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Putzer, Dietrich (1983) Segelsport vertreibt Wasservögel von Brut-, Rast- und Futterplätzen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Angeln, Segeln, Surfen, Wassersport

 

INHALT

In dieser Arbeit bestimmt der Autor die Auswirkungen des Segelsportes auf Wasservogelpopulationen während der Nahrungsrast auf dem Herbst- und Frühjahreszug und während der Winterrast. Brut- und Mauserzeit werden jedoch nur im untergeordnetem Maße bearbeitet.

Auf der Ebene der Erregung und des Verhaltens von Wasservögeln haben die Untersuchungsergebnisse einen deutlichen Einfluß des Segelns auf die Tiere gezeigt.

Je größer das Entenkontingent auf einem See ist, desto höher ist die Fluchtdistanz und die Zahl der durch einen Segler aufgescheuchten Tauch- und Reiherenten sowie Gänsesäger. Ein Kontingent von 750 Tieren hatte eine Fluchtdistanz von über 500m. Die "sensiblen" Individuen waren nach nur 2 Störereignissen von einen See vertrieben.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Im gesamten Winterhalbjahr waren die Fluchtdistanzen gegenüber Seglern sehr hoch. Um Kiesseen als störungsfreie Nahrungsrastplätze und Winterquartiere zu erhalten, empfielt der Autor Sperrzeiten vom 15. September bis 30. April.

Für Brutreviere von Wasservögeln spricht der Autor sich für Sperrzeiten vom 1. März bis 30. Juli aus.

Um einen ausreichenden Schutz der Wasservögel gegenüber Störungen zu erreichen, muss zusätzlich auch das Angeln vom Boot aus beschränkt werden. Zusätzlich sollten ausreichend große Uferteile angelfrei bleiben.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2654) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Das Untersuchungsgebiet umfasst eine aus 19 Kiesseen bestehende Baggerseenplatte zwischen der Wuppermündung bei Leverkusen und den Altrheinschleifen und Überschwemmungsräumen im Süden von Düsseldorf und Mohnheim. Der Mohnheimer Baggersee mit einer Fläche von ca. 60 ha ist der Kernbereich der vorliegenden Untersuchung. An drei weiteren Seen wird neben dem Mohnheimer See ebenfalls der Segelsport ausgeübt. Dazu zählen der Widdauensee, der Waldsee und der Kiessee bei Neujudenhof.

Zwischen 1971 und 1973 wurden die ersten Voruntersuchungen durchgeführt. Die eigentliche Untersuchung erstreckte sich jedoch über einen Gesamtzeitraum von Oktober 1974 bis April 1983.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Beobachtungen der Bewegungsschemata der Segelsportler

Messung der Fluchtdistanzen der Wasservögel

Vor-Nachher-Vergleiche der Bestandsgröße zum Beobachtungszeitpunkt (im folgenden: "Population") in Bezug auf ein Störereignis.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Messung der Fluchtdistanzen und Unterteilung der Störungsmechanismen

Die Fluchtdistanzen und Störeffizienzen wurden alljährlich zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März bestimmt. Die Messung der Fluchtdistanzen erfolgte mit Hilfe von Luftbildern und Flurkarten. Die Bewegungsschemata der Segelsportler wurden in Voruntersuchungen bestimmt.

Die gemessenen Fluchtdistanzen wurden nach zwei Störungsmechanismen getrennt ausgewertet.

Störungstyp A: Der Segler fährt gegen den Wind auf die Wasservögel zu. Dadurch ergeben sich geringe Fluchtdistanzen, da die Tiere bestrebt sind gegen den Wind zu starten und der Fluchtweg frei ist.

Störungstyp B: Der Segler fährt mit dem Wind auf die Vögel zu oder mit einer Geschwindigkeitskomponente, die mit dem Wind auf die Tiere hin gerichtet ist. Dadurch ergeben sich hohe Fluchtdistanzen, weil die Tiere bei der Flucht auf den Segler zu fliegen müssen. Zu diesem Fall zählt auch, wenn der Sportler rechtwinklig zur Windrichtung fährt.

Bestandsbestimmung vor und nach einer Störung und Störungseffizienz

Bestimmung der Ausgangspopulation vor dem Eintreten der ersten Störung und der noch verbliebenen Restpopulation nach einer Störung. Dies wurde jeweils in Abhängigkeit von der Bootszahl gemessen. Die Restpopulation wurde dann bestimmt, wenn der Segler nach einer vollen Runde wieder auf einer vorher bestimmten Linie erschien, die in E-W-Richtung durch Segelsteg und Gewässer verlief.

