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Stock, Martin; Hofeditz, Franz (1998) Zeit-Aktivitäts-Budgets von Ringelgänsen in unterschiedlich stark von Menschen beeinflußten Salzwiesen des Wattenmeeres


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Luftsport, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Zeit-Aktivitäts-Budgets geben Auskunft darüber, wie Tiere ihre Zeit für bestimmte Verhaltensweisen einteilen. Die Einteilung bei der Gans ist dabei abhängig von der physiologischen Kondition des Individuums, von sozialen Faktoren sowie den herrschenden biotischen und abiotischen Umweltbedingungen. Vergleicht man Zeit-Aktivitäts-Budgets verschiedener Individuen oder Gänsetrupps zwischen unterschiedlichen Gebieten, Jahren und Jahreszeiten, so können Hinweise auf Verhaltensänderungen bedingt durch anthropogene Beeinflussung gewonnen werden.

Für den erfolgreichen Zug aus den Überwinterungs- in die Brutgebiete und für eine erfolgreiche Brut benötigen arktische Gänse ausreichende Energiereserven. Die Ringelgänse legen sich diese im Frühjahr (April/ Mai) im Wattenmeer zu, indem sie auf den proteinreichen Salzwiesen fressen.

Ziel der Arbeit ist die vergleichende Untersuchung des Zeit-Aktivitäts-Budgets von Ringelgänsen in drei unterschiedlich stark von Menschen beeinflußten Gebieten während ihres Frühjahrsaufenthalts im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer.

Hierbei sind vor allem folgende Fragen von Interesse:

Welchen Einfluß haben Freizeitaktiviäten und Flugbetrieb auf das Zeit-Aktivitäts-Budget der Ringelgänse?

Inwiefern sind die Gänse in der Lage, sich auf die unterschiedliche Beeinflussung der Umwelt einzustellen?

Wird der Fortpflanzungserfolg durch die Auswirkungen anthropogener Störung beeinträchtigt?

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Aktivitätsrhythmik sowie das Zeit-Aktivitäts-Budget der Ringelgänse war in allen 3 Untersuchungsgebieten unterschiedlich.

Eine hohe Störreizhäufigkeit in Westerhever führte zu einem signifikant früheren Abflug der Gänse in ihr Rastgebiet im Vergleich zu Tagen mit geringerer Störreizhäufigkeit. Vor dem Norderheverkoog war ein ähnlicher Zusammenhang festzustellen, dieser war jedoch nicht signifikant (S. 444).

Die unterschiedlichen Zeit-Aktivitäts-Budgets können von verschiedenen Faktoren beeinflußt werden:

Unterschiedliche jahreszeitliche und physiologische Anforderungen: Der Anteil der Nahrungssuche am Gesamtbudget der Gänse ist abhängig von den jahreszeitlich unterschiedlichen energetischen Anforderungen der Tiere. Der Anteil der Nahrungssuche ist im Herbst nach dem Zug (zur Auffüllung der Energiereserven) und im späten Frühjahr vor dem Zug in die Brutgebiete hoch. Diese Verteilung ist eng mit der Verfügbarkeit und der Qualität der Nahrungspflanzen korreliert. Die Verhalten der Gänse vor dem Norderheverkoog stimmte mit diesem Aktivitätsmuster überein. Die Nahrungsaufnahme nahm sowohl auf der Salzwiese als auch im Watt von März bis Mai zu. In Westerhever dagegen konnte weder auf der Salzwiese noch im Watt ein prozentualer Anstieg der Nahrungssuche konstatiert werden.

Habitatwahl, Nahrung und Wetter: Die Habitatwahl und damit die Art und Qualität der aufgenommenen Nahrung pro Zeiteinheit beeinflußt das Zeit-Aktivitäts-Budget der Gänse. Die Energieaufnahme pro Zeiteinheit ist abhängig von dem Nahrungs-Habitat bzw. dem jeweiligen Energiegehalt der dort vorkommenden Nahrungspflanzen. Die Energieaufnahme pro Biß liegt bei den Grünalgen und Seegraswiesen (wie sie vor dem Norderheverkoog und der Hallig Süderoog im Watt vorkommen) wesentlich über der Energieaufnahme auf Salzwiesen. Der prozentuale Anteil der Nahrungsaufnahme am Budget ist auf der Salzwiese aber ungleich höher. Daher nehmen die Gänse hier pro Zeiteinheit die größeren Energiemengen auf und bevorzugen deshalb dieses Habitat.

