-Mittelporen sind verkleinert. Im Feinstporenbereich zeigt sich - wie aus der Korngrößenbestimmung zu erwarten - kein Unterschied. Die Kunstschneepiste erscheint von der Verdichtung mehr betroffen als die Naturschneepiste, bei der nur die Grobporen im Vergleich zur Kontrolle verkleinert sind. Etwas größere Unterschiede zeigen sich im B-Horizont, wo aber in beiden Fällen im Bereich der Mittelporen die Naturschneepiste kleinere Porenvolumina aufweist als die Kunstschneepiste. Die Feldwasserkapazität scheint bei beiden Pisten gegenüber der Naturwiese verringert. Dies gilt auch für den Anteil an pflanzenverfügbarem Wasser. Die Wasserversickerungsrate der beiden Pisten ist gegenüber der Naturwiese deutlich verringert. Dies deutet auf Bodenverdichtung hin und bedingt, dass Schmelz- und Regenwasser vermehrt oberflächlich abfließen. Die Abundanz der Collembolen ist an allen drei Standorten etwa gleich hoch (ca. 40.000 Individuen / m²). Insgesamt wurden 44 Collembolen-Arten festgestellt, wobei die Kunstschneepiste mit 18 Arten die artenärmste ist (Naturpiste: 27, Naturwiese: 28 Arten). In Naturwiese und Naturpiste leben 35-40 % der Springschwänze in der unteren Bodenschicht (3-6 cm), während in der Kunstschneepiste dort nur 6 % der Tiere zu finden sind. In der Kunstschneepiste werden die tiefere Bodenschichten bewohnenden Springschwanzarten zugunsten der Arten der obersten Boden- und Streuschicht bzw. der Arten der Bodenoberfläche in der Dominanzstruktur abgelöst bzw. zurückgedrängt. Eine starke Bodenverdichtung führt zur negativen Veränderung der Lebensraumqualität des Bodens für euedaphische Arten, also Arten, die die tieferen Bodenschichten besiedeln. Diese Arten sind "streng an Poren- und Korngröße angepasst".