Bundesamt für Naturschutz

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Mann, Carsten; Schraml, Ulrich (2006) Anwendung und Test eines Analysemodells zu Erklärung von Störeffekten in Erholungsräumen


SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Laufen, Mountainbiking, Radfahren, Reitsport, Wandern/Geländelauf

 

LEBENSRÄUME

Wälder und Gebüsche

 

WIRKFAKTOREN (unter denen Dokument aufrufbar ist)

Sport und Gesellschaft, Wahrnehmungs- und Handlungspsychologie

 

INHALT

Aktivitäten in Natur und Landschaft erfreuen sich wachsender Beliebtheit, führen dadurch allerdings zu zum Teil hohem Erholungsdruck und Mehrfachnutzung bestimmter Räume und damit verbunden zu Erholungskonflikten zwischen einzelnen Aktivitätsgruppen. Anhand eines modifizierten Modells aus den USA beschäftigen sich die Autoren mit Hilfe von Bedürfnissen, Ansprüchen und Störempfindungen von Erholungssuchenden mit der Möglichkeit einer Analysierung von Erholungskonflikten und weiteren Störungen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Zusammengefasst lassen sich die genannten Störungen in zwei große Bereiche einteilen: infrastruktur- bzw. bewirtschaftungsbedingte mit Merkmalen einer reduzierten Infrastruktur- und Landschaftsqualität und soziale Störungen aufgrund von Begegnungen mit anderen Erholungssuchenden oder Wertedifferenzen.
Das Modell erwies sich als hilfreich bei der Analyse von Störungen und der Identifikation von Lücken im Gebietsmanagement, die zu solchen Störungen führen können.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Übertragung, Modifizierung und Anwendung eines Analysemodells aus dem Schutzgebietsmanagement der USA um Bedürfnisse, Ansprüche und Störempfinden von (in diesem Fall insgesamt sechs) Aktivitätsgruppen aufzuzeigen. Des Weiteren sollen dabei durch eine sozialwissenschaftliche Betrachtung Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Nutzergruppen und mögliche Maßnahmen zur Konfliktminderung ermittelt werden.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Quantitative Befragung von Aktivitätsgruppen von Juli bis November 2003 zur Darstellung von Nutzer- und Nutzungsstrukturen sowie zu einer Analyse des Störempfindens. Der Fragebogen bestand zu großen Teilen aus Fragen zu Konfliktfaktoren und Motivgruppen sowie aus weiteren Störungsmessungen zu Besucherdichte, störenden Verhaltensweisen sowie potenziellen Störungen durch Infrastruktur, Waldbewirtschaftung und anderen Besuchergruppen.
Dieser Befragung folgten qualitative Experteninterviews mit Vertretern aus Verbänden bzw. Aktivitätsexperten im Herbst 2004.


KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Zur Entwicklung und Anwendung eines Analysemodells, das Störeffekte der Erholung mit ihren Ursachen und Wirkungen beschreiben kann, bedienten sich die Autoren verschiedener theoretischer Zugänge zum Verständnis von Störempfinden und Konfliktpotenzial:

Modell eines Erholungssystems:
Das Erholungserlebnis in der freien Landschaft hängt vom ökologischen Faktor der Landschaft und den sozialen Faktoren der menschlichen Bewirtschaftung sowie sozialen Attributen wie weiteren Besuchern, anderen Aktivitäten oder früheren Nutzungen ab. Diese Faktoren beeinflussen einander mit unterschiedlich ausgeprägten Wechselwirkungen und bilden somit ein Spannungsfeld.

Konfliktanalysemodell:
Während eines Erholungsaufenthaltes kann es nun zu Störungen kommen, die durch einzelne Faktoren des Erholungssystems verursacht werden. Nach Jacob & Schreyer (1980) ist dies wahrscheinlich dann der Fall, wenn das Verhalten von Erholungssuchenden andere Erholungssuchende in ihrer Aktivität beeinträchtigt. Ihr für diese konkrete Analyse erweitertes Modell beschreibt, wie soziale Dimensionen/Motive das Erholungserlebnis beeinflussen und zu Zufriedenheit oder Unzufriedenheit führen können.

 


ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich dieses Analysemodell gut eignet, um Mitglieder einer homogenen Gruppe zu beschreiben und diese mit anderen Gruppen hinsichtlich ihrer Empfindung gegenüber Störung zu vergleichen. Nur schwer anwendbar ist das Modell aber auf Kollektive, bei denen sehr unterschiedliche Erholungssuchende eine Gemeinschaft bilden, die eine Aktivität nicht mehr hinreichend genau charakterisiert.

 

BEMERKUNGEN

Zur Ergebnisdarstellung siehe Inhalt: Schlussfolgerungen des/der Autor(inn)en.