Darüber hinaus spielt die Verfügbarkeit der Nahrung eine Rolle. Eine effektive Nahrungsaufnahme von Grünalgen ist erst im späten Frühjahr möglich. Zeigen Ringelgänse ein gezeitenabhängiges Verhalten und kommen Grünalgen im Watt vor, kann man - wie vor dem Norderheverkoog - zur Niedrigwasserzeit Ringelgänse bei der Nahrungsaufnahme im Watt beobachten. Das Vorkommen von Grünalgen allein ist aber noch nicht Voraussetzung für die Nahrungsaufnahme im Watt. Vor der Hallig Süderoog kamen Grünalgen in gleicher Dichte wie vor dem Norderheverkoog vor, wurden aber von den Gänsen dort nicht gefressen. Hier vermuten die Autoren andere Faktoren, die den gezeitenabhängigen Rhythmus der Ringelgänse unterdrückt haben. In Westerhever gab es keine Grünalgen im Watt, weshalb dort auch keine Nahrungssuche stattfand. Das Wetter und die Witterungsverhältnisse hatten auf die Gänse keinen feststellbaren Einfluß.

Geschlecht, Alter und sozialer Status beeinflussen i.d.R. die prozentualen Anteile verschiedener Aktivitäten, die Unterschiede in den Aktivitätsanteilen waren aber in der vorliegenden Untersuchung vernachlässigbar (S. 449).

Anthropogenen Beeinträchtigungen beeinflußten das Aktivitätsmuster der Ringelgänse in Westerhever (Stock, Hofeditz 1994).

Mechanismen der Kompensation/ Kondition und Fortpflanzungserfolg

Auf die unterschiedliche anthropogene Beeinflussung der Gebiete haben die Gänse mit unterschiedlichen Verschiebungen im Aktivitätsbudget reagiert. Hier ist der zeitliche Verlauf des Anteils der Nahrungssuche zu nennen. Während in Westerhever im Verlauf des Frühjahrs nur ein leichter Anstieg verzeichnet werden konnte, stieg der Anteil der Nahrungssuche vor dem Norderheverkoog stark an. Trotz dieser Unterschiede war bei den Ringelgänsen in beiden Gebieten eine vergleichbare Gewichtsentwicklung festzustellen und auch in der Kondition vor dem Abflug gab es keine Unterschiede. Auch im darauffolgenden Herbst war der Anteil der Jungvögel annähernd gleich groß.

Da die Gänse sich vorwiegend in 1 bis max. 2 Gebieten aufhielten, deren Unterschied allein im Grad anthropogener Beeinflussung bestand, interpretieren die Autoren die unterschiedlichen Verhaltensmuster und Aktivitätsbudgets als Verhaltensanpassung auf die jeweilige anthropogene Beeinflussung.

 

BEZUG/QUELLE

Umweltbundesamt, Zentrale Fachbibliothek Umwelt

Bismarckplatz 1

14193 Berlin

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 136) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Westerhever, Schleswig-Holsteinische Marschen und Inseln, Schleswig-Holstein,

Norderheverkoog, Schleswig-Holsteinische Marschen und Inseln, Schleswig-Holstein,

Hallig Süderoog, Schleswig-Holsteinische Marschen und Inseln, Schleswig-Holstein.

Westerhever: Vorland von Westerhever ca. 265 ha, seewärts endet das Vorland mit einer natürlichen Abbruchkante, die in eine Sandbank übergeht. Die Salzwiese von Westerhever besteht größtenteils aus Andelrasen, im sandigen Bereich der Abbruchkante tritt auch Rotschwingel auf. Intensive Schafbeweidung des gesamten Vorlandes im Untersuchungsjahr.

Neben einer starken Frequentierung des Gebietes durch Touristen, wird es auch durch Sportflugverkehr des nahegelegenen Flugplatzes (oftmals in geringer Höhe) beeinflußt (S. 13).