Auswertung der Störungsdynamik anhand von zwei Fallunterscheidungen, da die Anwesenheit von stark störungsempfindlichen Arten das Fluchtverhalten aller Vögel beeinflusst und die Wahrscheinlichkeit, dass diese anwesend sind mit der Größe der Ausgangspopulation steigt. Als Intervall-Eckwert wurden 60 Individuen von Tauchenten genommen. Somit unterschied der Autor nach der Störung kleinerer Ausgangskontingente ( zwischen 6 und 60 Indiv. von Tauchenten ) und Großkontingenten ( mehr als 60 Indiv. von Tauchenten ).

Mit den gemessenen Ausgangspopulationen und den Restpopulationen wurde zunächst die Zahl der vertriebenen Vögel bestimmt. Dann wurde der Wirkungsgrad der Störung bzw. die Störeffizienz von einer bestimmten Anzahl von Booten errechnet. Die Störeffizienz ergibt sich, wenn die Restpopulation den "Zusammenbruch der Population" (hier: das Verlassen des Sees durch alle Vogelindividuen) mit zunehmender Bootszahl beschreibt. Die Vertreibungseffizienz wird dann mathematisch modelliert.

 


EINWIRKUNGSART

Optische und akustische Beeinträchtigung

 

EINWIRKUNGSGRAD

Bei den Störungsuntersuchungen unterschied der Autor ob mit oder gegen den Wind gesegelt wurde.

 

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Tafelenten, Reiherenten und Gänsesänger Fluchtdistanzen/Störeffizienz auf Rastvögel
Durch die Voruntersuchungen hat sich gezeigt, dass nach einer Störung durch eine bestimmte Anzahl von Booten, die auf dem Wasser verbliebende Restpopulation exponentiell zusammenbricht.
Je größer das Entenkontingent auf einem See ist, desto höher ist die Fluchtdistanz und die Zahl der durch einen Segler aufgescheuchten Tauch- und Reiherenten sowie Gänsesäger. Ein Kontingent von 750 Tieren hatte eine Fluchtdistanz von über 500m.
Für das Störmerkmal A ergab sich ein Mittelwert der Fluchtdistanzen von 286 m. Für den Störungsfall B lag die mittlere Fluchtdistanz bei 363 m. Bei Vergleichsuntersuchungen von Fluchtdistanzen von Tauch- und Reiherenten gegenüber Surfern am Baggersee Neujudenhof ergab sich für den Störfall A eine mittlere Fluchtdistanz von 272 m. Der Fall B konnte hier nicht bestimmt werden.
Für große Ausgangskontingente ergibt die Gesamtheit der Zählungen, dass ein einzelner Segler 89 % der Ausgangspopulation vertreibt.
Stockenten Es hat sich auch gezeigt, dass die Restpopulation (verbleibende Tiere) mit zunehmender Zahl von Booten ( also Störereignis ) bei kleinen Ausgangskontingenten weitaus langsamer zusammenbricht, als bei großen Ausgangskontingenten. Bei großen Ausgangskontingenten waren nach einem Segler in der Summe der 9 Untersuchungsjahre nur 11 % der Tiere weiterhin anwesend. Bei kleinen Ausgangspopulationen lag der Wert bei ca. 25 % an verbliebenen Vögel. Bei zwei Booten ergab sich für große Ausgangspopulationen nur noch ein Wert von ca. 5 %. Bei kleinen Ausgangspopulationen hingegen waren noch ca. 20 % der Vögel anwesend.
Haubentaucher, Bläßralle, Tafelente und Regenpfeifer Störung der Brut

•Am Mohnheimer See konnte kein Einfluß des Segelsports auf das Brutgeschäft von Wasservögeln definiert werden, da der Angelsport, als ausschlaggebende Störung, an den Brutplätzen von Haubentauchern, Bläßrallen, Tafelenten und Regenpfeifern seit 1977 alle Brutversuche scheitern ließ.

•Im Vergleichsee bei Neujudenhof scheiterte 1982 und 1983 je ein Brutversuch des Haubentauchers und 1982 der einzige Brutversuch des Flußregenpfeifers durch Surfer. Die Fluchtdistanz des Brutvogels lag zwischen 100 m und 150 m. Am Waldsee scheiterte ebenfalls 1982 durch Surfer der einzige Brutversuch des Haubentauchers.
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BEMERKUNGEN

Erregung, Verhalten