Bundesamt für Naturschutz

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Pedroli, J.-C. (1982) Activity and time budget of Tufted Ducks on Swiss lakes during winter


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Fischerei, Jagd

 

INHALT

Nach Einschleppung der Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) im Lac Neuchâtel entwickelte sich der See zu einem bevorzugten Überwinterungsgewässer für die Reiherente.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Es besteht ein ausgeprägter Wechsel zwischen Tages- (überwiegend Ruhen) und Nachtaktivitäten (überwiegend nach Nahrung tauchend bzw. Schwimmen).

Am Lac Neuchâtel wurden die Bereiche mit der niedrigsten Störintensität zuerst genutzt; auch wiesen diese Bereiche die höchsten Jahressummen von Reiherenten auf. Verlagerungen in andere Nahrungsbiotope resultierten aus Störungen der Aktivitätsperiode während der Nacht.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1675) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Lac Neuchâtel (auch einige Daten von Niederried und Genfer See); Schweiz. 38,3 km in der Längsausdehnung und maximal 8,1 km breit; Oberfläche 214,6 km². Die Litoralzone umfasst 26,6 % der Wasserfläche. Das Substrat des Litorals setzt sich auf einer Fläche von 50,84 km² aus Sand und Schlamm und auf einer Fläche von 8,02 km² aus Kies zusammen. Kies konzentriert sich auf drei Bereiche. Die Dreikantmuschel nutzt v. a. den Kies als Aufsitzsubstrat. Folglich konzentrieren sich in diesen drei Bereichen rastende und Nahrung suchende Reiherenten.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zwischen 1975 und 1979 wurde die Nutzung des Sees durch die Reiherente bei Tag und in der Nacht dokumentiert. Im Abstand von 15-30 Minuten wurden 100 Individuen zufällig ausgewählt; ihre Aktivitäten (Ruhen, Putzen, Schwimmen, Tauchen, sowie die Tauchgangdauer) wurden notiert.

Die Aktivitäten während der Nacht wurden im Teilgebiet Bas-lac am Lac Neuchâtel und am Genfer See studiert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Insgesamt wurden 1259 Gruppen von jeweils 100 Individuen studiert: Lac Neuchâtel: 856 am Tag und 106 in der Nacht; Genfer See: 145 am Tag und 66 in der Nacht; Niederried (ohne Dreissena-Vorkommen): 106 am Tag.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Überwinternde Reiherenten mit einer ausgeprägten Tag-/Nachtaktivität


TIERART

Reiherente (Aythya fuligula)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Tagesaktivität:

Während des Tages wurde überwiegend geruht. Die zum Schwimmen oder Gefieder putzen aufgewendete Zeit war deutlich geringer, variierte aber in den untersuchten Teilbereiches des Lac Neuchâtel. Schwimmen nahm v.a. am frühen Morgen, wenn die Tiere von der Nahrungsaufnahme zurückkehrten und am Nachmittag, wenn sie begannen, die Nahrungsbiotope aufzusuchen, einen höheren Zeitanteil ein; Tauchvorgänge waren selten. Dies galt auch für den Genfer See und das Niederried.

Nachtaktivität

In der Nacht tauchen die Reiherenten nach Nahrung; zwischen 30 und 50 % der verfügbaren Zeit werden für die Nahrungssuche aufgewendet. Ein noch erhöhter Zeitanteil entfällt auf die Aktivität Schwimmen, während Gefieder putzen selten und Ruhen nur in den frühen Abend- und Morgenstunden beobachtet werden kann. Auch wenn nur zwei Bereiche untersucht werden konnten, wird angenommen, dass die Aktivitätsverteilung in der Nacht an anderen, für die Nahrungssuche geeigneten Stellen diegleiche ist.

 

Einfluss von Jagd und Fischerei

Es wurden während der Überwinterungssaison vier ("Störungs"-)Phasen (Jagd [1], Jagd und Fischen [2], Jagd [3], ohne Jagd und Fischen [4]) unterschieden. Die Phasen 1,3 und 4 wiesen sehr ähnliche Aktivitätszeiten für Ruhen (ca. 10 h), Putzen (0,6, 0,9 und 1,3 h), Schwimmen (ca. 8 h) und Tauchen (ca. 5 h) auf. Die Phase der stärksten Störung unterschied sich hiervon: Ruhen (8,1 h), Putzen (0,8 h), Schwimmen (9,2 h) und Tauchen ( 5,9 h). Somit erhöht sich in Zeiten stärkerer Störung der Aufwand für die energiekostenintensiven Aktivitäten Schwimmen und Tauchen.

Jagd und Fischerei waren auch im Regelfall diejenigen Störgrößen, die Reiherenten zum Auffliegen veranlassten.

Reiherenten, die im Regelfall im Oktober den Lac Neuchâtel zum Überwintern aufsuchen, präferieren ein Vogelschutzgebiet. Dort ruhen sie während des Tages, müssen das Gebiet zur Nahrungsuche jedoch verlassen. Bis November steigt in diesem Bereich die Anzahl der Individuen an, während in anderen Bereichen des Sees keine Reiherenten-Ansammlungen existieren. Diese Gebiete werden erst gegen Ende November aufgesucht, wenn es während der Nacht zu Störungen durch Fischer kommt. Im Regelfall werden die Netze am Nachmittag (vor Ankunft der Vögel im Nahrungsbiotop) gesetzt und am nächsten Morgen, wenn die Vögel den Nahrungsbiotop wieder verlassen haben, entfernt. Störungen Nahrung suchender Enten erfolgen nicht. Nur bei den (häufigen) Stürmen (S. 109) müssen die Netze in der Nacht eingeholt werden, wodurch es zu Störungen und der Verlagerung von Vogelkontingenten in andere Gebiete kommt. Ende Dezember endet die Fischsaison (Felchen, Coregonus sp.).

Schlittschuhläufer waren in Wintern, in denen die Ufer des Lac Neuchâtel von Eis bedeckt waren, ebenfalls ein Störfaktor, der zum Verlassen des Vogelschutzgebietes führte.