Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Reimers, Eigil; Eftestol, Sindre; Colman, Jonathan E. (2003) Behaviour responses of wild reindeer to direct provocation by a snowmobile or skier


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Wintersport

 

INHALT

Tourismus, Erholungssuche und Industrie nehmen auch in abgelegenen Gebieten mehr und mehr zu. Gleichzeitig mehren sich dadurch Begegnungen zwischen Menschen und wild lebenden Tieren. Um Konsequenzen solcher Begegnungen für wildlebende Rentiere herauszufinden, wurden in drei aufeinander folgenden Wintern die Reaktionen der Tiere auf Skifahrer und Schneemotorschlitten beobachtet und miteinander verglichen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Insgesamt ähneln sich die Reaktionen der Rentiere auf beide Aktivitäten. So führen sowohl Störungen durch Skifahrer als auch durch Schneemotorschlitten bzw. das daraus resultierende Fluchtverhalten zu einem höheren Energieverbrauch der Tiere.

Ca. 3 Begegnungen pro Tag verursachen aber nur einen so mäßigen Energieverlust, dass er von den Rentieren relativ leicht kompensiert werden kann und keinen Einfluss auf die Fortpflanzungsrate hat. Steigt allerdings die Anzahl der Sportler oder werden insbesondere mehr Flächen für sie erschlossen hat dies einen deutlich negativen Effekt auf den Energiehaushalt der Tiere.

Um die Störungen möglichst gering zu halten, empfehlen die Autoren v.a. weitere Beschränkungen für freizeitlich genutzte Motorschlitten.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2984) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Setesdal-Ryfylke im Süden Norwegens. Das Untersuchungsgebiet liegt zwischen 900 und 1.400 Metern über NN und ist durch überwiegend felsigen Untergrund geprägt. Der Gebrauch von Schneemotorschlitten ist in diesem Gebiet auf Ranger und das Transportwesen entlang ausgewiesener Wege beschränkt. Skifahrer treten den gesamten Winter über vereinzelt auf, konzentrieren sich aber in die Osterferienzeit.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die Untersuchungen wurden in den Wintern von 1998 bis 2000 mit insgesamt 55 Versuchsreihen mit Schneemotorschlitten und 29 Versuchsreihen mit Skiern durchgeführt.
Die Forscher näherten sich mit einer Geschwindigkeit von 4 km/h auf Skiern oder 20 km/h auf Schneemotorschlitten geradlinig den Rentierherden. Vor jedem Versuch wurden dabei folgende Variablen bestimmt:

  • Störart (Skier oder Schneemotorschlitten)
  • Wetter und Sichtverhältnisse (sonnig, bewölkt, regnerisch/schneiend oder nebelig)
  • Windgeschwindigkeit (in Beaufort)
  • Totographische Eigenschaften des Geländes (eben oder hügelig)
  • Vorherrschende Aktivitäten der Rentierherde (liegend, grasend oder in Bewegung)
  • Größe der Herde (weniger als, zwischen 20 und 75 oder mehr als 75 Tiere)
  • Zusammensetzung der Herde (Erwachsene Männchen, erwachsene Weibchen mit Kälbern oder gemischte Herde)
  • Windrichtung (Rückenwind vom Forscher zur Herde, Gegenwind, Seitenwind oder kein Wind)
  • Topographische Position des Forschers zur Herde (bergab, eben oder bergauf)

Während der eigentlichen Versuchsreihen wurden dann die Störreaktionen der Rentiere anhand von verschiedenen Distanzen ermittelt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Insgesamt wurden in den Versuchen folgende sieben Distanzen gemessen:

  • Startdistanz: Strecke zwischen dem sich nähernden Forscher und der geschätzten Mitte der Herde
  • Sichtdistanz: Strecke zwischen dem sich nähernden Forscher und der geschätzten Mitte der Herde, zu dem Zeitpunkt, an dem mindestens ein Rentier in dessen Richtung schaute
  • Scheudistanz: Strecke zwischen dem sich nähernden Forscher und der geschätzten Mitte der Herde, zu dem Zeitpunkt, an dem die Herde eine deutliche Scheureaktion zeigte, indem sich die Gruppe sammelte
  • Fluchtdistanz: Strecke zwischen dem sich nähernden Forscher und der geschätzten Mitte der Herde, zum Zeitpunkt der Flucht
  • Beruhigungsdistanz: Luftlinie vom Fluchtpunkt bis zu dem Ort, an dem die Tiere wieder ein beruhigtes Verhalten (z. B. grasend oder liegend) zeigten
  • Vollständige Fluchtdistanz: Luftlinie vom Fluchtpunkt aus, in dem Fall, dass sich die Herde nach der Wiederaufnahme beruhigten Verhaltens doch noch weiter vom Forscher entfernte und bestimmt wurde, das dies auf die vorangegangene Störung zurückzuführen war
  • Vollständig zurückgelegte Strecke: Vollständige Fluchtdistanz am Boden gemessen

Anhand der dadurch gewonnen Daten wurde anschließend der Energieverlust der Rentiere ermittelt.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Zur Bestimmung des Energieverlustes der Tiere wurde auf Basis der totalen, horizontal zurückgelegten Strecke auf mittel-weichem Schnee mit einer Einsinktiefe von 12-32 cm und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km/h der Verbrauch in Kilojoule (kJ) ermittelt. Der durchschnittliche Energieverbrauch wurde dabei mit 2,64 kJ/kg pro Kilometer in der Fortbewegung und 5,02 kJ/kg pro Stunde im Stehen kalkuliert.


EINWIRKUNGSART

Störung der Rentiere durch Skifahren oder Schneemotorschlitten

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Im Vergleich der unterschiedlichen Störreize lässt sich feststellen, dass die Rentiere den Motorschlitten deutlich früher wahrnahmen als den Skiläufer. Signifikante Unterschiede zwischen Scheudistanzen und Distanzen, nach denen die Tiere wieder ein beruhigtes Verhalten zeigten lassen sich nicht festmachen. Auffällig dagegen ist, dass sowohl die vollständige Fluchtdistanz als auch die vollständig zurückgelegte Strecke bei den Motorschlitten kürzer waren. Dies lässt sich wohl dadurch erklären, dass die Jagd auf Rentiere von Motorschlitten aus in ganz Norwegen untersagt ist, die Tiere aber zu Fuß gejagt werden und sie somit keinen Unterschied zwischen Jäger und Sportler machen.

Der durchschnittliche Energieverlust der Rentiere wurde mit einer Steigerung zwischen 31 und 590 kJ bestimmt, was ca.