Bundesamt für Naturschutz

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Ryslavy, T.; Putze, M. (2000) Zum Schwarzstorch (Ciconia nigra [L., 1758]) in Brandenburg


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Ballonfahrt, Jagd, Segelflug, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Es werden die für das Bundesland Brandenburg verfügbaren Daten zu Verbreitung, Lebensraum, Bestandsentwicklung, Störungsempfindlichkeit und - daraus abgeleitet - zu Schutzmaßnahmen zusammengetragen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Insbesondere die hydrologische Situation in der Umgebung des Brutgebietes sowie die anthropogen bedingten Störungen im Horstbereich (v. a. durch Waldbesucher und Bauarbeiten) treten deutlich als Störfaktoren hervor, die zur Aufgabe von Bruten führen. Forstliche Arbeiten als Störfaktoren spielen nicht mehr die große Rolle wie in vergangenen Jahrzehnten, sind allerdings noch immer gegeben. Der Hauptgrund für die Revieraufgaben (n=22), für die keine Ursachenermittlung möglich war, ist vermutlich im ungünstigen Wasserhaushalt und damit direkt zusammenhängend im eingeschränkten Nahrungsangebot zu suchen. Ursächlich hierfür verantwortlich sind der sich verschlechternde Zustand vieler Fließgewässer (z. B. durch Teilbegradigung, Gewässerunterhaltung) und die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Entwässerung von Bruchwäldern, Feuchtwiesen und Kleingewässern sowie in Trockenjahren zusätzlich witterungsbedingte Austrocknung von Feuchtbiotopen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 490) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Brandenburg

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Analyse der Faktoren, die an 47 Bruthorsten zur Aufgabe der Brut geführt haben. Es war jedoch nur in 25 Fällen möglich, den exakten Grund zu ermitteln. Bei 22 Brutaufgaben bleiben die Gründe unbekannt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

deskriptiv, Einzelfallbezogen

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Brutversuch/Aufgabe des Bruthorstes


TIERART

Schwarzstorch

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Freizeitaktivitäten

5x (20 %) erhebliche Störungen durch Waldbesucher

1 x (4 %) Modellflugsport (Landung eines Modellflugzeuges im Horst)

Sonstige anthropogene Aktivitäten

5x (20 %) Wasserabsenkung (meliorative Maßnahmen, witterungsbedingte Austrocknung)

4x (16 %) Erdarbeiten zur Brutzeit (Bahnbau, Erdgasleitung)

2x (8 %) Holzeinschlag zur Brutzeit in Horstumgebung

1 x (4 %) Horstbaum vorsätzlich abgesägt

2x (8 %) Gelegediebstahl

Natürliche Faktoren

1x (4 %) Seeadleransiedlung in 90 m Entfernung

3x (12 %) Horst abgestürzt/Horstbaum umgestürzt

1 x (4 %) zu hoher Aufwuchs um den Horst

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Ergebnisse wie sie aus Brandenburg referiert werden, werden unmittelbar mit Studien aus anderen Bundesländern verglichen. Die Störfaktoren wirken in ganz Deutschland generell sehr ähnlich.

 

BEMERKUNGEN

Auf Störungen zurückzuführende Brutplatzaufgaben lassen sich überwiegend auf nicht freizeitsportbedingte Faktoren zurückführen. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Horste in generell störungsarmen Wäldern angelegt werden, die zudem schwer auffindbar sind. Es ist deshalb - es sei denn der Horststandort ist bekannt - wenig wahrscheinlich, dass Freizeitaktivitäten zu Brutverlusten führen. In solchen Fällen kommt v. a. Aktivitäten, die unmittelbar interessegeleitet sind (Fotografieren oder Beobachten der Schwarzstörche) ein höheres Risiko zu. Auch gibt es Hinweise, dass Segelflugzeuge und Ballone störend wirken; jedoch liegen keine konkreten Hinweise dazu vor, ob sie zu einer Aufgabe der Bruten geführt haben.