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Reinmuth, Joachim (2001) Golf und Naturschutz: Entwicklung verschiedener Tiergruppen auf den Golfplätzen Köln-Flittard und Ahaus Alstätte - Teil I


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Zunehmender Golfsport und die damit verbundene Anlage neuer Golfplätze führen gleichzeitig zu verschärftem Konfliktpotenzial zwischen Golfsport und Naturschutz. Dem Argument des zunehmenden Landschaftsverbrauchs mit der Zerstörung von Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten steht dabei das der Erschaffung neuer Lebensräume auf Golfplätzen gegenüber. Ziel dieser Studie ist es, anhand einer quantitativen Langzeitstudie die Artenentwicklung dreier Tiergruppen auf zwei ausgewählten Golfplätzen festzustellen und Aussagen über die Lebensraumqualität von Golfplätzen machen zu können.

Bemerkung:
Die Studie erschien in zwei Teilen:
Teil I:
Reinmuth, Joachim (2001): Golf und Naturschutz: Entwicklung verschiedener Tiergruppen auf den Golfplätzen Köln-Flittard und Ahaus Alstätte - Teil I
Rasen/Turf/Gazon mit Greenkeepers Journal 1/32, S. 4-15
Teil II:
Reinmuth, Joachim (2001): Golf und Naturschutz: Entwicklung verschiedener Tiergruppen auf den Golfplätzen Köln-Flittard und Ahaus Alstätte - Teil II
Rasen/Turf/Gazon mit Greenkeepers Journal 2/32, S. 32-37

Die im Folgenden vorgestellten Ergebnisse sowie Bezug/Quelle beziehen sich sowohl auf Teil I wie auf Teil II.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Zusammenfassend lassen sich die Entwicklungen von Amphibien, Libellen und Vögeln auf beiden Golfplätzen als positiv bewerten. Die Erhaltung bestimmter Landschaftselemente und die Anlage neuer Biotopeinheiten haben wertvolle Lebensräume erhalten bzw. geschaffen. Abschließend gibt der Autor Vorschläge zur Planung und Pflege von Golfplätzen, die solch eine positive Entwicklung und Lebensraumausprägung fördern können. So reiche beispielsweise das alleinige Ausweisen von Tabuzonen als Ausgleichsmaßnahme nicht aus. Faunistische und floristische Bestandsaufnahmen in enger Zusammenarbeit mit örtlichen Naturschutzvertretern können helfen, Zielarten zu bestimmen und deren bevorzugte Lebensraumbedingungen zu fördern und entsprechend zu pflegen. Sollten Golfsport und Naturschutz gleichermaßen berücksichtigt werden, ist ein Kompromiss möglich, dessen Potenziale in Zukunft weit mehr genutzt werden sollten.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3020) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Golfplätze Köln-Flittard und Ahaus Alstätte, NRW.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Analyse der Bestands- und Artenentwicklung ausgewählter Tierarten auf beiden Golfplätzen mit Hilfe vorheriger Untersuchungen seit 1988/1989 und neuer Erhebungen aus dem Jahr 1999.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bestand und Artenvielfalt von Amphibien, Libellen und Vögeln.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Beide Plätze wurden ausgewählt, da umfangreiche Untersuchungen (Umweltverträglichkeitsprüfung, Landschaftspflegerische Begleitpläne, Ökologisches Gutachten sowie faunistische Kartierungen) aus mehreren Jahren vorlagen, die eine Entwicklungsbetrachtung zuließen.


EINWIRKUNGSDAUER

Beide Golfplätze bestanden zur Zeit der letzten Untersuchung seit ca. zehn Jahren.

 

EINWIRKUNGSART

Umstrukturierung von vormals überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen in Golfplätze.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Starke Umstrukturierung der Biotopeinheiten bzw. ihrer Flächennutzung mit unterschiedlichen, insgesamt aber überwiegend positiven Auswirkungen für die untersuchten Tierarten.

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Amphibien: Köln-Flittard Anstieg der Artenzahl und insbesondere der Laichgewässer von 1989 bis 1999. An den neu angelegten Gewässern konnten Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch und Wasserfrosch festgestellt werden
Libellen: Köln-Flittard Anstieg der Artenvielfalt in den Jahren von 1989 bis 1999, mit einem Höchstwert an Verbreitungspunkten im Jahr 1994. Rote-Liste-Arten konnten erstmals 1998/1999 beobachtet werden
Vögel: Köln-Flittard Die Gesamtzahl an beobachteten Vogelarten blieb über den gesamten Untersuchungszeitraum weitestgehend konstant. Die Gesamtzahl an Brutpaaren zeigte 1999 aber einen Höchstwert. Die Entwicklung von Brutvogelpaaren der Roten Liste NRW verläuft dabei unterschiedlich: Kleinspecht und Pirol wurden nur 1989, der Sperber 1989 und 1993 kartiert. Die Dorngrasmücke konnte 1993 und 1999 beobachtet werden, der Habicht wurde in allen Untersuchungsjahren erfasst. Erstmals 1999 traten Grünspecht, Neuntöter und Nachtigall als Brutvogel auf
Amphibien: Ahaus Alstätte Von 1990 bis 1999 ließ sich eine schwankende, aber insgesamt steigende Anzahl von Arten und Laichgewässern feststellen
Libellen: Ahaus Alstätte Von 1990 bis 1999 ließ sich eine schwankende, aber insgesamt steigende Anzahl von Arten und Verbreitungspunkten feststellen
Vögel: Ahaus Alstätte Die Gesamtzahl der Vogelarten blieb über den Untersuchungszeitraum relativ konstant, im Jahr 1999 konnte dennoch ein Höchstwert festgestellt werden. Nach einem kurzfristigen Rückgang in der Anzahl von Brutvogelpaaren stieg ihre Anzahl langsam wieder an und erreichte ebenfalls 1999 einen deutlichen Höchstwert. Ähnlich wie in Köln-Flittard verläuft die Entwicklung von Brutvögeln der Roten Liste NRW auch hier unterschiedlich: Die 1993 beobachtete Dorngrasmücke konnte 1999 nicht mehr festgestellt werden, der Pirol wurde sowohl 1995 wie 1999 erfasst. Erstmals wurden 1999 Hohltaube, Grünspecht und Schwarzspecht als Brutvögel registriert

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Der Vergleich mit ähnlichen Studien zur Artenvielfalt auf Golfplätzen zeigt, dass diese insbesondere durch die Erschaffung neuer Biotopeinheiten wie Kleingewässern bei gleichzeitiger Beibehaltung oder Neuanlage von Gehölzstrukturen und weiterer Lebensräume das Artenpotenzial im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Flächen steigern können.

 

BEMERKUNGEN

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