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Pihusch, Thomas (1993) Skisport und Wald. Auswirkungen durch den Bau und Betrieb alpiner Skigebiete auf den Bergwald in den bayerischen Alpen anhand der Beispiele Tegelberg/Ostallgäu und Kapmenwand/Chiemgau


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin), Tourenskilauf

 

INHALT

Der Autor untersucht in dieser Diplomarbeit anhand von zwei bayerischen Skigebieten die Auswirkungen der Anlage und des Betriebs von alpinen Skigebieten auf den Bergwald. Er konzentriert sich in dieser Arbeit auf Flächenverluste und Schadensaufnahmen (Sommeraufnahmen der Vegetation) der betroffenen Wälder, ob die Anlage die angrenzenden Wälder destabilisiert, und den Einfluss von Variantenskifahrern.

Die Arbeit ist in eine Projektreihe integriert, die vom Lehrstuhl für Landschaftstechnik, der LMU München bereits im Sommer 1990 begonnen wurde. Der Autor arbeitet teilweise mit den Ergebnissen aus diesem Projekt.

Hinsichtlich der Flächenverluste und Randbeeinträchtigungen unterschieden sich die verglichenen Gebiete wenig. In Hinsicht der Schäden durch Variantenskifahrer konnte der Autor während der Sommeraufnahmen die Ursachen nicht genau zuordnen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Flächenverluste/Randbeeinträchtigungen

  • Der Ausbau der Skigebiete erfolgte nicht weitgehend auf Kosten des Bergwaldes, da vorwiegend bereits waldfreie Flächen genutzt wurden (S. 76).
  • Wichtiger als die absoluten Flächenverluste ist der Ort der Waldverluste anzusehen. Insbesondere in labilen Bereichen (ungeschützte, steile Bereiche) oder Bereichen mit Schutzfunktionen des Waldes können Rodungen zur Gefährdung talnaher Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen und zur vermehrten Belastung der verbliebenen Randwälder führen (S. 76).
  • Der Ausbau von Skipisten hatte über die eigentlichen Pistenflächen hinaus auch den Randwald in Mitleidenschaft gezogen (S. 77).

Empfehlungen

  • Verschiedene Maßnahmen unter Absprache aller Beteiligter können zu einer Verbesserung der gegenwärtigen Situation beitragen (z. B. Wiederaufforstung, Wiederbegrünung, Böschungssicherungen, Regulierung der Wasserausleitung, Aufbau eines mehrstufigen Randwaldes, Durchforstung und Pflege, Regulierung von Wildbeständen, Trennung von Wald und Weide) (S. 77ff.).

Variantenfahrerproblematik

  • Auswirkungen auf den Bergwald: Verlängerung des Verjüngungszeitraumes und lokale Gefährdung des Verjüngungserfolges und damit auch der nachhaltigen Funktionen des Waldes; Qualitätseinbußen durch Zwieselbildung und Fäulebefall; Verlängerung des Produktionszeitraumes durch wiederholtes Abschneiden des Terminalbetriebes; Störung der Waldentwicklung auf Extremstandorten; Beunruhigung des Wildes; erhöhte Kosten für die Forstwirtschaft zur Sicherung des Waldbestandes und der Nachhaltigkeit, erhöhte Schutzausgaben und Einnahmeverluste
  • Massnahmen gegen den zunehmenden Variantenskifahrsport:
  • Einschränkung der Pistenpräparierung: Ein attraktives Skigebiet, dass präparierte Pisten enthält, sollte dem anpsruchsvollen Skifahrer ganz oder für einen bestimmten Zeitraum unpräparierte Pisten zur Verfügung stellen.
  • Absperrungen: Besonders bei schmalen Variantenfahrten entlang von Lifttrassen können die relativ aufwendigen Absperrungen mittels Netzen und Zäunen ein wirksames Mittel sein.
  • Aufklärung und Information
  • Massnahmen der Forstwirtschaft: Neben einer langfristigen Umstellung im Verjüngungsbetrieb wie z. B. Vermeidung grösserer Bestandsöffnungen kann das Belassen von Totholz dazu führen, dass Varianten nicht mehr befahrbar sind.
  • Durch Einschränkung der Pistenpräparierung, Absperrungen, Aufklärung und Information sowie Maßnahmen der Forstwirtschaft kann das Variantenskifahren auf ein verträgliches Maß reduziert werden (S. 81ff.).

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2590) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).

 


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Tegelberg, Nördliche Kalkalpen, Bayern

Kampenwand, Nördliche Kalkalpen, Bayern.

Beide Untersuchungsgebiete liegen im Bereich der bayerischen Kalkalpen und sind durch weite, geschlossene Bergwälder sowie Almflächen und Felswände in den oberen Lagen geprägt.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Durch eine formalisierte Methode wurden die Waldverluste durch den Ausbau von Skigebieten erfaßt, die Stabilität des Pistenrandwaldes ermittelt und die Schäden an der Waldverjüngung durch Variantenfahrer erhoben (S. 6ff.).

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Die Waldverluste durch Ausbau von Skigebieten setzten sich aus Flächen, die für die Nutzung als Skipiste gerodet wurden und aus Flächen für Aufstiegshilfen zusammen (S. 6ff.).

Als Kriterien für die Stabilität des Pistenrandwaldes wurde eine Bestandsaufnahme der baulichen Eingriffe, eine Abgrenzung beeinflußter Bergwaldbereiche, aktuelle Schäden durch den Pistenausbau sowie weitere Einflußfaktoren (lage- und expositionsbedingte Einflüsse, Traufbildung, weitere Bestandsmerkmale, sonstige Schadeinflüsse, unterschiedliche Stabilität der Bestände) berücksichtigt (S. 8ff.).

Zur Erfassung der Schäden durch Variantenfahrer wurde der Ort und die Stärke der Frequentierung der Varianten, die Existenz von Verjüngungsflächen in den Varianten sowie die absolute und relative Zahl der geschädigten Jungpflanzen erhoben (relativ = Verhältnis geschädigter Pflanzen zu Gesamtzahl) (S. 12).

 

 


VEGETATIONSEINHEIT

Bergwald

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Die heute vorhandenen Pistenflächen wurden größtenteils auf waldfreien Almflächen angelegt. Nur in den mittleren Lagen im Bereich des geschlossenen Bergwaldgürtels wurden für den Ausbau des Skigebiets ca. 15-25 % der heute vorhandenen Gesamtfläche von Pisten und Aufstiegshilfen gerodet.

Durch anderweitige Geländeeingriffe in Zuge des Skigebietbaus (großflächige Erdbewegungen, Sprengungen, Verrohrung von Wildbächen) sowie sonstige natürliche (Lage und Exposition) und anthropogene Einflüsse (forstwirtschaftliche Bewirtschaftungsweise, erhöhte Schalenwildbestände, Waldweide) wurde neben der Pistenfläche auch der Pistenrandwald destabilisiert. 48-58 % aller Randbestände wurden als längerfristig stabil eingestuft.

76 % der Flächen mit Naturverjüngung wiesen Schäden an Knospen und Trieben auf. Während der Sommeraufnahmen konnte die Schadensursache jedoch nicht genau zugeordnet werden. Daher kommen auch Verbiss durch Wild und Weidevieh in Frage. Nur an 7-8 % der Jungpflanzen konnten die Schäden den Variantenskifahrern eindeutig zugeordnet werden.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Ein Übertragen der Ergebnisse auf den gesamten bayerischen Alpenraum wird wegen zu erwartender Unterschiede bezüglich Lage, Größe und Höhenausdehnung des Bergwaldes verneint (S. 76).