Bundesamt für Naturschutz

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Reichholf, Josef (1999) Gutachten zur Störökologie des Kanuwandersports


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Erholung am Gewässer, Kanu, Kajak

 

INHALT

Am Beispiel der Untersuchungsgebiete "Isar" und "Unterer Inn" wurde der Konflikt zwischen Kanuwandersport und Naturschutz untersucht. Kernfragen des Gutachtens waren dabei, ob die Kanuten überhaupt eine relevante Störungsquelle darstellen und wenn ja

  • in welchem Umfang Störwirkungen von Kanuten auf störungsempfindliche Arten und empfindliche Gewässerbereiche ausgehen
  • und wie sich die Auswirkungen von Störungen und Belastungen mindern oder vermeiden lassen.

Die Untersuchung der Bootsfahrer beinhaltete die Betrachtung ihres räumlich-zeitlichen Nutzungsmusters, ihrer Fahrweise und die Erfassung, zu welchen Anteilen die verschiedenen Bootstypen gefahren wurden.

Bei der Untersuchung der Gewässer wurde nicht allein die kanusportliche Nutzung betrachtet, sondern ebenso die anderen Nutzer auf dem Wasser und an Land, wie z. B. Angler, Spaziergänger, freilaufende Hunde, die eine Beeinträchtigung für die Wasservögel darstellen können.

Im Fall störungsempfindlicher Arten sollte mit dem Gutachten geklärt werden, weshalb diese so empfindlich reagieren und wo die Ursachen dafür liegen.

Zu Fischen und Wirbellosen wurden keine eigenen Untersuchungen durchgeführt, der Autor stellt jedoch die Annahmen über die Auswirkungen zusammen.

Am Schluß werden eine Herangehensweise zur Lösung des Konfliktes in Form eines Fragenkatalogs zur Situationsanalyse sowie Angaben zum Maßnahmenspektrum vorgestellt.

Das Gutachten wird um das Leitbild Kanusport, das von der Arbeitsgruppe Leitbild des Deutschen Kanu-Verbandes e. V. erarbeitet wurde, ergänzt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Isar

  • Für störungsempfindliche Arten sind die zeitlichen Abstände währen der Brutzeit (10 Minuten mittlerer Minimalabstand) für eine Wiederberuhigung keinesfalls ausreichend groß, zumal wenn es sich um Störungen am Nest/Gelege handeln sollte (S. 28).
  • Bezogen auf die Zeit der Anwesenheit an einem definierten Uferabschnitt kann ein einziges Anglerboot bei stundenlanger Anwesenheit in einer Bucht nahe dem Ufer mehr Gesamtstörungszeit verursachen als Hunderte rasch durchfahrender Boote. Beweis (S. 30)
  • Alle Boote, die die Isar befahren sind im Hinblick auf ihr mögliches Störungspotential vor dem Hintergrund der starken Frequentierung des Gebietes durch Spaziergänger und Hunde zu betrachten.
  • Hauptursache für die Störungsempfindlichkeit der Wasservögel ist ihre direkte Verfolgung durch die Jagd. Wäre es möglich, diese (in einem Gebiet) einzustellen, würde die dadurch abnehmende Störungsempfindlichkeit der Tiere ein "ungleich höheres Maß an anderweitiges Naturnutzungen" ermöglichen (S. 54).
  • Eine Verringerung von Störungen kann auch dadurch erreicht werden, daß sich die Menschen auf bestimmten festgelegten Wegen/ Routen (an Land, auf dem Wasser) bewegen (S. 55).
  • Der Konflikt zwischen Kanuwandersport und Naturschutz ist lösbar, vorausgesetzt es bestehen hinreichende Kenntnisse über die örtlichen Gegebenheiten und die jeweiligen Ursachen.

BEZUG/QUELLE

Deutscher Kanu-Verband e. V.

Bertaallee 8

47055 Duisburg

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 70) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Schwerpunktgebiet der Arbeit:

Isar, zwischen Bad Tölz und München, Voralpines Hügel- und Moorland, Bayern

Isar zwischen Bad Tölz und München (häufig von Kanuten genutzt), weitgehend im Zustand eines "Wildflusses", d.h. über größere Strecken unverbaut, Ableitung von Isarwasser über den Walchensee vermindert die Wasserführung, jedoch führt der Fluß im Sommer ausreichend Wasser für die Befahrung mit motorlosen Booten bis hin zu Großschlauchbooten und ab Wolfrathshausen auch mit den Isar-Flößen. Die Bundeswehr führt ebenfalls Übungsfahrten auf diesem Flußabschnitt durch.

