Bundesamt für Naturschutz

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Petrak, M. (1996) Der Mensch als Störgröße in der Umwelt des Rothirsches (Cervus elaphus Linné 1758)


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Jagd, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Angaben zur unmittelbaren Reaktion des Rotwildes auf den Menschen im Lebensraum konzentrieren sich entweder auf allgemeine Beschreibungen oder aber die Dokumentation von Fallbeispielen. In der vorliegenden Studie wird eine systematische Übersicht zum Fluchtverhalten des Rothirsches als Reaktion auf die unmittelbare Konfrontation mit dem Menschen im Lebensraum vorgestellt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Zwischen 1974 und 1995 wurden über 290 Fluchtreaktionen des Rotwildes dokumentiert und analysiert. Die Ergebnisse belegen den hohen Stellenwert der optischen Orientierung für das Feindverhalten des Rotwildes. Die Reichweite der Störgröße Mensch beträgt bei guter Deckung 300 m, bei Fehlen von Sichtschutz 500 m.

Neben den Änderungen in der Aktivitätsperiodik ist der Anteil des spontanen Sicherns, als Folge der Beunruhigung im Lebensraum deutlich auf ca. 20 % erhöht. Die relative Verteilung der, in der Nacht bei der Nahrungswahl beobachteten Rothirsche in Beziehung zur relativen Verteilung der äsenden Rothirsche am Tage dokumentiert deutlich den Einfluss anthropogener Störungen auf die Raumnutzung. Während bevorzugte Äsungsflächen wie Talwiesen und auch junge Fichtenkulturen bevorzugt nachts aufgesucht werden, weicht das Rotwild während des Tages in sichtdichte, dafür aber äsungslose Bestände aus, z. B. Fichtenbestände der Altersklasse II. Meidungsverhalten führt somit zu einer Einschränkung der raumzeitlichen Lebensraumnutzung.

Weibchenrudel werden häufiger beim Äsen gestört als Hirschrudel, in Verbindung mit den, bei den Weibchen höheren Werten für die Feinderkennungsentfernung und die mit Ausnahme der Tagesphase in der Zeitspanne Hochsommer bis Spätsommer größeren Fluchtdistanz sowie insgesamt geringeren Entfernungen während der Flucht bis zum ersten Beobachtungshalt. Dies belegt einen höheren Stellenwert der Feindvermeidung gegenüber dem Fluchtverhalten für die Weibchenrudel im Vergleich zu den Hirschrudeln. Die im Hinblick auf die Feindvermeidung und das Fluchtverhalten freiere Lebensraumnutzung der Hirsche kommt dem stoffwechselbedingten Verhalten entgegen, erhöht jedoch das Risiko weiterer Fluchten mit höherem Energieaufwand, während die Strategie des weiblichen Wildes Einschränkungen im stoffwechselbedingten Verhalten durch einen höheren Stellenwert der Feindvermeidung bedeutet, jedoch geringeren Aufwand bei der Flucht und damit dem Überleben der Kälber grundsätzlich zugute kommt.

Die Befunde belegen, dass eine optische Kontrolle der Störgröße die von dieser ausgelösten Fluchtreaktion in den optimalen Habitatstrukturen deutlich reduziert. Dunkelheit und Nebel können die Funktion von Deckung übernehmen. Für die Praxis ist der Befund wesentlich, dass unter den Bedingungen des Mittelgebirges die Planungen zum Erholungsbetrieb, d. h. die Anlage von Wegen, Mountainbikestrecken, Langlaufrouten, Wildruhezonenkonzepten etc. eine Reichweite der Störgröße Mensch von 300 m bei günstiger Deckung und 500 m bei fehlenden Deckungsmöglichkeiten zugrunde legen müssen, damit dem Rothirsch genügend Lebensraum zur Verfügung steht.

