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Romero, L.Michael; Wikelski, Martin (2002) Exposure to tourism reduces stress-induced corticosterone levels in Galágpos marine iguanas


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Naturbeobachtung

 

INHALT

Die Nebennierenrinde schüttet in Stresssiutationen u. a. Hormone, Corticoide, aus. Besonders Cortisol, ein Glucosecorticoid, wirkt sich hauptsächlich auf den Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel aus. Es bedingt einen erhöhten Ab- und Umbau der Proteine zu Glucose und gleichzeitig eine gesteigerte Glykosespeicherung in der Leber, während der Kohlenhydratumsatz im Gewebe gedrosselt werden kann. Andauernde Stresssituationen, u.a. verursacht durch menschliche Aktivitäten, können zu einer Erhöhung der Glucosecorticoid-Konzentration führen; diese ist u.a. für eine reduzierte Fruchtbarkeit, Wachstumsstörungen und das Absterben von Nervenzellen verantwortlich.

Es wird angenommen, dass ein zunehmender Ökotourismus auch zu einer Zunahme des Stresses und damit auch einer Erhöhung der Konzentration von Corticoiden führt. Jedoch zeigen Untersuchungen am Magellan-Pinguin, dass eine Gewöhnung an Besuche durch Menschen möglich ist. Somit wird angenommen, dass einige Formen des Tourismus nicht stressauslösend sind oder dass die Individuen in der Lage sind, physiologisch angepasst zu reagieren.

In dieser Studie wird untersucht, wie sich der Corticoid-Gehalt im Blut von Meer-Leguanen (Amblyrhynchus cristatus) auf den Galapagos-Inseln in Abhängigkeit von der An- oder Abwesenheit von Touristen und unter natürlichen Stressbedingungen unterscheidet.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Messung der Corticoid-Konzentration zeigt, dass Tourismus die Meer-Leguane nicht chronisch stresst. Leguane aus dem Gebiet mit Touristen hatten zudem nach 30 Minuten eine signifikant niedrigere Corticoid-Konzentration als Leguane aus dem Gebiet ohne Touristeneinfluss; deshalb wird angenommen, dass die Leguane die Corticoid-Ausschüttung physiologisch regeln ("herunterregeln" - der exakte Mechanismus ist unbekannt), und somit eine Gewöhnung an die Anwesenheit von Menschen angenommen werden muss.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2715) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Galapagos-Inseln, Ecuador

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Es werden sowohl Individuen untersucht, die Touristen ausgesetzt waren als auch Individuen aus touristenfreien Gebieten. Auch "natürliche" Stressoren wie El Nino werden in die Untersuchung einbezogen.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Corticoide werden erst ca. 3 Minuten nach Auslösung einer Stresssiutation ausgeschüttet. Deshalb wurde Individuen an zwei verschiedenen Stellen sofort Blut abgenommen (Mai 1999). Die Individuen wurden 30 Minuten in einem Sack verwahrt, dann wurde erneut Blut abgenommen. Die beiden Proben wurden analysiert und verglichen.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Unterschieden wurde zwischen Meer-Leguanen, die kontinuierlich Touristen ausgesetzt waren, Leguanen aus touristenfreien Gebieten und Leguanen, die einer natürlichen Stressbelastung durch El Nino - die Blutproben der Tiere wurden 1998 während des El Nino analysiert - ausgesetzt waren.


EINWIRKUNGSDAUER

ca. 30 Minuten

 

EINWIRKUNGSART

Fang der Tiere

 

EINWIRKUNGSGRAD

intensiv

 

TIERART

Meer-Leguane (Amblyrhynchus cristatus)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Sowohl in von Touristen aufgesuchten Gebieten als auch in nicht touristisch genutzten Gebieten reagierten Leguane auf Fang und Blutabnahme mit einer erhöhten Corticoidausschüttung.

Jedoch war die Menge der ausgeschütteten Stresshormone im von Touristen frequentierten Gebiet geringer als im ungestörten Gebiet.

Weiterhin lag der Eingangshormonspiegel, d. h. bei der Blutabnahme, bei den "El Nino - Tieren" höher (doppelt so hoch) als bei den Tieren der beiden anderen Versuchsgebiete.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

"Allgemeingesprochen, diese Untersuchungsergebnisse enthalten für Naturschützer zwei miteinander vermischte Erkenntnisse. Einerseits zeigen die niedrigen Ausgangskonzentrationen der Corticoide (der "1999"-Leguane) und die im Vergleich zu den "1998-El Nino"-Leguanen niedrigen Konzentrationen, dass die Leguane durch die gegenwärtige touristische Nutzungsintensität nicht gestresst werden, und auch den negativen Folgen chronisch erhöhter Corticoid-Konzentrationen deshalb nicht ausgesetzt sind. Demgegenüber steht jedoch der Nachteil, dass die positiven Effekte einer kurzzeitig erhöhten Corticoid-Ausschüttung auf lange Sicht fehlen und negativ auf die Überlebensrate wirken können." Es wird ein erhöhter Forschungsbedarf festgestellt, um die komplizierten Wechselwirkungen zwischen Hormonhaushalt und Störreizen besser verstehen zu können.