Bundesamt für Naturschutz

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Scherner, U. (1992) Naturschutz und Tauchen im Süßwasser


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Tauchen

 

INHALT

"In dem Artikel werden Regeln und praxisnahe Hinweise (s. Anmerkungen) für ein naturverträgliches Tauchen im Süßwasser aufgestellt und erläutert. Durch Analogieschlüsse wird versucht, den Hintergrund dieser Regeln zu beleuchten. Schwerpunkte sind dabei die Tritt- und Sedimentbelastung von Makrophyten sowie die Sedimentbelastung des Phytoplanktons durch Taucher und die sich daraus ergebenden Folgen."

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

"Aber auch ohne genaue Ergebnisse von Langzeituntersuchungen reichen die möglichen Einflüsse aus, dass wir uns alle an die eingangs erwähnten Regeln halten sollten, um Schäden zu vermeiden und unseren schönen Sport, der uns zur Natur führt, auch im Einklang mit ihr ausüben."

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 273) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Ostersee, Fohnsee; Bayern

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Postulierung von Regeln zu einem naturverträglichen Tauchen. Argumentative Begründung der Sinnhaftigkeit der Postulate. Vertiefend werden Trittbelastungen der Unterwasservegetation diskutiert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Analogieschluss

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Ausgangslage


VEGETATIONSEINHEIT

Teichrose (Nuphar lutea), Armleuchteralgen (Characeen), Quirl-Tausendblatt (Myriophyllum verticillatum), Durchwachsenes Laichkraut (Potamogeton perfoliatus)

 

ART DER BEEINFLUSSUNG/AUSWIRKUNG

Trittbelastung von Unterwasserpflanzen

Der Autor zitiert Untersuchungen von Dr. A. Melzer et al. (1984), die am Beispiel der Teichrose (Nuphar lutea) zeigen, dass eine Blattschädigung - bedingt durch Bade- oder Tauchaktivitäten - zu einer Reduzierung der Photosyntheseleistung bei Pflanzen führt. Die Photosyntheserate sank bei 1/4 der geschädigten Blätter auf 63 % und bei 1/2 auf 4 % ab. Ohne Photosynthese kann eine Pflanze den notwendigen Zucker nicht aufbauen. Bei wiederholter Schädigung ist ein Absterben der Pflanzen wahrscheinlich.

An Badestränden kommt es meist durch die starke Trittbelastung zu einer Artenverarmung und die vorhandenen Arten zeigen Kümmerwuchs.

Die Armleuchteralgen (Characeen), die man am Grund aufliegend bis in Tiefen von 10 m antreffen kann, besitzen eine Kalkeinlagerung. Dadurch sind sie sozusagen zerbrechlich und vertragen keinerlei Trittbelastung. MELZER et al. (1984) führten einen "Zertrampelungsversuch" durch. Dabei wurden Teiche bearbeitet, deren Untergrund vollständig mit Wasserpflanzen bedeckt war. Diese wurden von Testpersonen 10 Minuten systematisch zertrampelt. Erst nach 40 Tagen konnte ein Neuaufkommen der Pflanzen beobachtet werden. Im Ergebnis bedeutet dies, dass eine andauernde Trittbelastung der Makrophyten (Wasserpflanzen) an Badestränden oder Einstiegsstellen zum Absterben der Pflanzen führt.

 

Sedimentbelastung von Unterwasserpflanzen

Durch aufgewühltes Sediment kann die Lichtdurchlässigkeit des Wassers herabsetzt werden. Tiefer wachsende Pflanzen können dann bei andauerndem Lichtmangel absterben. Weiterhin sinkt das Sediment zu Boden, lagert sich auf den Unterwasserpflanzen ab, und verhindert ebenfalls ein Vordringen der Strahlung bis zu den Blättern. Unter dem Kompensationspunkt versteht man den Punkt, unterhalb dessen Wasserpflanzen wegen Lichtmangels nicht mehr existieren können. Im Versuch konnten Melzer et al. (1984) zeigen, dass Trübung des Wassers bei Quirl-Tausendblatt (Myriophyllum verticillatum) und Durchwachsenem Laichkraut (Potamogeton perfoliatus) zu einer Reduzierung der Netto-Photosyntheserate führt. Zudem gehen diesen Arten Wuchsmöglichkeiten verloren, da die Trübung zu einer Vertikalverschiebung des Kompensationspunktes um einen Meter nach oben führt.

 

Sedimentbelastung des pflanzlichen Plankton

Der Autor macht einige grundsätzliche Bemerkungen zur Wirkung von Nährstofffreisetzung aus Sedimenten, v. a. von Phosphor, auf das Algenwachstum (Eutrophierung). Durch Aufwühlen des Sedimentes wird Phosphor in großem Maße freigesetzt. Es wird v. a. der Aspekt betont, dass nach einer längeren Algenproduktion - aufgrund der kurzfristig verbesserten Phosphorverfügbarkeit - vermehrt Biomasse entsteht, die zum Gewässergrund sinkt. "Am Grund verfaulen sie und verbrauchen bei diesem Prozeß durch ihre große Masse den gesamten Sauerstoff. Die Tiefenzone des Gewässers wird sauerstofffrei und lebensfeindlich. In dieser anaeroben (sauerstofffreien) Zone wird Phosphat aus dem Untergrund freigesetzt - man spricht von interner Düngung - und verstärkt den Effekt. Die im Freiwasser abgelegten Felcheneier beispielsweise sterben dann aus Sauerstoffmangel ab. Die Eier der Barsche, die am Ufer abgelegt werden, überleben. Somit kommt es zu einer Verschiebung der Fischarten-Zusammensetzung im See. Dies ist, beispielhaft herausgegriffen, nur eine negative Auswirkung der Eutrophierung von Gewässern."

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

"Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, dass es sich hier nicht um wissenschaftliche Ergebnisse über die Auswirkung des Sporttauchens auf stehende Gewässer handelt. Ich habe lediglich versucht, in Analogieschlüssen bekannte Belastungen von Gewässern mit bekannten Auswirkungen des Tauchens zu verbinden. Diese Auswirkungen werden bei wenigen Tauchern sicher nicht ausgeprägt sein, aber ein kleiner nährstoffarmer See kann durch Hunderte von rücksichtslosen Tauchern, die täglich ihre Spuren hinterlassen, durchaus geschädigt werden."

 

BEMERKUNGEN

"Regeln für naturverträgliches Tauchen: 1. Nur zugelassene Straßen befahren. 2. Parken nur auf erlaubten Flächen. 3. Keine Trampelpfade durch die Ufervegetation anlegen. 4. Naturschutzgebiete und Tauchverbote beachten. 5. Keine Lärmbelästigung durch Kompressoren. 6. Fische besonders in der Winterruhe nicht stören. 7. Einstieg ins Wasser über Stege oder Kiesgrund. 8. Flachwasser meiden. 9. Grundkontakt vermeiden, richtig austariert sein. 10. Tauchübungen nur über Kiesgrund. 11. Abstand zu Wasserpflanzen halten."