Wechsel von schnell strömendem und langsamer fließenden Bereichen, Stromschnellen, schmalen Seitenarmen und breiten, flach überströmten oder freiliegenden Kiesflächen sowie eine beeindruckende Inselwelt.

Über erhebliche Streckenabschnitte läßt sich die Fließgeschwindigkeit in Bereiche von durchschnittl. 1m/ s und 2m/ s einteilen.

Der Großteil des Flußabschnitts steht unter Naturschutz und ist Lebensraum seltener Tiere und Pflanzen.

Zahlreiche Formen der Erholungsnutzung im und auf dem Wasser (sowohl Naherholung als auch Ferien/ Urlaub), starke Frequentierung durch Erholungssuchende aufgrund der Nähe zu München und der Lage im Zentrum des oberbayerischen Erholungs- und Ferienraums.

Unterer Inn, Schwäbisch Oberbayrische Voralpen, Bayern (als Kontrastgebiet zur Isar mit geringerer Bootsfrequenz und einer größeren Menge störungsempfindlicher Wasservögel) (S. 14f.)

Unterer Inn im Bereich der Naturschutzgebiete "Salzachmündung" und des Europareservates "Unterer Inn".

Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung, Gebiet der "Ramsar-Konvention".

Ausweisung als Europareservat: auf deutscher Seite besteht das Gebiet aus den NSGs "Salzachmündung" und "Unterer Inn", auf österreichischer Seite untersteht der Untere Inn ebenfalls der "Ramsar-Konvention" u. umfangreiche Gebiete, die an die bayer. Schutzgebiete angrenzen, wurden unter Naturschutz gestellt. Dies zieht auf deutscher Seite folgende Einschränkungen nach sich: Völlige Sperrung in Teilbereichen für Bade- und Erholungsnutzung sowie teilweise Sperrung für das Befahren des Flusses mit Booten, in den NSGs ist das Betreten der Ufer oder das Anlanden mit Booten nicht gestattet.

mittlere Jahreswasserführung von 1000 m3/s Flussbreite zwischen 250 m und 1000 m, Fließgeschwindigkeit 0,5-0,2 m/ s (geringer als die Isar, da Unterer Inn gestaut)

Der Fluß ist für wassergebundenen Erholungsbetrieb wenig attraktiv, da die Wassertemperatur auch im Hochsommer kaum über 15°C steigt (Hauptzufluß aus zentralalpinen Gletscherregionen). Naherholungsgebiete im Untersuchungsraum sind speziell ausgewiesen und vom Unteren Inn entweder abgetrennt oder zumindest vom Schutzgebiet isoliert.

Ausnahmeregelungen erlauben Anglern die Benutzung von Booten in den Naturschutzgebieten oder Teilen davon. Motorboote sind am österreichischen Ufer der Salzachmündung gestattet.

Ergänzende Untersuchungen wurden an der Oberen Ammer, einem Fluß mit geringer Breite sowie an Gewässern im Stadtgebiet von München, die ohne Befahrung sind, durchgeführt.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Isar

60 Beobachtungstage im Zeitraum April 1996 - Oktober 1997. Versuch, möglichst viele Wochenenden mit günstiger Witterung einzubeziehen.

1996 wurden 22 Kontrollen mit 464 Booten, 1997 wurden 38 Kontrollen mit 1458 Booten durchgeführt.

Die 38 Kontrollen im Jahr 1997 beinhalten etwa 80 % der günstigen Wochenenden (daher haben die Untersuchungen nicht nur Stichprobencharakter). Durchgängige Erhebungen auf der gesamten Isarstrecke des Untersuchungsgebietes (mit Hilfe 3 eigener Befahrungen)

Bedingt durch die überdurchschnittliche Anzahl an Schönwetter-Tagen im Jahr 1997 sind die von den Booten ausgehenden Belastungen und Störungen ebenfalls überdurchschnittlich ausgeprägt (Rückschlüsse durch Vergleich mit dem Vorjahr).

 

Unterer Inn

20 Beobachtungstage in den beiden Sommerhalbjahren.

Zur Vermeidung eigenverursachter Störungen wurde mit Fernrohren von geeigneten Stellen aus gearbeitet.

