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Petrak, M. (1988) Skilanglauf und Rothirsch (Cervus elaphus Linné 1758) in der Eifel: Bilanz des Konzeptes der Lebensraumberuhigung im Wintersportgebiet Monschau


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Jagd, Skilanglauf

 

INHALT

Im Wintersportgebiet Monschau in der Westeifel werden die Auswirkungen des Skilanglaufs auf das Rotwild untersucht. Der Erfolg der zur Beruhigung der Wintereinstände des Rotwildes eingeleiteten Maßnahmen wird durch einen Vergleich der Belastung des Lebensraumes im Winter 1980/81, in dem die ersten Loipen gespurt wurden, mit derjenigen des Winters 1986/87 geprüft.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Wesentliches Ergebnis der Verhaltensstudien ist, dass die Belastungen der Rothirsche durch den Langlaufbetrieb primär durch die räumliche Verteilung der Skiläufer und nur in vergleichsweise geringem Ausmaß durch ihre absolute Zahl bestimmt werden.

Das Rotwild zeichnet sich durch erhebliche individuelle Unterschiede in der Reaktion auf Skilangläufer aus. Erfahrene Leittiere und intakte Sozialverbände sind wesentliche Voraussetzungen für die Anpassung an Störungen im Lebensraum.

Über eine umfassende Abstimmung aller menschlichen Aktivitäten im Wildtierlebensraum ist es gelungen, die für den Rothirsch aus dem Skibetrieb resultierende Belastung erheblich zu senken. So konnte der störungsfreie Anteil des Lebensraumes von vier Prozent im Jahr 1981 auf 25 bzw. 50 Prozent der Gesamtfläche im Jahr 1987 erhöht werden, so dass insgesamt ein tragfähiger Kompromiss zwischen den berechtigten Ansprüchen der Skiläufer und den Lebensansprüchen der freilebenden Tierwelt erzielt wurde.

Die Maßnahmen zur Lebensraumberuhigung umfassen die Berücksichtigung der Wintereinstände bei der Anlage neuer Loipen, Änderungen in der Loipenführung zur Umgehung von Wintereinständen, in Ausnahmefällen eine Verlegung von Winterfütterungen, die Vermeidung auffälliger Spuren durch eine zu Fuß vorgenommene Versorgung der Fütterungen, die zeitlich befristete, vollständige Sperrung von Waldflächen, die weitgehende Einstellung der Jagd in diesen beruhigten Zonen, die weitgehende Abschusserfüllung vor der Haupt-Langlaufsaison, die Einstellung der Skipatrouillen des Zolls abseits gespurter Loipen, die Beschränkung des Winterdienstes im Wald auf das unumgängliche Mindestmaß sowie die Bereitstellung eines qualitativ und quantitativ attraktiven Loipenangebotes einschließlich einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1683) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Wintersportgebiet Monschau in der Westeifel, Nordrhein-Westfalen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Freilandbeobachtung; Verhalten der Skilangläufer; Verhalten der Rothirsche in Abhängigkeit von Störreiz und Sozialverband.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Die Belastung des Lebensraumes wird über eine Kartierung aller Skispuren erfasst.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Hohe Frequenzierung des Untersuchungsgebietes durch Skilangläufer im Winter 1980/81. Ruhigstellung größerer Teilgebiete im Winter 1986/87.


TIERART

Rothirsch

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Rudel mit älteren, erfahrenen Leittieren erdulden an den Winterfütterungen einzelne Skiläufer bis zu max. vier Personen, wenn diese auf den Forststraßen verbleiben, bis zu einer Distanz von etwa 100 m. Voraussetzung hierfür ist zusätzlich, dass kein Sichtschutz besteht und die Skiläufer ruhig und gleichmäßig im Diagonalschritt laufen, nicht laut sprechen und auch nicht stehenbleiben.

Rudel mit jungen Leittieren flüchten in vergleichbaren Situationen.

Eine vollständige Beruhigung (Wiederaufnahme der Nahrungsaufnahme, Einstellen des Sicherns in Richtung der sich entfernenden Störquelle, kann bis zu 25 Min. dauern.

"Unter optimalen Bedingungen" wird max. eine derartige Störung in einem Zeitraum von 1-2 Stunden toleriert. Eine höhere Störfrequenz führt zum Verlassen der Fütterung.

Kleine Familienverbände ("Gynopädien": weibliches Alttier, einjähriges weibliches Tier, Kalb) werden wesentlich stärker beunruhigt als Rudel aus mehreren Familienverbänden, die mindestens 6-10 Individuen umfassen.

Situationen, die bei den Gynopädien bereits zu Fluchtreaktionen führen, lösen bei größern Rudeln häufig nur Sichern aus.

Sofern Skiläufer feste Routen in größerer Entfernung zu den Wintereinständen und -fütterungen einhalten, kommt es zu einer Gewöhnung bei den Rothirschen ("Feindvermeidung durch zentralnervöse Drosselung der Handlungsbereitschaft zum Sichern und zur Flucht").

Die Abnahme dieser Reaktionen ist reizspezifisch. Während bei regem Skibetrieb das gleichmäßige Rauschen der Skier auf der Loipe bei den Rothirschen kein Sichern mehr auslöst, sichern diese sofort, wenn das Rauschen plötzlich fehlt, weil die Läufer z. B. anhalten. Loipen in 300 m Entfernung werden bei sichtdichter Deckung zwischen Skiläufern und Rotwild toleriert, ohne dass es durch die Feindvermeidung zu Einschränkungen für das übrige Verhalten kommt. Loipen, die in nur 200-300 m Entfernung an Fütterungen und Einständen vorbeiführen, können bereits zu gravierenden Störungen führen.

Während ruhige Einzelläufer von den Rothirschen nicht beachtet werden, lösen Gruppen von mehr als drei Läufern, die sich laut unterhalten, ungleichmäßiger Laufstil und Stürze der Skiläufer länger anhaltendes Sichern aus.

Bei höheren Störfrequenzen, wie am Wochenende, werden diese Fütterungen nicht mehr angenommen.