Wildtiergerechtes Verhalten bei der Jagd kann die Belastungen der Störgröße Mensch darüber hinaus reduzieren. Meideverhalten und Fluchtverhalten setzen die Rahmenbedingungen, die einem Ausgleich zwischen den berechtigten Ansprüchen des Menschen zur Nutzung des Lebensraumes und den Lebensansprüchen des Rotwildes zugrunde gelegt werden müssen. Die Erfahrungen vor Ort belegen, dass dieser Ausgleich erreichbar ist.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1684) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Wintersportgebiet Monschau in der Westeifel, Nordrhein-Westfalen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Freilandbeobachtung; Verhalten der Skilangläufer; Verhalten der Rothirsche in Abhängigkeit von Störreiz und Sozialverband.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Registriert wurde bei allen Fluchtreaktionen:

  • die Zusammensetzung der Rotwildrudel,
  • ob die Wahrnehmung des Menschen optisch, akustisch oder olfaktorisch erfolgte,
  • Standort und gegebenenfalls Fluchtrichtung des beobachteten Rotwildes,
  • Art, Anzahl und Standort sowie Verhalten der Störquelle,
  • Entfernung der Störquelle vom Rotwild,
  • die Entfernung, auf die das Rotwild die Menschen zuerst erkennbar registrierte (Feinderkennungsentfernung),
  • die Distanz, bei deren Unterschreitung die Flucht einsetzte (Fluchtdistanz),
  • die während der Flucht zurückgelegte Strecke (Fluchtweite),
  • der Mindestabstand für einen ersten Sicherhalt des Rotwildes auf der Flucht,
  • die Geschwindigkeit zu Beginn der Flucht und die Entfernung, ab der das geflüchtete Rotwild ruhig weiterzog bzw. die Flucht beendet war.
  • Für die Auswertung wird als "Nacht" der Zeitraum unmittelbar vor Sonnenuntergang bis unmittelbar nach Sonnenaufgang definiert, als "Tag" die dazwischenliegende Zeit. Diese Einteilung berücksichtigt die wesentlichen Änderungen in der Aktivitätsperiodik des Rotwildes, die Frequentierung des Untersuchungsgebietes durch Menschen und die Sichtverhältnisse. Da in der Dämmerung je nach Wetterlage, geländeklimatisch bedingt, die Sichtweiten durchaus kürzer sein können als in der Nacht, wurde auf eine weitergehende Einteilung verzichtet. Zur Beschreibung der Verhaltenssequenzen wird das Verhalten in Orientierung an die Funktionsweisen in die folgenden Elemente eingeteilt: 1=Austreten, d. h. Verlassen des Einstandes; 2=Äsen; 3=Ruhe, d. h. Ruhen im Liegen, aber auch im Stehen ; 4=Wiederkäuen; 5=Lokomotion, Fortbewegung ; 6=Flucht, d. h. in der Regel Entfernung von der Störquelle; 7=Sichern zur Störquelle ; 8=Einziehen in den Einstand bzw. in den Deckungsbereich.
  • Der Beschreibung der Fluchtgeschwindigkeit werden die folgenden Definitionen zugrunde gelegt: 1=Schritt langsam, d. h, langsames Ziehen; 2=Schritt schnell, zügiges Ziehen; 3=Trab langsam; 4=Trab schnell; 5=Galopp langsam, d. h. flüchtig 6=Galopp schnell, d. h. hochflüchtig.

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Beobachtet werden Weibchenrudel einschließlich der Kälber, Hirschrudel und gemischte Rudel (Brunftrudel und "Fütterungsrudel").