Obere Ammer: 3 Untersuchungstage; Gewässer im Stadtbereich von München: 5 Untersuchungstage

Verteilung der Kontrollen auf die Wochentage: 20 Kontrollen Mo-Do, 8 Kontrollen am Fr, 17 Kontrollen am Sa, 15 Kontrollen am So.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Isar

Einteilung nach Wochentagen und Wochenenden, Berücksichtigung der "Brutzeit" und "Ferienzeit" (Brutzeit: von März bis Ende Juni, Ferienzeit: Anfang Juli bis Mitte September), Berücksichtigung der bayerischen Sommerferien

typenmäßige Erfassung der Boote: Kanus (Kajaks, Kanadier, Faltboote, feste Kanus) sowie Schlauchboote (kanuartige Typen bis hin zu Großbooten mit 20 und mehr Insassen)

Ermittlung der Insassen-Zahl, ggf. besondere Verhaltensweisen, z.B. Anlanden, Verweildauer, auffälliges Lärmen, abweichende Fahrweise

stichprobenartige Messung der Fahrtgeschwindigkeit (Zuordnung zur Fließgeschwindigkeit möglich)

Unterer Inn (S. 18ff.)

Protokollierung der Reaktionen der Wasservögel und ggf. Ermittlung der Ausweichdistanzen (AD) oder der Fluchtdistanzen (FD)

auf ausgewählten Uferabschnitten von 1 km Länge Erfassung aller Störquellen: andere Erholungssuchende, freilaufende Hunde sowie Angler auf ihren Booten

Die Untersuchungsgebiete sind frei von Bejagung. dies ist bei der Übertragung der Untersuchungsergebnisse zu berücksichtigen.

Die Reaktion der Vögel ist abhängig von der Art der Annäherung der Boote.

Das Verhalten der Bootsfahrer wurde in folgende Kategorien gefaßt:

A Ruhiges, gleichmäßiges Durchfahren. Keine heftigen Bewegungen, kein hektisches Paddeln, kein Lärmen, Einhalten des Kurses und Abstand zum Ufer oder Fahrt etwa in der Flußmitte.

B Auffälliges Rudern und Steuern, Kursänderungen. Fahrten im Bereich stärker strömender Abschnitte, Überholmanöver, Insassen der Boote bewegen sich unkoordiniert.

C Lärmendes Bootfahren, evtl. mit Anlandung. Bootsinsassen springen ins Wasser, ziehen (grölend) das Boot über flache Stellen oder ans Ufer, überladene Boote.

Folgende 2 Störkategorien wurden zusätzlich eingeführt:

D Stöbernde Hunde, die häufig bei Vögeln regelrechte Panikreaktionen auslösen können.

0 Lagernde Menschen, hier hängt es von den Vögeln ab, wie weit sie sich den Menschen nähern.


EINWIRKUNGSDAUER

Isar

von Mai-August fuhren 97 % aller Boote, Frequentierung innerhalb dieser Periode war witterungsabhängig

90 % aller Boote fuhren zwischen 12 und 18.30 Uhr (1/3 davon Kanus, 2/3 Schlauchboote, Startzeit: mittags bis am frühen Nachmittag (S. 68).

2/3 aller Boote fuhren in der Ferienzeit.

die Boote in der Brutzeit konzentrierten sich auf die mittleren Nachmittagsstunden, in der Ferienzeit Verschiebung auf den Spätnachmittag

Die Stunden von 12-18 Uhr in der Brutzeit kann die Zeit der entscheidenden Störungen sein.

 

Anlanden/Zwischenrast

Schlauchbootfahrer landen mehr als 10 mal so häufig als Kanuten an Kiesbänken/ Inseln an. Sie verbleiben dort durchschnittl. 42 Min (n=34), bei den Kanuten wurden nur 3 Fälle beobachtet, sie stoppten nur für wenige Minuten (5/7/9).

Anglerboote am Unteren Inn hatten eine Verweildauer von ca. 2 Std. bis mehr als 5 Std.