Norderheverkoog: Vorland vor dem Norderheverkoog ca. 340 ha. Die Salzwiese weist vornehmlich Andelrasen und nur an der äußersten Westseite Rotschwingelrasen auf, im Wattbereich sind Grünalgenbestände zu finden. Intensive Schafbeweidung. Salzwiese ist nicht erschlossen, Gebiet daher kaum durch Freizeitaktivitäten berührt, Beeinträchtigung durch Flugverkehr gegeben. (S. 13f.).

zusätzliches Untersuchungsgebiet:

Hallig Süderoog: 60 ha, liegt in Zone 1 des Nationalparks, Vorland von Westerhever 11 km entfernt. Die Ausprägung der Salzwiese der Hallig ist der Rotschwingelzone zuzuordnen, im Watt sind Grünalgenbestände zu finden. Extensive Schafhaltung (48 ha), 12 ha nutzungsfrei. 1 Warft mit Wohnhaus, im Sommer bis max. 50 Besucher im Rahmen einer geführten Wattwanderung, die sich nur auf der Warft aufhalten und die Nahrungsflächen der Gänse nicht betreten. Weitere Beeinflussung besteht durch den Flugverkehr (S. 14).

Eine Vergleichbarkeit der Gebiete besteht hinsichtlich den Habitat- und Vegetationsverhältnissen. Seegraswiesen und Grünalgenbestände befinden sich allerdings nur vor dem Norderheverkoog und der Hallig Süderoog im Watt, in Westerhever fehlen diese ganz.

Der Grad der anthropogenen Beeinflussung durch Touristen war in den drei Gebieten sehr unterschiedlich, während der Flugbetrieb überall mit vergleichbarer Intensität stattfand.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zeitparallele Beobachtungen in Westerhever und dem Norderheverkoog während des Frühjahrszugs der Ringelgänse in der Zeit von Anfang März bis Ende Mai des Jahres 1991.

Beobachtungsdauer

Westerhever 198 h (16 Ganztagsbeobachtungen)

Norderheverkoog 155 h (15 Ganztagsbeobachtungen)

Hallig Süderoog 45 h (4 zeitgleiche Ganztagsbeobachtungen mit den anderen Gebieten)

Vergleich der 3 Untersuchungsgebiete hinsichtlich der Reizintensität und den möglichen Auswirkungen auf das Zeit-Aktivitäts-Budget der Gänse.

Zeitgleiche Beobachtungen des Zeit-Aktivitäts-Budgets der Ringelgänse in beiden Hauptuntersuchungsgebieten von Dämmerungsbeginn am Morgen bis Dämmerungsende am Abend in Relation zu den Gezeiten und zur Jahreszeit. Soweit möglich wurde ein Trupp den ganzen Tag über beobachtet, bei Aufsplittung des Trupps konzentrierte sich die weitere Beobachtung auf den größeren Truppteil.

1n 15-Minuten Abständen wurde das Verhalten von 200-300 Individuen nach der Scan-sampling Methode von Altmann ermittelt.

Ringablesungen: Um beobachtete Bewegungsmuster innerhalb des Untersuchungsgebietes untermauern zu können, wurden Sichtbeobachtung individuell markierter Gänse herangezogen. Darüber hinaus wurde für Ringablesungen aus den Jahren 1989-1991 für den Bereich zwischen Eiderstedt und Hallig Langeneß auf Daten einer zentralen Datenbank zurückgegriffen (S. 421).

Ganztagsbeobachtungen mit Erfassung des Zeitpunktes und der Anzahl überfliegender Flugzeuge und Hubschrauber, vorbeifahrender Kraftfahrzeuge, Spaziergänger in den Salzwiesen, Radfahrer am Deich, überfliegender Greifvögel und anderer anthropogener und natürlicher Störreize (S. 422).

Auch Erfassung des Aufenthaltsortes des beobachteten Trupps, Unterscheidung in: Salzwiese, Salzwiesenkante, Watt, Wassersaum, Priel.

Plötzliches Aufmerken oder Auffliegen der Ringelgänse als Reaktion auf anthropogene und/oder natürliche Reize wird als ein Maß für die Beeinflussung des Gebietes genommen.

Erfassung der Flugbewegungen sowohl zeitlich als auch räumlich sowie deren Dauer (Flüge, bei denen mindestens 50 % des Trupps aufflogen) (S. 424).

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Ermittlung des Jungvogelanteils in Westerhever und dem Norderheverkoog während des Frühjahrs und des nachfolgenden Herbstes: da sich einjährige Ringelgänse von adulten Gänsen einfach unterscheiden lassen, wurden i.d.R. 100 bis 300 Gänse quer durch den Trupp mit Hilfe des Spektivs auf ihr Alter hin gezählt (S. 420).

Konditionsindex: Als annähernd genaues Maß für die Kondition der Gänse wird das abdominale Körperfett herangezogen, das in guter Übereinstimmung mit dem gesamten Körperfett steht (Belege aus anderen Untersuchungen). Das abdominale Profil der Gänse wurde in 5 Kategorien unterteilt. Während des Untersuchungszeitraums erfolgte in Westerhever und im Norderheverkoog in regelmäßigen Abständen bei ca. 80-100 Individuen die Ermittlung des Konditionsindex der Gänse (S. 421).

