Bundesamt für Naturschutz

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Poole, A. (1981) The effects of human disturbance on Osprey reproductive success


Die Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Erholung am Gewässer, Naturbeobachtung

 

INHALT

Drei Typen menschlich bedingter Störungen auf den Bruterfolg von Fischadlern werden untersucht: Untersuchungen des Nestes durch Ornithologen, Fang von brütenden Fischadlern und menschliche Aktivitäten in der Nähe des Nestes.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Es besteht keine Korrelation zwischen den kurzen Nestbesuchen und dem Bruterfolg (gemessen über eine Periode von 4-7 Jahren).
  • Es bestehen keine signifikanten Unterschiede zwischen der Anzahl der Jungvögel bzw. der Anzahl der Horste mit brütenden Tieren und erfolgreichen Bruten. Verglichen wurden Horstbesuche (2 oder mehr Besuche) mit Untersuchungen aus die Luft bzw. mit Hilfe eines Fernrohrs aus größerer Distanz.
  • Es gibt Hinweise, dass junge Fischadler in der Phase des Flüggewerdens durch Untersuchungen gefährdet werden können. Auch kann das Besteigen der Horste durch Ornithologen dazu führen, dass Waschbären angelockt werden und Jungvögel rauben.
  • Der Fang brütender Altvögel führte weder zu einer Änderung des Bruterfolges noch zu einer Auswirkung auf das Wachstum der Nestlinge.
  • Ebenfalls war der Bruterfolg in Horsten, die sich in der Nähe menschlicher (Freizeit-) Aktivitäten befanden genauso hoch wie der in Horsten ohne Störungen.
  • Am empfindlichsten reagierten Fischadler auf Störungen in entfernten Gebieten, wo Menschen nur selten auftraten.
  • Es wird empfohlen, Nisthilfen dort zu errichten, wo sich Fischadler an ein Minimum von Störungen gewöhnen können. Horste in der "Wildnis" sollten ungestört bleiben.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1715) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Plum Island, Gardiners Island (zwischen New York City und Bosten (Maine)) und Everglades National Park, 2 km südlich von Flamingo, Florida, USA

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Horste in der Wildnis, künstliche Nestplattformen und ungestörte, natürliche Brutkolonien wurden hinsichtlich des Bruterfolges und des Größen- bzw. Gewichtszuwachses untersucht.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bruterfolg, Gewichtszunahme, Prädatorendruck

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Ausgangslage


TIERART

Fischadler (Pandion haliaetus)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Zunahme von Untersuchungsaktivitäten um das 10fache: Es besteht keine negative Korrelation zwischen der Steigerung der Anzahl der Horstuntersuchungen und dem Anteil erfolgreicher Nester, dem Anteil der Jungen pro erfolgreichem Nest oder dem Anteil der Jungen in genutzten Nestern (die aber Prädatoren oder Wetterereignissen zum Opfer fielen). (Den Bruterfolg verändernde Faktoren waren: Alter der Eltern, Erfahrung der Eltern, Wetter, Verfügbarkeit von Nahrung).


Vergleich des Bruterfolgs von gestörten und ungestörten Brutpaaren: Erfolgreiche Bruten: gestörte Horste / ungestörte Horste: 1977: 57 %/39 %; 1978: 80 %/58 %; 1979: 54 %/64 %; 1980: 61 %/76 %. Aus diesen Werten sowie dem Bruterfolg (durchschnittlich ca. 2 Junge pro Horst, unabhängig von den Störungen durch Ornithologen) lässt sich ableiten, dass "sorgfältig geplante Kurzbesuche am Horst allenfalls einen vernachlässigbaren Einfluss auf den Bruterfolg haben".


Einfluss von Untersuchungen auf die Prädationsrate: Beutegreifer haben normalerweise nur einen geringen Anteil an der Mortalität der Jungen (2 %) oder an Eiverlusten (3 %). 1979 und 1980 stieg auf Baumhorsten der Verlust von Bruten auf 14 bzw. 25 % an. Waschbären (Procyon lotor) waren wahrscheinlich für diese Verluste verantwortlich, da Spuren von ihnen an den Horstbäumen gefunden wurden. Sie sind bekannt dafür, dass sie menschlichen Geruchsspuren zu den Nestern folgen.


Einfluss von Aktivitäten am Horst auf den Zeitpunkt des Ausfliegens: Die, im Regelfall zwei, Jungen schlüpfen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, sodass sie unterschiedliche Entwicklungsstände haben. Fallen Untersuchungen in die Phase, in der Junge umherklettern und die Flugmuskulatur trainieren, kann es vorkommen, dass "inkompetente Flieger" vom Horst gescheucht werden. Eine Fütterung der Jungen erfolgt nur am Horst, sodass Junge, die den Horst vorzeitig verlassen bzw. nicht zurückkehren können, verhungern müssen.


Einfluss des Fangens von adulten Fischadlern auf dem Horst: Die Störungen werden als gering eingeschätzt, da die Weibchen nach dem Fang am Horst nach durchschnittlich 6,5 Minuten zurückkehrten. Männchen nutzten ihre Sitzwarten wieder nach zwei bis drei Tagen. Auch die Fütterungsrate nach dem Fang unterschied sich nicht von der vor dem Fang. Ebenso unterschieden sich das Wachstum der Jungen - u.a. beeinflusst durch die Fütterungsrate - und der Bruterfolg nicht in den Nestern, in denen Adulti gefangen wurden oder nicht.


Einfluss kontinuierlicher Störungen auf Brutpaare in Wildnis-Gebieten und Siedlungen (nahe an Straßen, mit starkem Schiffsverkehr oder intensiven Freizeitaktivitäten): Der Reproduktionserfolg in beiden Vergleichsgebieten (jeweils 12 Horste wurden nach Zufallsprinzipien ausgewählt) unterschied sich nicht signifikant. Hieraus ergibt sich, dass Fischadler auch in unmittelbarer Nähe zum Menschen erfolgreich brüten können. Dies hängt jedoch von der individuellen Störungstoleranz der Brutpaare und von einer kontinuierlichen Gewöhnung während sämtlicher Phasen des Brutzyklus ab. In den Wildnisgebieten - ohne diese kontinuierliche Gewöhnung an Störreize - genügt bereits der Besuch von Hütten, die Eröffnung der Fischsaison oder ein Zeltlager, um die Eltern vom Horst zu vertreiben. (Der Autor führte zu diesem Komplex keine eigenen Studien durch, sondern verweist auf die Ergebnisse von Swenson, J. (1979): Factors effecting status and reproduction of Ospreys in Yellowstone National par. J. Wildl. Management 43: 595-611). Swenson konnte in einer, auf vier Jahre angelegten, Studie zeigen, dass ein abrupter Anstieg von Boot- oder Wanderer-Aktivitäten im Horsteinflussbereich in der Mitte der Bebrütungsphase zu einem signifikant reduzierten Bruterfolg im Vergleich mit ungestörten Brutpaaren führte. Poole ergänzt, dass die Reaktionsdistanz (Verlassen des Horstes bei Annäherung von Menschen) von "Wilderness-Fischadlern" deutlich größer ist als die in Siedlungen; auch bleiben sie länger in der Luft, bis sich der Störer entfernt hat. In Siedlungen bleiben die Fischadler auf dem Horst, auch wenn Autos oder Fußgänger unmittelbar unter dem Horst stehen.