EINWIRKUNGSART

Sich Nähern von Menschen unter sensorisch für den Rothirsch verschiedenen Rahmenbedingungen

 

TIERART

Rothirsch

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Verhaltensänderungen:

Die Registrierung der Störgröße führt zur Unterbrechung des jeweiligen Verhaltens und zunächst zum Sichern zur Störquelle. An das Sichern zur Störquelle schließen sich Fluchtverhalten, aber auch andere Verhaltensweisen an. Sowohl hinsichtlich des relativen Anteils der Verhaltensweisen, die durch das Sichern zur Störquelle unterbrochen werden als auch derjenigen, die dem Sichern zur Störquelle unmittelbar folgen, werden hochsignifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Rudeltypen gefunden. Bei Weibchenrudeln wird das Äsen am häufigsten durch menschliche Störung unterbrochen, die gleichfalls wesentlich von der Nahrungsaufnahme motivierte Lokomotion folgt an zweiter Stelle, während bei den Hirschrudeln Äsen und Lokomotion zu relativ gleichen Anteilen durch unmittelbare Beeinträchtigung durch den Menschen unterbrochen werden. Die wegen der Kälber häufigeren Äsungszyklen der Weibchen führen zu einer höheren Störanfälligkeit in diesem Verhaltensbereich, während die geringere Anzahl von Äsungszyklen bei Hirschrudeln mit einer geringeren Störanfälligkeit einhergeht. Bei den gemischten Rudeln fällt eine vergleichsweise häufige Störung während der Ruhezeit auf, die auf entsprechende Störungen zur Brunftzeit zurückzuführen ist. Gute Lokalisierbarkeit der Rudel begünstigt Störungen durch Personen, die zu dieser Zeit dem Rotwild gezielt nachstellen. Unter den Verhaltensweisen, die an das Sichern zur Störquelle anschließen, dominiert in allen Fällen die Flucht. Der Vergleich der gemischten Rudel mit den Weibchenrudeln belegt deutlich die Führungsrolle des weiblichen Wildes bei der Feindvermeidung. Hirschrudel fahren häufiger in der Fortbewegung fort. Diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern dokumentieren offensichtlich sowohl die Rücksichtnahme auf die Kälber beim weiblichen Wild als auch eine in der Erfahrung begründete höhere Störanfälligkeit des Verhaltens.

 

Fluchtgeschwindigkeit:

Die langsamste Gangart wird von Hirschen deutlich häufiger als von Weibchenrudeln gewählt. Hirsche schleichen vielfach geradezu von der Störquelle weg. Eine geringere Störempfindlichkeit im Vergleich zu Weibchenrudeln belegt auch die im Winter deutlich geringere Tendenz im Galopp zu flüchten.

 

Windrichtung und Feindvermeidung:

Für Tag und Nacht werden Feinderkennungsentfernung und Fluchtdistanz für die Situationen halber Wind (Windrichtung mehr oder weniger senkrecht zur Geraden zwischen Störquelle und Tier), Windrichtung vom Tier zur Störquelle und Windrichtung von der Störquelle zum Tier miteinander verglichen. Die Windrichtung bestimmt die Wahrnehmung akustischer und olfaktorischer Reize und bestimmt damit das Verhältnis von optischen, akustischen und olfaktorischen Informationen zueinander.

Der hohe Anteil der Fälle, in denen die Feinderkennungsentfernung der Fluchtdistanz entspricht, belegt, dass vielfach zum Zeitpunkt des Erkennens der Störquelle die Fluchtdistanz von dieser bereits unterschritten ist. Bei "halbem Wind" ist die Feinderkennungsentfernung in Relation zu den anderen Windrichtungen signifikant häufiger höher als die Fluchtdistanz. Diese Windrichtung unterstützt einmal die olfaktorische und akustische Wahrnehmung, die Reizintensität ist jedoch nicht so hoch, dass die Fluchtreaktion in allen Fällen unmittelbar ausgelöst wird. Die optische Kontrolle bestimmt vielmehr die Reaktion.

Der Anteil "Feinderkennungsentfernung = Fluchtdistanz" ist bei halbem Wind in der Nacht deutlich höher als am Tage.