Beobachtung der Verhaltensweisen (8 unterschiedliche Kategorien): Fressen, Lokomotion, Schwimmen, Aufmerken, Komfortverhalten, Aggression, Rasten, Trinken und Ermittlung des prozentualen Anteils der einzelnen Verhaltensweisen.

Ermittlung der Pick- und Schrittfrequenz (dienen als Maß für die Nahrungsaufnahmerate und Nahrungsverfügbarkeit) in Abhängigkeit von der Höhe der Vegetation. Die Vegetationshöhe wurde in Relation zum Gänsebein eingeschätzt.

Statistische Auswertung das Datenmaterials nach verschiedenen Verfahren (S. 427).

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Das Frühjahr 1991 war relativ kühl: mittlere Tagestemperatur im März von 5,7°C, im Mai von 9,3°C.

Es waren geringe Windstärken zu verzeichnen: im März 5,1 m/s, im April 5,7 m/s, im Mai 6,6 m/s.

Die mittlere Niederschlagshöhe war gering und gleichmäßig über alle drei Monate verteilt, sie betrug im Mittel 33 mm/ Monat (S. 420).

Telemetrische Untersuchungen an den Ringelgänsen haben ergeben, daß keine nächtliche Nahrungssuche stattfindet (S. 424).


EINWIRKUNGSART

optische und akustische Reize durch Erholungssuchende und Flugzeuge

 

TIERART

Ringelgans (Branta bernicla bernicla)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Raumnutzungsmuster

Die Ringelgänse im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer halten sich von März bis Mai vornehmlich auf den Salzwiesen auf und sind dabei sehr ortstreu.

Es konnte ein Austausch der Gänse zwischen Westerhever und der Hallig Süderoog festgestellt werden. Ebenso bestand ein Austausch der Gänse zwischen dem Norderheverkoog und der Hallig Südfall. Ein Wechsel zwischen den Nahrungsgründen in Westerhever und vor dem Norderheverkoog konnte nicht beobachtet werden (auch durch Ringablesungen belegt).

Ringablesungen belegen die große Ortstreue der meisten Individuen für ein einziges Gebiet.

"Von den 146 ausgewerteten Ringablesungen erfolgte in 64 % der Fälle eine Ablesung in nur einem Gebiet. In 32 % der Fälle wechselten die Gänse zwischen zwei Gebieten" (S. 428) und in 4 % der Fälle wechselte eine Gans zwischen 3-5 Gebieten (S. 429).

Grad anthropogener Beeinflussung der Gebiete (S. 430)

In allen drei Gebieten traten die Freizeitaktivitäten und der Flugbetrieb als häufigste Störreize auf. Natürliche Störungen wurden am häufigsten durch andere Vögel (Möwen, Greifvögel, Graureiher) hervorgerufen.

Der prozentuale Anteil anthropogener Reize an der Summe aller reaktionsauslösender Reize betrug in Westerhever 85 %, in den beiden anderen Gebieten ca. 70 %.

Die störreizbedingte Reaktionshäufigkeit pro Tag und pro Stunde war in Westerhever signifikant höher als im Norderheverkoog und auf der Hallig Süderoog.

Die Reizhäufigkeit, gemessen an der Reaktion der Gänse, nahm in Westerhever von März bis Mai signifikant ab.

Aktivitätsmuster (S. 431f.)

In Westerhever fraßen die Ringelgänse tagsüber auf der Salzwiese, sie zeigten damit einen deutlich circadianen Rhythmus. Der morgendliche Einflug der Gänse in das Nahrungsgebiet war in Westerhever am stärksten mit dem Sonnenaufgang, der Abflug am Abend signifikant mit dem Sonnenuntergang korreliert.

Ein Teil der Nahrungssuche der Gänse vor dem Norderheverkoog fand auf der Salzwiese statt, der andere Teil auf den Wattflächen. Das Verhalten der Ringelgänse war weitgehend an die Gezeiten gebunden -> tidaler Rhythmus. Hier war der morgendliche Einflug der Gänse an den Zeitpunkt des ersten Hochwassers nach Sonnenaufgang geknüpft.

