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Riederer, M. (1976) Die Auswirkungen eines Modellflugplatzes im Isarmoos bei Unterwattenbach (Landkreis Landshut) auf die Brutvogelwelt des Gebietes


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Modellflug

 

INHALT

Beschrieben werden Wirkungen eines 1971 errichteten Flugplatzes für Modellflugzeuge sowie der in Folge davon durchgeführten weiteren Veränderungen des genutzten Geländes (Bau von Unterkunftgebäude und Spielplatz, Bodenabtrag und Bau einer ca. 700m² geteerten Landebahn) auf die charakteristische Brutvogelfauna eines Niedermoorgebietes in Bayern.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Stockente (Anas platyrhynchos), Fasan (Phasianus colchicus) und Rebhuhn (Perdix perdix) sowie weitere "in unterschiedlicher Häufigkeit vorkommende Kleinvogelarten" erwiesen sich als relativ störungsunempfindlich.

Wiesenweihe, Sumpfohreule, Bekassine, Großer Brachvogel und Wachtelkönig reagierten direkt auf die, durch den Modellflugplatz verursachten Störungen. Sie wanderten "entweder nur aus dessen nächster Umgebung (Brachvogel) oder aus dem ganzen Isarmoos bei Unterwattenbach [ab]. Eine Neuansiedlung dieser Arten in der näheren wie weiteren Umgebung konnte nicht beobachtet werden. Für die Wiesenweihe bedeutete dies den Verlust des letzten Brutvorkommen in Niederbayern."

Anmerkung des Autors: "In diesem Zusammenhang muß man sich die Frage stellen, ob die bekannt große Störempfindlichkeit dieses Greifvogels der einzige Grund für sein Verschwinden aus unserer Gegend ist. Wie CHOUSSY (o. J.) aus der Auvergne (Frankreich) berichtet, haben sich dort viele Wiesenweihen besonders in Weizen- und Rapsfeldern angesiedelt, nachdem die vorher bewohnten Moorbiotope von der Flurbereinigung zerstört worden waren. Meiner persönlichen Meinung nach ist das sofortige Abwandern der Weihe, nachdem ihr der günstigste Brutbiotop genommen worden war, und das Ausbleiben eines Ansiedlungsversuchs in weniger geeignetem Gelände darauf zurückzuführen, dass unser Gebiet bereits an der Grenze des Verbreitungsgebietes der Art liegt. Hier, so scheint es, reichen nur "erstklassige" Biotope aus, um Wiesenweihen zur Ansiedlung bzw. Begründung einer Bruttradition zu veranlassen."

Arten wie das Braunkehlchen konnten nicht alle potenziell vorhanden Brutbiotope nutzen.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Isarmoos bei Unterwattenbach, Landkreis Landshut, Bayern.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Kartierung der Brutvogelarten im Gebiet. Deduktives Übertragen bekannter Wirkungen von Modelflugzeugen (Lärmemission, eratisches Auftreten [Greifvogeleffekt], zumindest temporär intensive Nutzung des Geländes durch die Modellflugzeugeigentümer).

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vergleich der Bestandsentwicklung vor und nach dem Bau des Modelflugplatzes bzw. der Intensivierung von dessen Nutzung.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Brutvogelbestand vor Errichtung des Modellflugplatzes, v. a. Bestandsangaben zu Wiesenweihe, Bekassine, Großer Brachvogel und Sumpfohreule, die hohe Anforderungen an die Habtiatqualität haben und bei denen eine geringe Toleranz gegenüber Störungen zu vermuten ist.


TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Großer Brachvogel In dem von Modellflugzeugen überflogenen Gebiet erfolgten keine Bruten mehr. Erst in einem Abstand von ca. 700 m vom Flugplatz kam es zu Bruten, jedoch nahm der Brutbestand ab.
Wiesenweihe, Bekassine, Sumpfohreule Mit Einsetzen und Intensivierung des Modellflugbetriebes wurde das ehemalige Brutgebiet aufgegeben.

BEMERKUNGEN

Die Datenlage beruht nicht auf empirisch gesichertem Material, da die Kartierung der Vögel parallel zu der Etablierung des Flugbetriebs erfolgte (keine Vorher-Nachher-Studie). Auch war es nicht möglich, Witterungs- (oder sonstige) von den Modellsportflug-bedingten Faktoren zu trennen. Unter Anlegung naturwissenschaftlicher Kriterien an die Daten und ihre Interpretation durch den Autor genügt diese Publikation naturwissenschaftlichen Anforderungen nicht, da eine Kausalität zwischen Brutvogelrückgang und Modelflugbetrieb nicht zwingend hergeleitet wird. Jedoch sind die Rahmenbedingungen der Datenaufnahme zu berücksichtigen und erfolgt eine vorsichtige Interpretation der Daten durch den Autor selbst, wobei auch Faktoren wie die Witterung oder Grenzareallage des Vorkommens von Arten berücksichtigt werden. Die Arbeit weist zwar keine Kausalität nach, aber sie macht eine Kausalität zwischen Flugbetrieb und Bestandsrückgang plausibel. Die Argumentation ist nachvollziehbar.