Die Windrichtung "Störquelle zu Tier" erhöht die Wirkung akustischer und olfaktorischer Reize, die für das Tier wahrnehmbare Intensität und "täuscht" möglicherweise auch eine bereits größere Nähe vor, so dass das Rotwild bei Wahrnehmung der Störquelle unmittelbar flüchtet.

Die Windrichtung "Tier zur Störquelle" reduziert die Wirkung olfaktorischer und akustischer Reize, so dass das Rotwild die Störquelle häufig erst bei Unterschreiten der Fluchtdistanz wahrnimmt. Der am Tage mehr als dreimal so hohe Anteil "Feinderkennungsentfernung größer Fluchtdistanz" bei dieser Windrichtung unterstreicht die Bedeutung der optischen Wahrnehmung für die Feindvermeidung. (Die Ergebnisse belegen insgesamt, dass das Untersuchungsgebiet aus Sicht der Feindvermeidung als tiergeographischer Sonderstandort für das Rotwild anzusprechen ist, der die Bedeutung der Störgrößen durch die Reduzierung der optischen Wahrnehmung wesentlich erhöht.)

 

Fluchtstrategien:

Die Reaktion des Rotwildes auf das Überschreiten einer Distanzschwelle (Fluchtverhalten) durch Menschen wird in 3 Strategien eingeteilt: Beim "Deckung aufsuchen" unterbricht das Rotwild durch Wegziehen primär die optische Verbindung und vergrößert dabei im Allgemeinen, jedoch nicht immer die Entfernung zur Störquelle. Diese Strategie ist in der Regel mit einem Wechsel der Pflanzengemeinschaft, z.B. dem Wegziehen von einer Wiese in eine Fichtendickung verbunden.

Bei der Strategie "Entfernung vergrößern" vergrößert das Rotwild durch Wegziehen die Entfernung zur Störgröße, so dass diese die Distanzschwelle übersteigt, wechselt dabei jedoch nicht die Pflanzengemeinschaft.

Bei der Strategie "Übersicht gewinnen" stellt das Rotwild gezielt eine räumliche Konstellation her, die eine optische Kontrolle der Störgröße ermöglicht. Fallstudien belegen, dass das Rotwild häufig auftauchende "Störgrößen" auch individuell erkennt und sein Meide- und Fluchtverhalten hierauf einrichtet.

Mit Ausnahme der Windrichtung "Tier zur Störquelle" unterscheidet sich die relative Verteilung der Fluchtstrategien am Tage hochsignifikant von derjenigen in der Nacht. Die Strategie "Entfernung vergrößern" nimmt in der Nacht deutlich zu, was die Bedeutung der Dunkelheit für den Sichtschutz unterstreicht, die Stategie "Deckung aufsuchen" geht entsprechend zurück. Während bei Tage, d.h. bei guter Möglichkeit zur optischen Kontrolle die Strategie "Übersicht gewinnen" mit Ausnahme der Windrichtung "Tier - Störgröße" die Strategie "Entfernung vergrößern" übersteigt, ist dies in der Nacht umgekehrt.

Die Ergebnisse belegen insgesamt eine Tendenz zur optischen Kontrolle der Störgröße bei gleichzeitig sicherer Identifizierung. So ist bei der Windrichtung "Störgröße - Tier" am Tage, d. h. bei optimaler Übermittlung olfaktorischer und geruchlicher Reize und bestmöglicher optischer Erkennung die Strategie "Übersicht gewinnen" am häufigsten. Mit Ausnahme der Situation "halber Wind - in der Nacht" überwiegt die Strategie "Deckung aufsuchen" in allen Fällen. Hier ist zu berücksichtigen, dass im Untersuchungsgebiet der Anteil deckungsbietender Strukturen am Lebensraum insgesamt nur ca. 70% beträgt, so dass der Anteil dieser Strategie zur Feindvermeidung insgesamt geringer als der zu erwartende Wert ausfällt, was die Bedeutung der optischen Information für das Rotwild unterstreicht.

