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Schnidrig-Petrig, Reinhard; Marbacher, Hubert; Ingold, Paul (1994) Reaktionen von Gemsen (Rupicapra rupicapra) auf Gleitschirme - Untersuchungen im Schweizerischen Alpenraum


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter)

 

INHALT

Die Reaktion von Gemsen auf Gleitschirme wird in verschiedenen Gebieten des Schweizerischen Alpenraums untersucht. Dazu werden Reaktions- und Fluchtdistanzen gemessen und Randbedingungen der Reaktion sowie Verhaltensweisen der Tiere beschrieben. Der vorliegende Artikel stellt beispielhaft die Untersuchung eines Gebietes vor.

Durch Vergleich der verschieden intensiv genutzten Untersuchungsgebiete sollen Aussagen über Fluchtverhalten und Gewöhnungseffekte und Verhaltensmuster bei der Flucht möglich werden.

Die umfassenden Ergebnisse sind nicht in dieser Arbeit, sondern in der Dissertation

enthalten. -> Auswertung siehe dort

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Flucht- und Reaktionsdistanzen relativ hoch, obwohl das Gebiet schon viele Jahre regelmäßig und intensiv beflogen wird, offenbar gewöhnen sich die Gemsen nur bis zu einem gewissen Grad
  • mögliche Folgen des Lebensraumverlustes durch die oben beschriebenen Ausweichreaktionen können sein:
  • Abwanderung
  • Verminderung der Kondition (anhand Analyse des Gewichts erlegter Tiere der letzten 15 Jahre)
  • Gefährdung der natürlichen Verjüngung der Wälder durch Verbißschäden

BEZUG/QUELLE

Staatsbibliothek Berlin, Haus 2

Potsdamer Straße 33

10785 Berlin

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 130) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Kandersteg - Allmenalp, Teil des Nord- Süd- verlaufenden Bergzuges im Berner Oberland/Schweiz

3 km², mäßig steile Alpweiden, Geröllfelder und steile Felsen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Beobachtung der Tiere bei Flugbetrieb und Durchführung von Experimenten mit gezielter Befliegung des Untersuchungsgebietes abseits der "Normalroute"

Messung bzw. Errechnung der Reaktions- und Fluchtdistanzen

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

anthropogene Einflüsse müssen als gravierend eingeschätzt werden, bei

Feststellung oder Erwartung einer verminderten Überlebens- und/oder Fortpflanzungsrate (Kriterium Kondition)

Schrumpfung und Verinselung des ursprünglichen Lebensraums

Folgeschäden in den Ausweichgebieten, z. B. Übernutzung von Vegetationsbeständen


EINWIRKUNGSDAUER

täglich, außer an nebligen, regnerischen Tagen von 7.00 Uhr bis zur Abenddämmerung

 

EINWIRKUNGSART

optische und akustische Reize

 

EINWIRKUNGSGRAD

"zahlreiche" Starts pro Tag an Wochenenden mitunter > 200

Überfliegen von Äsungsflächen

a. auf Normalrouten

b. abseits der Normalrouten

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

  • zwei Formen der Reaktion:
  • Sichern = kurze Unterbrechung der Nahrungsaufnahme
  • Flucht
  • Reaktion der jeweils nächsten (in Distanzklassen) äsenden Gemsgeiß auf den ersten startenden "Normalrouten"- Gleitschirm an 19 verschiedenen Tagen: häufigste Reaktion Sichern, selten Flucht

Reaktion/Entfernung 200-400 400-600 600-800 800-1000
keine Reaktion 0 0 3 2
Sichern 1 4 5 2
Flucht 1 1 0 0
  • Unterschied im Verhalten gegenüber Fliegern der Normalroute und abseits der Normalroute:
  • gegenüber Fliegern der Normalroute weichen Tiere "prophylaktisch" in Waldgebiete aus, d. h. sie nutzen die Flächen nur vor und nach dem Flugbetrieb, was nicht der normalen Äsungszeit entspricht -> Verlust an Lebensraum
  • Reaktion der Gemsen auf Flieger abseits der Normalrouten, Hangabstand des Gleitschirms 150-200 m

Reaktion mittlere Reaktionsdistanz maximale Reaktionsdistanz
Sichern 530 m 1020 m
Flucht 450 m 870 m
  • 90 % der Tiere die flüchten, flüchten in den Wald