 

Unterer Inn

ganzjährige Nutzung von Holzbooten durch Angler in den dafür genehmigten Bereichen. Schwerpunkte: März/April sowie September-November

In den Frühlings-/Frühsommermonaten nutzen die Angler die frühen Morgenstunden und den Abend bis zum Einbruch der Dunkelheit. Bei sommerlicher Hitze waren vergleichsweise wenig Anglerboote in den Buchten.

geringe Frequentierung durch Kanu-/Kajakfahrer: an 20 Kontrolltagen 16 Kanus/Kajaks sowie 2 Schlauchboote. Hauptkontingent stellten die Ruderboote der Angler (insges. 53 Boote). In den Bereichen der NSGs waren die Anglerboote die alleinigen Nutzer.

Bade- und Erholungsbetrieb findet am Inn nicht statt.

 

Obere Ammer

Der Anteil der Kanuten an der Anzahl der gesamten Boote betrug über 80 %.

 

EINWIRKUNGSART

Isar

optischer und akustischer Reiz durch Boot und Bootsinsassen auf dem Wasser und am Ufer sowie durch Spaziergänger und freilaufende Hunde ebenfalls im Uferbereich.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Isar

Frequenz der Boote in Abhängigkeit vom Wochentag (durchschnittl. Anzahl der Boote/Tag)

Mo-Do: 4,8 (Ferien, ohne Aug.),

Mo-Do: 50,6 (bayer. Ferien, im Aug.), Fr: 22, Sa: 72,4, So: 70,5

 

Fahrtgeschwindigkeit

Schlauchboote fahren durchschnittl. mit der Fließgeschwindigkeit oder streckenweise etwas schneller.

Kajaks fahren etwa doppelt so schnell wie Schlauchboote (bezogen auf einen zu passierenden Uferabschnitt)

Schlauchboote fahren später ab als Kanus, sind insgesamt langsamer und kommen auch später an.

Frequenz der Boote gemessen am Zeitintervall zwischen 2 Booten (im Hinblick auf die Wiederberuhigung)

mittlerer Minimalabstand in der Brutzeit beträgt 10 Minuten

mittlerer Minimalabstand in der Ferienzeit beträgt 4 Minuten

bei hoher Bootfrequenz in der Brutzeit kann der Minimalabstand während der Brutzeit auch 2 Minuten betragen.

Schlauchboote sind auf die Sommermonate konzentriert (3/4 im Juli/Aug.), Kanus nutzen von März bis Oktober die Schönwetterphasen gleichmäßiger.

Bezogen auf einen Ufer-abschnitt von 1km Länge wurden insgesamt 1458 Boote mit 4468 Insassen erfaßt, weiter 4541 Personen am Ufer sowie 166 Hunde.

Die Anzahl freilaufender Hunde liegt im Frühjahr und Herbst höher als im Hochsommer. Das ist insbes. in der Brutzeit von Bedeutung.

Bootstypen unterschieden sich auch nach der Zahl der Insassen

 

Verhalten der Bootsinsassen

die Kanuten fuhren über alle erfaßten Strecken am ruhigsten, die am meisten lärmenden, erratische Kurse fahrenden Boote waren die Schlauchboote größeren Typs.

 

Spaziergänger

Aufenthalt im unmittelbaren Uferbereich, d. h. 20-30 m vom Wasser entfernt, vorwiegend im Frühjahr und Herbst. Im Sommer überwiegt der Sonnen- und Badebetrieb an den Ufern. Spaziergänger kommen im Jahresverlauf früher in großer Zahl und bleiben im Herbst länger als die Boote.

 

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Isar (Wildflußlandschaft bietet Ausweichmöglichkeiten wie sie an regulierten Gewässern nicht bestehen)
Kategorie n
Gänsesäger (Mergus merganser) A AD durchschnittl. 9 m 34

FD durchschnittl. 10 m 12

B FD durchschnittl. 12-10 m 3

C AD durchschnittl. 14,5 m 10

D FD (Stöberjagd) 35 m u. 60 m 2

0 durchschnittl. 7,5 m 14

An den kontrollierten Isarabschnitten (1,5 km u. 1 km Länge) brüteten 1997 5 Gänsesägerpaare mit folgendem Bruterfolg: 9/6/5/5/3, wobei die 9 Jungen an einem der am dichtesten im Uferbereich "belegten" Abschnitt aufwuchsen und bis Mitte August beobachtet werden konnten.

5 Gänsesägerpaare auf 2,5 km Flußlänge = die max. Siedlungsdichte und 5,6 Jungen durchschnittl. pro Weibchen ein guter Bruterfolg. Die Störungen hatten demnach keinen nachhaltigen negativen Einfluß.