 

Feinderkennungsentfernung, Fluchtdistanz, Fluchtweite, Fluchtverhalten:

Rotwild kann sehr genau Jagdfahrzeuge von anderen Fahrzeugen z. B. von Waldarbeitern unterscheiden. Als maximale Entfernung zur akustischen Identifizierung eines Jagdfahrzeuges wurden 1000 m beobachtet.

In der Zeit vom Winter bis in den Frühsommer d.h. den Zeitraum, der die Äsungsverknappung und Stoffwechselabsenkung im Winter, die Setzzeit und die beginnende Phase des Kälberführens einschließt und aus Sicht des Lebensraumes durch das Fehlen hoher Gräsersteppen charakterisiert ist, liegt die Feinderkennungsentfernung für alle Rudeltypen über der Fluchtdistanz. Die Werte für die Weibchenrudel überschreiten mit 108 m für die mittlere Feinderkennungsentfernung und 87 m für die Fluchtdistanz die entsprechenden Werte für die Hirschrudel mit 66 bzw. 55 m.

Die Entfernung, ab der ruhig gezogen wird, fällt für die Weibchenrudel mit 87 ± 52 m deutlich höher aus als diejenige für Hirschrudel mit 70 ± 53 m.

Die Zeit vom Hochsommer bis Spätherbst ist charakterisiert durch zunehmende Lebensraumteile der halboffenen Waldsteppenlandschaften, die Brunftzeit im Vollherbst und eine zunehmende Beunruhigung durch Wildbeobachter, Wildfotografen und Jäger sowie einen weitreichenden Erholungsbetrieb. Die überprüften Entfernungen für die gemischten Rudel sind jetzt durchweg am größten, was in der Bevorzugung halboffener Waldsteppenlandschaften durch die Brunftrudel, der dadurch möglichen dominanten optischen Orientierung bei der Feindvermeidung sowie der gezielten Verfolgung durch den Menschen bedingt ist. Die Fremderkennungsentfernung für Weibchenrudel übersteigt mit 122 ± 161 m diejenige der Hirschrudel mit 103 ± 89 m geringfügig, die Fluchtdistanz ist mit Ausnahmen nachts bei den Weibchenrudeln etwas geringer.

Fluchtweiten, der Mindestabstand für den ersten Beobachtungshalt und die mindest zurückgelegte Strecke für den ersten Beobachtungshalt sowie die Entfernung, ab der ruhig gezogen wird, erreichen für gemischte Rudel die höchsten Werte. Am Tage liegen die Fluchtweiten für Weibchenrudel geringfügig über denjenigen der Hirschrudel, die Mindestentfernung für den ersten Beobachtungshalt fällt dagegen für die Hirschrudel größer auf.

Die mindest zurückgelegte Strecke für den ersten Beobachtungshalt ist am Tage bei den Weibchen und nachts bei den Hirschen größer.

Die Entfernung, ab der ruhig gezogen wird, fällt für die Weibchenrudel geringer aus bzw. entspricht in der Nacht derjenigen der Hirschrudel.

Insgesamt belegen die Daten für die Weibchenrudel ein vorsichtigeres Verhalten mit geringfügig höherer Fluchtdistanz vom Winter bis in den Frühsommer und einem in der Vegetationsperiode mit guten Deckungswerten gerade für die Kälber geringerem Aufwand bei der Flucht. In der Zeit vom Winter bis in den Frühsommer ist das weibliche Wild generell vorsichtiger. Störfreiheit des Verhaltens ist bei sichtdichter Deckung zwischen Störgrößen und Rotwild in der Größenordnung von 250-300 m gewährleistet. Bei Sichtkontakt zwischen Störgrößen und Rotwild sind als Richtwert für die Feinderkennungsentfernung für gemischte Rudel in der Phase von Hochsommer bis Spätherbst 500 m zugrunde zu legen.