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Schneider, Martin (1987) Wassersportler stören Wasservögel auch im Winter


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Fischerei, Motorboot/Wasserski/Parasailing, Segeln, Surfen, Wassersport

 

INHALT

Nach Einstellung der Jagd im Untersuchungsgebiet sollte im ersten jagdfreien Winter 1985/86 die von Bootsverkehr verursachten Störungen auf Wasservögel analysiert werden. Neben den verschiedenen Wassersportarten werden auch andere Störfaktoren, bspw. Greifvögel, mit erfaßt. Das Ergebnis zeigt, daß die Mehrzahl der Störfälle durch Bootsverkehr verursacht wird. Zur Sicherung der Bedeutung des Gebietes für Wasservögel fordert der Autor deshalb eine Sperrung für Sportboote von November bis Februar, weil zum einen große Wasservogelansammlungen extrem störempfindlich sind und zum anderen große Wasservogelbestände zur Überwinterung großflächige (in ihrer Gesamtheit störungsfreie) Gewässer benötigen.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Insgesamt entfallen 2/3 der beobachteten Störfälle und 90 % der Störfälle mit > 1000 beteiligten Individuen auf den Bootsverkehr. -> Für Wasservögel wichtige Teilbereiche des Ermatinger Beckens sind deshalb nicht oder nur durch kräftezehrende Ausweichflüge zu nutzen.
  • Die höhere Störwirkung von Kanus im Vergleich zu Ruderern wird darauf zurückgeführt, daß erstere mobil sind und durch lokale Informationen über Schutzgebiete nicht zu erreichen. Ruderer sind dagegen lokal organisiert.

BEZUG/QUELLE

Staatsbibliothek, Haus 1

Unter den Linden 8

10 117 Berlin

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 74) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Ermatinger Becken, Wollmatinger Ried, Voralpines Hügel- und Bergland: Bodenseebecken, Baden- Württemberg
  • 5 km² große Flachwasserzone, vom Seerhein durchzogen
  • "Feuchtgebiet internationaler Bedeutung"

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • 487 Bestandsaufnahmen, Zusammenfassung der Beobachtungszeiten zu Einheitstagen von 8 Stunden
  • Beobachtungszeit: Dezember-Februar 1980/81, 1982/83, 1983/84, 1984/85
  • Erfassung der Boote
  • Erfassung auffliegender Wasservögel: Auffliegen insgesamt, Auffliegen von mehr als 1000 Individuen

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Störfälle:

  • Verlagerung der Wasservögel innerhalb des Gebietes
  • Verlassen des Gebietes

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Bedeutung für überwinternde Wasservögel:

  • Trockenfallen großer Sand- und Schlickflächen aufgrund von Wasserstandsschwankungen des Bodensees
  • 4° C warmes Wasser aus Obersee hält auch bei strengem Frost Bereiche entlang der Rheinrinne eisfrei.
  • -> Ruhezonen/Rückzugsbereiche des NSG Wollmatinger Ried- Untersee- Gnadensee im Winter meist trocken oder vereist -> Abdrängen der Wasservögel in die durch die Schiffahrt genutzte Rheinrinne
  • maximaler Bestand im Untersuchungsgebiet 1985/86: 20 000 Wasservögel


EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigung

EINWIRKUNGSGRAD

  • Zunahme des Bootsverkehrs im Winter, insbesondere der Sportfischer
  • Segler und Surfer: keine günstigen Bedingungen im UG
  • Kanu: deutliche Tendenz zur Zunahme

1981/ 1982 1982/ 1983 1983/ 1984 1984/ 1985
Einheitstage 25 18 41 24
n n/d n n/d n n/d n n/d
Fischer* 10-20 0,4-0,8 21 1,17 48 1,17 43 1,79
Verwaltung* 6-16 0,24-0,64 10 0,56 55 1,34 35 1,46
Motorjachten 1 0,04 - - 5 0,12 5 0,2
Segelboote - - - - - - 1 0,04
Kanus - - 6 0,33 7 0,17 19 0,79
Ruderboote 4 0,16 9 0,5 - - - -
Boote gesamt 31 1,24 46 2,56 115 2,8 103 4,26

* - Angabe von Spannweiten, wenn Bootstypen nicht eindeutig zuzuordnen

Störfaktoren Störfälle
Art Anzahl % Anzahl % mit > 1000 Individuen %
Fischer 69 18 42 31 7 37
Verwaltung 40 11 25 18 3 16
Motorjachten 11 3 9 7 1 5
Kanu 14 4 11 8 6 32
Ruderboot 2 < 1 1 < 1 0 0
Segelboot 2 < 1 2 1 0 0
Personen 58 15 20 15 1 5
Großmöwen 53 14 3 2 0 0
Mäusebussard 83 22 4 3 0 0
Habicht 36 9 11 8 0 0
Hubschrauber 5 1 5 4 0 0
sontige 7 2 4 3 1 5
Summe 380 100 136 100 19 100

Sonstige = Wind, Hund, Fuchs, Jagd, Überschallknall und unbekannte Ursache

Fischerboote

  • prozentual häufigster Verursacher von Störwirkungen
  • v. a. nach störungsfreien Zeiten, bei Verteilung der Wasservögel nach Habitatansprüchen, verursachen Durchfahrten Kettenreaktionen mit Fluchtwirkungen, die über den Fluchtdistanzen liegen

Motorjachten

  • problematisch v. a. bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h, Verursachung von Kettenreaktionen, durch die Wasservögel ganze Uferbereiche verlassen

Kanuten

  • zwar relativ kleine Gruppe, aber hohe Störwirkung: Bevorzugung der besonders kalten Monate, die ansonsten besonders störungsarm