Anm: des Autors: Wildflußlandschaft bietet Ausweichmöglichkeiten; die Gänsesägerpopulation an der Isar überwintert am Bodensee oder im Nahbereich, die Vögel geraten also nicht unter Jagddruck, wenn sie das Brutgebiet verlassen.

Diese Besonderheit wird in den weitaus größeren FD deutlich, die die Gänsesäger am Unteren Inn zeigen, obwohl sie dort ebenfalls nicht bejagt werden, aber als Wintergäste vorkommen. Die AD liegen bei 80-150 m, die FD bei 30-70 m.
Kategorie durchschnittl. FD FD (m)
Wasseramsel (Ciuclus ciuclus)

A 8 m 3-15 Nahrungssuche

B 8 u. 15 Nahrungssuche

C* 12 m 5-15 Nahrungssuche

*ein gr. Schlauchboot wurde auf eine Entfernung von 8 m von der am Ufer nahrungssuchenden Wasseramsel ohne erkennbare Reaktionen toleriert.

0 2,5 m 1,5-4 Nest

Negative Auswirkungen der möglichen Störquellen auf Vorkommen und Häufigkeit der Wasseramsel ließen sich im untersuchten Bereich nicht feststellen. Die geringen Fluchtdistanzen zeigen, daß die Vögel mit Menschen und Boot vertraut sind und diese tolerieren - vorausgesetzt sie kommen nicht zu nahe.
Bei der Wasseramsel sind AD und FD nicht zu trennen. Getrennt wird zwischen Nestbereich und Nahrungssuche. FD (im Frühjahr) ca. 20 m, AD gegenüber Hunden 25 m

FD 7+/-2 m n = 6



FD 6+/-3 m n = 22

FD 2-3 m n = 50

FD* 1,8-6 m n = 50

*Zugvögel im Frühjahr bis 18 m, Jungvögel im Sommer bis knapp 2 m.

Die FD unterscheiden sich nicht von denen, die in innerstädtischen Bereichen festzustellen sind.
Stockente (Anas platyrhynchos) Unterer Inn (S. 47f.)

Ausweich- und Fluchtverhalten der Wasservögel sind am Unteren Inn stärker ausgeprägt als an der Isar - ca. eine Zehnerpotenz mehr.

"Die Wasservögel reagieren auch sich nähernden Booten mit AD von 80-250 m und mit Abflug bei Annäherung auf 50-120 m" (S. 47).
Waldwasserläufer
(Tringa ochropus)
Die stärksten Reaktionen wurden von schnell fahrenden Motorbooten ausgelöst. Hierbei kommt es nicht mehr zu Ausweichreaktionen, sondern zum Abflug auf Entfernungen von 100-200 m.
Eisvogel (Alcedo atthis) Auch die Surfer halten weite Bereiche vogelfrei. Distanzen zwischen den Surfern und den nächsten Wasservögeln betragen meist zwischen 200 und 300 m.
Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)

Bei Kanus und Schlauchbooten, die etwa mit Fließgeschwindigkeit oder etwas schneller kommen, sichern die Vögel und bleiben sitzen, wenn die Boote einen Abstand von >100 m zu den Ruheplätzen haben.
Bachstelze (Motacilla alba) Die stärksten Reaktionen zeigen die bejagten Wasservogelarten, hier vor allem die Enten. Diese reagierten auch im seit 20 Jahren jagdfreien Schutzgebiet schon bei Entfernungen der Boote von 150-200 m mit Abflug und kehrten meist erst nach einer halbe Stunde oder später nach Abzug des Bootes wieder zurück.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Untersuchung kann zwar Hinweise liefern für ein ähnlich gelagertes Problem, jedoch kann und darf davon keine umfassende allgemein gültige Übertragbarkeit abgeleitet werden. Die Verhältnisse andernorts können sich von denen der konkreten Untersuchung zu sehr unterscheiden.

Potentiell störungsempfindliche Arten sind als Arten weit verbreitet und haben ein ihrer Natur entsprechendes Grundmuster im Verhalten und in ihrer Biotopnutzung. Auch Menschen weisen in ihrem Freizeit- und Erholungsverhalten allgemeine Grundmuster auf. Insofern enthalten die spezifischen Untersuchungsergebnisse auch eine verallgemeinerungsfähige Komponente (S. 11).