Bundesamt für Naturschutz

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Rauer-Gross, B (1992) Sichern und Fluchtverhalten von Gemsen (Rupicapra rupicapra) in einem toruistisch stark gestörten Gebiet der Ostalpen (Raxalpen)


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Jagd, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Störungen von Wildtieren sind oft schwer feststellbar, weil sie, wie Herzfrequenzmessungen zeigen, oft nicht unmittelbar erkennbar sind. Mehr oder weniger deutliche Änderungen in der Raum-Zeit-Nutzung geben jedoch deutliche Hinweise auf die Reaktion auf Störungen. Die Autorin unterscheidet zwischen direkt "reaktivem" Verhalten (z. B. Flucht) und mehr "prophylaktischem" Verhalten (z.B. regelmäßiges Sichern, Sicherzeit-Summe). Durch das Sichern soll vermieden werden, dass es zu einem direkten Kontakt mit Feinden (Mensch, Adler, Luchs) kommt. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie sich eine Gemsenpopulation auf einem relativ isoliert stehenden Bergstock mit touristisch stark unterschiedlich genutzten Bereichen diesen unterschiedlichen Bedingungen bezüglich Sicher- bzw. Fluchtverhalten anpasst. Die touristisch verschieden intensiv genutzten Bereiche des oberen Raxplateaus dienten als geeignete Untersuchungsgebiete.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Es zeigt sich eine ausgeprägte Anpassung der Gemse an die unterschiedlich intensiven Störungen. Junge führende Gemsen-Weibchen haben im Früh- und Hochsommer ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Deshalb dient schwer zugängliches Gelände (steil, felsig) als Rückzugsgebiet bei Störungen, jedoch sollte es "möglichst nahe bei bevorzugten Nahrungsgründen" [liegen]. Weber (1982) beschreibt Schweizer Gemsen, "die in unbejagten Gebieten keinerlei Fluchtreaktionen dem Menschen gegenüber zeigen und sieht in der Jagd den einzigen Grund für die Tiere, den Menschen zu meiden." Gemsen lernen den Menschen als Gefahr zu erkennen und reagieren bei dessen Annäherung, wenn er sich, den "Weg verlassend, auf sie zubewegt, mit Flucht."

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1745) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Raxalpe, Ostrand der nördlichern Kalkalpen, 90 km SSW von Wien, Österreich

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Das Verhalten von Gemsen wurde in zwei Teilgebieten, mit hoher bzw. niedriger Besucherfrequenz, untersucht.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

In ca. 200 10-Minuten-Protokollen wurde das Sicherungsverhalten protokolliert. In 82 Fällen wurde das Fluchtverhalten protokolliert (Reaktionsdistanz, Fluchtstrecke, Erholungszeit).

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Die etwa 1200 ha große Untersuchungsfläche zählt zu den von den Wienern am häufigsten frequentierten Wochenendausflugsgebieten. Die südliche Untersuchungsteilfläche mit zwei bewirtschafteten Hütten weist eine Wegedichte von ca. 26 m/ha, die nördliche ohne Hütte von ca. 17 m/ha auf.


TIERART

Gemse (Rupicapra rupicapra)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Sichern: Sichern als periodisch auftretendes Vorsichtsverhalten zeigt je nach Geschlecht und sozialer Stellung (Kitz/Kitz führend/einzeln/im Rudel) deutliche Unterschiede sowohl hinsichtlich der Häufigkeit (Sicherungsfrequenz) als auch dem investierten Zeitaufwand (Sicherzeit-Summe). Unterschiede zwischen dem stark von Touristen und dem weniger intensiv aufgesuchten Gebiet bestanden nur für die Sicherungsfrequenz. Dies war bei Weibchen mit Kitz besonders hoch. Generell sinkt mit zunehmender Rudelgröße der Zeitaufwand des Einzelindividuums für das Sichern.

Fluchtverhalten: Reaktionsdistanz, Fluchtstrecke und Erholungszeit fallen bei den Weibchen "weit höher" aus als bei den Männchen. Jedoch nähern sich bis zum Herbst die Werte mit dem Älter- bzw. Selbständigerwerden der Kitze denen der Männchen an.
Reaktionsdistanz, Fluchtstrecke und Erholungszeit sind in Teilgebiet A mit starker Störung geringer als in Teilgebiet B mit geringer Störbelastung. Anmerkung: Dies ist eine Anpassung an die Häufigkeit der Störungen, um den Energieaufwand für das Fliehen vor Menschen zu reduzieren.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Daten wurden mit derselben Methode wie von Hamr (1988) (s. dort) erhoben; die Ergebnisse beider Studien sind deshalb vergleichbar. Aufgrund der Unübersichtlichkeit des Geländes liegen die Distanzen meist unter den, in dieser Studie ermittelten Distanzen. Hier lässt die Topografie das frühere Erkennen von Störquellen zu. Die Topografie ermöglicht deshalb eine ökonomisch effizientere Reaktion auf Störreize.