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Rademacher, Andreas (1993) Landschaftsschäden durch Bergwandern untersucht am Beispiel des Hochgrats/Oberallgäu


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Gerade in beliebten und gut erschlossenen Wandergebieten zeigt sich, daß "massenhaftes Begehen" der Wanderwege zu Schäden in der Landschaft führt. Die Arbeit untersucht die Entstehung von Schäden und den Zusammenhang zwischen Frequentierung der Wanderwege bzw. des Wandergebietes Hochgrat im Oberallgäu und dem Grad der Landschaftsschäden. Dabei stehen Veränderungen des Bodens im Mittelpunkt der Betrachtung. Für das Untersuchungsgebiet werden das Ausmaß der Erosion und typische Abspülungsformen kartiert.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die im Untersuchungsgebiet kartierten Dauerformen fluvialer Erosion erweitern sich beständig und sind als Landschaftsschäden anzusehen.

Tritt ist auslösender Faktor für den Bodenabtrag über folgende Wirkungskette: steigende Trittfrequenz => zunehmende Vegetationszerstörung/zunehmende Bodenverdichtung => zunehmender Oberflächenabfluß => erhöhter Bodenabtrag => zunehmende Neigung zur Bildung von Bodenabtragsformen.

Da die Bodenbildung im Hochgebirge mit steigender Höhe abnimmt, sind Bodenschäden in großen Höhen um so gravierenden und nur in sehr langen Zeiträumen zu kompensieren.

Mit einer Ausdehnung der Landschaftsschäden ist zu rechnen, da die Bedingungen (natürliche und massenhafte Bewanderung) gleich bleiben, die ökologische Ausstattung der Bergregion jedoch zunehmend labiler wird. Insofern wären landschaftsbauliche Maßnahmen und Maßnahmen zur Regeneration der Pflanzendecke sowie eine Verringerung der Trittbelastung/der Zahl der Touristen erforderlich.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2657) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Hochgrat-Region, Schwäbisch-Oberbayerische Voralpen, Bayern

südliches Oberallgäu, Höhe bis 1.834 m ü. NN

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Untersuchungszeitraum Juni 1991

klimatische Feldmessungen

Bodenkartierung, Profilkartierung, Substratuntersuchungen

Erosionsmessung, Kartierung von Erosionsformen

Erfassung von Landschaftsschäden und deren Auslösefaktoren: anthropogen ausgelöste Zunahme erosiver und denudativer Prozesse:

Bodenerosion:

ldmessungen

Bodenkartierung, Profilkartierung, Substratuntersuchungen

Erosionsmessung, Kartierung von Erosionsformen

Zählung von Besucherströmen, Auswertung von Statistiken, bspw. Hüttenbücher

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Maß der Ausdehnung von Bodenschäden:

Verringerung des Erosionswiderstandes des Bodens bei gleichzeitiger Erhöhung des Bodenabtrages über die Bodenneubildung hinaus

Sichtbarwerden des Ungleichgewichts der Geofaktoren

flächenhafte Ausdehnung

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

natürliche Rahmenbedingungen, die erosive Bodenprozesse im Untersuchungsgebiet begünstigen:

klimatische Verhältnisse: hohe Niederschlagsmengen und 140-180 Frosttage/Jahr (Aufbereitung größerer Schuttmengen durch Frostverwitterung)

morphologische Verhältnisse: steile Hänge und lange, linienförmige Wegstrukturen

pedologische Verhältnisse: Böden mit überwiegend lehmigem Charakter, hohe Bodenfeuchte

Vegetationsausstattung: nur 1/3 des Gebietes Wald, restliche Fläche beweidetes Dauergrünland (Viehtritt)

 

 


EINWIRKUNGSDAUER

70 % der Wanderer des Gebietes verteilen sich auf das Sommerhalbjahr

 

EINWIRKUNGSART

Tritt durch Wanderer

 

EINWIRKUNGSGRAD

ca. 85.000-90.000 Besucher im Sommerhalbjahr

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Entstehung typischer Zonierungen für die Wanderwege: zentraler, vegetationsloser Teil (an vielbegangenen Routen Verkürzungen des Bodenprofils bis hin zur Freilegung des anstehenden Gesteins), anschließend Deformationszonen der Vegetationsschicht

Mit Verschlechterung der Wegbeschaffenheit weichen Wanderer auf benachbarte Vegetationsflächen aus; Erweiterung der Wege, Entstehung neuer vegetationsloser Bereiche

Wege geringerer Hangneigung (< 30°) werden breiter ausgetreten

ca. 80 % der Böden der Wanderwege sind stark bis sehr stark erodiert, mit Profilverkürzungen 30-80 %

Freilegen des Gesteins nur an wenigen Stellen, da Bodenschicht im Untersuchungsraum relativ mächtig

Wenn Gestein frei liegt, ist stellenweise erhöhte Geröllbildung durch mechanischen Abrieb bei Tritt zu beobachten:

Obwohl der am höchsten frequentierte Wanderweg auch den höchsten Erosionsgrad und die höchste Wegbreite aufweist, scheint eine generelle Korrelation zwischen Ausmaß der Bodenveränderung und der Frequentierung der Wanderwege nicht zu bestehen. Auch geringe Frequentierung kann auf Dauer zu größeren Erosionsschäden führen.

Zwischen Bodenabtragsformen und Frequentierung der Wege besteht keine Korrelation, entscheidender sind hier Weg- und Hangneigung. Bei steigender Hangneigung können sich erosive Formen auch in der Vegetationsdecke (Weiden) ausbreiten.