Auf der Hallig Süderoog zeigten die Gänse während der Nahrungsaufnahme auf der Salzwiese eine schwache Bindung an die Gezeiten. Das Rasten war wiederum streng tidenabhängig. Hier wird von einem intermediären Rhythmus gesprochen. Für die korrelative Betrachtung des Ein- und Abflugverhaltens war die Datendichte zu gering.

Zeit-Aktivitäts-Budget (S. 432f.)

In den drei Gebieten gab es bei einigen Parametern signifikante Unterschiede zwischen dem Zeit-Aktivitäts-Budget. Der größte Zeitanteil wurde in allen 3 Gebieten für die Nahrungsaufnahme aufgewendet: in Westerhever betrug er 66,0 ± 7,3 %, vor dem Norderheverkoog 50,8 ± 12,7 % und auf der Hallig Süderoog 78,1 ± 4,8 %.

Signifikante Unterschiede zwischen den 3 Gebieten traten bei den Verhaltensweisen Fressen, Lokomotion, Schwimmen und Rasten auf, die übrigen unterschieden sich nicht.

Auch der Zeitanteil für das Fliegen (nur in Westerhever und vor dem Norderheverkoog ermittelt) unterschied sich signifikant.

Für die beiden Hauptuntersuchungsgebiete Westerhever und Norderheverkoog wurden für die aufgesuchten Habitate Salzwiese und Watt sowie für die einzelnen Monate detaillierte Zeit-Aktivitäts-Budgets ermittelt (S. 433-438).

Gesamtaktivitätszeit

Die tägliche Gesamtaktivitätszeit der Ringelgänse stieg in beiden Gebieten mit der Tageslänge an.

Der tägliche Zeitanteil für die Nahrungssuche war in beiden Gebieten positiv mit der Gesamtaktivitätszeit korreliert. In Westerhever war der prozentuale Anteil der Verhaltensweisen Lokomotion, Aufmerken und Schwimmen signifikant negativ korreliert mit der täglich für die Nahrungssuche aufgewendeten Zeit. Vor dem Norderheverkoog nahm das Rasten signifikant mit steigender Nahrungssuchzeit ab. Alle übrigen Verhaltensweisen zeigten keinen signifikanten Zusammenhang zur Gesamtaktivitätszeit und zur Zeit für die Nahrungssuche.

Einfluß anthropogener Nutzungen auf Aktivitäts- und Verhaltensparameter der Ringelgänse

Die störreizbedingte Reaktionshäufigkeit war vor dem Norderheverkoog als auch auf der Hallig Süderoog signifikant geringer als in Westerhever.

Der Anteil des Fliegens am Gesamtbudget wurde von der Störreizhäufigkeit des Tages signifikant beeinflußt. Die übrigen Verhaltensweisen blieben bei korrelativer Betrachtung unbeeinflußt.

In Westerhever war sowohl die tägliche Gesamtaktivitätszeit als auch die Zeit für die Nahrungssuche negativ mit der Reizhäufigkeit korreliert. Dies trat vor dem Norderheverkoog nicht ein.

Auch die Pick- und Schrittfrequenz wurde zur Störreizhäufigkeit in Relation gesetzt.

Die Pickrate und die Schrittfrequenz waren in Westerhever nicht von der Störreizhäufigkeit abhängig. Vor dem Norderheverkoog nahm die Pickrate mit steigender Störreizhäufigkeit signifikant ab, bei der Schrittfrequenz war keine Beziehung feststellbar.

Die Pickrate war vor dem Norderheverkoog bei den Gänsen (Jungtiere als auch adulte Gänse) größer als in Westerhever. Bei der Schrittfrequenz waren keine signifikanten Unterschiede erkennbar.

Kondition und Fortpflanzungserfolg (S. 442)

In beiden Untersuchungsgebieten wurde der größte Anteil der Zeit auf die Nahrungssuche verwendet.

In Westerhever nahm der prozentuale Anteil an der Nahrungssuche von März (63,0 ± 9,5 %) bis Mai (68,2 ± 5,7 %) nur unbedeutend zu, während der vor dem Norderheverkoog stark anstieg: März (39,7 ± 11,8 %), April (48,1 ± 10,4 %) und Mai (64,6 ± 3,7 %).

Dieser Unterschied wirkte sich jedoch auf die Massenzunahme der Gänse nicht aus; kurz vor Abflug in die Brutgebiete war die Kondition der Gänse in beiden Gebieten vergleichbar.

Im nachfolgenden Herbst war der Anteil Jungvögel vor dem Norderheverkoog zwar etwas größer als in Westerh