Bundesamt für Naturschutz

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Ott, J. (1995) Zum Einfluß intensiver Freizeit- und Angelnutzung auf die Fauna von Sekundärgewässern und Konsequenzen für die Landschaftsplanung - dargestellt am Beispiel der Libellen (Odonata)


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Angeln, Erholung am Gewässer

 

INHALT

Libellen haben aufgrund ihres komplexen Lebenszyklus hohe Anforderungen an die Habitatqualität. Studien zeigen, dass neben klimatischen Faktoren primär die Verfügbarkeit von Vegetationsstrukturen und die An- und Abwesenheit von (Fisch-) Prädatoren (Fressfeinden) für die Eignung eines Gewässers als Lebensraum verantwortlich ist. Evolutionsbiologisch kommt Feindvermeidungsstrategien eine hohe Signifikanz zur Entwicklung von Adaptationsstrategien zu. Im Raum Ludwigshafen wurde deshalb untersucht, ob der Bestandsrückgang auf Angelsport- und andere Freizeitaktivitäten zurückgeführt werden kann.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Gründe für den augenscheinlichen Rückgang an Arten, welcher sich erst in den letzten Jahren vollzogen hat, und die nur noch sehr geringen Populationsgrößen sind:
(1) der Besatz der Gewässer mit Graskarpfen,
(2) der übermäßige Fischbesatz, verbunden mit einem intensiven Angelbetrieb und
(3) die Strukturarmut der Ufer, welche durch den starken Freizeit- und Erholungsbetrieb hervorgerufen wird.
Hierdurch erfolgten eine fast vollständige Vernichtung der notwendigen Habitatstrukturen im und am Gewässer sowie eine Erhöhung des Fressdruckes auf die Larven durch Fische. Nur drei Arten der bundesweiten Roten Liste waren bodenständig (Sympecma fusca [Gemeine Winterlibelle], Sympetrum fonscolombii [Frühe Heidelibelle], Crocothemis erythraea [Feuerlibelle]). Die Vegetationszerstörung durch Fische und Freizeitbetrieb an den Gewässerufern ist so intensiv, dass selbst euryöke und fast ubiquitär vorkommende Libellenarten regional als bestandsbedroht eingestuft werden müssen.
Hier haben durch Angel- und Freizeitsport herbeigeführte Aktivitäten Wirkungen auf der Populationsebene verursacht, die zu einer dramatischen Reduzierung der Repräsentanz und Populationsgröße der Arten in der Region geführt haben.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 286) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Stadt Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Vergleich von zwischen 1978 und 1983 gewonnenen Daten (Kartierung K. Handke) zum Vorkommen von Libellen mit denen der Vegetationsperiode von 1991. Die Studie argumentiert primär, qualitativ und deduktiv.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewerten des Arten-"turnover" (Austausch von Arten, Veränderung der Artenzusammensetzung), Veränderung von Artenbestand und Populationsgröße für zwei Zeiträume.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Auf der Basis von Untersuchungen der Libellenfauna aus zurückliegenden Jahren sowie aus Aufzeichnungen zur ökologischen Qualität (v. a. Vegetation, erkennbare Belastungen, Artenzahl, Populationsgröße etc.) ist es möglich, einen teilweise für Libellen als optimal bewerteten Zustand mit den zwischenzeitlich eingetretenen Entwicklungen zu vergleichen.

 


ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Libellen

Zerstörung der Uferrandvegetation (Röhrichte) durch Trittbelastung Zerstörung der Vegetation in den Stehgewässern generell durch hohen Fischbesatz, speziell durch Einsatz von Graskarpfen.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die vom Autor beschriebenen Effekte der Eingriffe in das Ökosystem von Stehgewässern durch Einsatz von Fischen lassen sich anhand zahlreicher Beispiele wiederholend beschreiben.
Karpfen-, speziell Graskarpfenbesatz führt innerhalb kürzester Zeit zu einer vollständigen Vernichtung der Fauna, die in ihrer Existenz auf Wasserpflanzen angewiesen ist (z. B. als Aufenthaltsort der Larvenstadien, Eiablage von Insekten, Anlage des Nestes beim Zwergtaucher).
Aufgrund des hohen Lebensalters der Karpfen und Graskarpfen hält die Habitatstrukturen-zerstörende Wirkung dauerhaft an.

BEMERKUNGEN

Die Studie liefert Material für Wirkungen von Sportaktivitäten, die weniger unmittelbar auf Individuen (z. B. "Fluchtdistanz bei 3 Personen", "Fluchtdistanz bei 3 Personen und Hund" etc.) als vielmehr totalitär wirken.
Zur optimalen Ausübung der Sportart werden die Lebensräume so geändert, dass sie dem Individualinteresse von nutzenden Personen nicht mehr zuwiderlaufen:

  • Die Vegetation in einem Gewässer stört insoweit, als sich die Angelhaken darin verfangen oder Fische schwieriger an das Ufer gezogen werden können; deshalb werden wasservegetationfressende Graskarpfen eingesetzt.
  • Röhrichtgürtel behindern den unmittelbaren Zugang von Badenden ins Wasser; deshalb werden Röhrichte niedergetrampelt oder beseitigt.