Bundesamt für Naturschutz

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Roberts, G.; Evans, P.R. (1993) Responses of foraging Sanderlings to human approaches


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Es wird untersucht, ob Sanderlinge ihr Feindvermeidungsverhalten unter Anlegung von Kosten-Nutzen-Aspekten an unterschiedliche Störreizgeber anpassen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Menschen werden von Sanderlingen als kleines, kalkulierbares Risiko eingestuft, das durchschnittliche Reaktionsdistanzen von lediglich 12 Metern notwendig macht.

 


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Coatham Sands, Redcar, N.E. England

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die am Spülsaum Nahrung suchenden Sanderlinge wurden zu Fuß verfolgt. Es wurde notiert, in welcher Distanz der erste Vogel aufflog, wieviele weitere Vögel dem ersten folgten, ebenso die Richtung, in der die Vögel flohen (vom Untersucher weg und dann hinter dem Untersucher wieder landend oder in einer Distanz vor dem Untersucher wieder landend).

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Zwei Hypothesen wurden getestet:
(1) Wahrnehmung-Grenze-Hypothese, die davon ausgeht, dass die Wahrnehmung eines potenziellen Räubers (also auch eines Untersuchers) die Flucht auslöst.
(2) Energiekosten-Hypothese: Diese geht davon aus, dass die Reaktionsdistanz auf einen Beutegreifer von Kosten-Nutzen-Aspekten gesteuert wird; a) mit steigendem Risiko von einem Räuber ergriffen zu werden steigt die Reaktionsdistanz; b) die Reaktionsdistanz sinkt mit steigenden Kosten zu flüchten; c) die Reaktionsdistanz variiert in Abhängigkeit von der Anzahl der gemeinsam Nahrung suchenden Individuen.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Nahrung suchende Sanderlinge, denen sich ein Untersucher mit gleichmäßiger Geschwindigkeit nähert.


TIERART

Sanderling (Calidris alba)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Reaktionsdistanz: zwischen 5 und 50 m, im Durchschnitt 12 m; die Reaktionsdistanz wurde nicht von der Anzahl der Vögel bestimmt.

Da die Vögel, bevor sie aufflogen, erst wegrannten, mussten sie bereits vorher den Untersucher gesehen haben. Dies wird so interpretiert, dass sie eine Energiekosten-Entscheidung treffen, bevor sie auffliegen (Ausweichen ist günstiger als Auffliegen).

Eine Gewöhnung an die Experimente fand nicht statt.

Intensität der Reaktion: Die Individuen, denen sich der Untersucher am weitesten genähert hatte, reagierten intensiver. Alle Individuen in einer bestimmten Entfernung (10 m-Skala) flogen auf, während im nachfolgenden Abschnitt deutlich weniger Individuen reagierten. Wenn sich ein Untersucher den Vögeln näherte, löste er eine Reaktion aus, die sich - jedoch mit abnehmender Intensität - auf die Individuen über einen Strandabschnitt von etwa 60 m erstreckte. Je mehr Individuen, bis zu einem Abstand von 20 m auf einen Untersucher, mit Auffliegen reagierten, umso mehr Individuen der nachfolgenden Strandabschnitte wurden ebenfalls zum Auffliegen veranlasst.

Richtung der Flucht: Diejenigen Individuen, die dem Untersucher am nächsten waren, flogen zuerst von ihm weg und landeten dann hinter ihm; Individuen, die weiter voraus waren, aber ebenfalls reagierten, flogen vor ihm weg und landeten wieder. Vögel, die voraus flogen und in Strandabschnitten vor dem Untersucher landeten, hatten größere Reaktionsdistanzen. Solche, die hinter dem Untersucher flogen, hatten kürzere Reaktionsdistanzen. Es wird vermutet, dass die Entscheidung vor oder hinter einem Eindringling zu landen unter Energiekostengesichtspunkten gefällt wird (S. 39): Bei Reaktionsdistanzen < 20 m scheinen diese günstiger zu liegen, wenn hinter dem Eindringling gelandet wird, als sich später erneut aufscheuchen zu lassen.

Fluchtdistanz: Nachdem ein Untersucher nach Unterschreiten der Reaktionsdistanz eine Reaktion ausgelöst hatte, flohen die Tiere. Diese Fluchtdistanz variierte zwischen 5 und 300 m, der Median lag bei 40 m, wenn die Tiere vor, und im Median bei 35 m (Bandbreite: 15-220 m), wenn die Tiere hinter dem Untersucher landeten. Reaktionsdistanz und Fluchtdistanzen scheinen miteinander gekoppelt zu sein. Individuen mit einer längeren Reaktionsdistanz flohen auch über eine längere Distanz; dies gilt für Individuen, die hinter dem Untersucher landeten und im Fall voraus fliegender Individuen, die früh auf den ersten abfliegenden Vogel nach Störung reagierten.

Reaktion gegenüber Störreizen, die von Beutegreifern (Wanderfalke, Merlin, Turmfalke) ausgehen: In solchen Fällen flohen die Sanderlinge anders, indem sie normalerweise in einem kompakten Schwarm sehr schnell in die Höhe flogen und versuchten, über den Beutegreifer zu gelangen.
Das Verhalten gegenüber Menschen war ebenfalls wie oben geschildert; auch gegenüber Hunden, die Füchsen - einem potenziellen Beutegreifer - glichen, reagierten die Sanderlinge wie bei Menschen.