Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Pütsch, Michael (1994) Der Einfluss von Freizeitaktivitäten auf die Biozönose eines anthropogenen Gewässers am Beispiel des Trais-Horloffer-Sees


SPORTARTEN

Andere Freizeitaktivit., Angeln, Erholung am Gewässer, Segeln, Sporttauchen, Surfen, Wassersport

 

TIERARTEN

Amphibien, Fische, Flusskrebse, Kamberkrebs, Makrozoobenthos

 

LEBENSRÄUME

Seen

 

WIRKFAKTOREN (unter denen Dokument aufrufbar ist)

Auswirkungen auf Pflanzen/Vegetation, Auswirkungen auf Tiere, Beunruhigung, Lebensraumveränderung, Standortveränderung, Vegetationsschäden/Trittschäden

 

INHALT

Die Auswirkungen von Freizeitnutzungen auf die Biozönose eines Gewääsers wurde 1993/1994 am Trais-Horloffer See bei Hungen (Hessen) untersucht. Die Beurteilung basierte auf Daten, die mit verschiedenen Arbeitsansätzen gewonnen wurden.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen wie der vorliegenden müssen Nutzungskonzepte entwickelt werden, die in Zukunft ein harmonisches Miteinander von Freizeit, Sport und Natur ermöglichen. Eine Sonderstellung nehmen in diesem Zusammenhang Gewässer ein, da an ihnen eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten ausgeübt werden kann. An kleineren Seen (unter 100 ha) ist kaum ein Kompromiß zwischen den Ansprüchen des Naturschutzes insbesondere aus ornithologischer Sicht und der Erholungssuchenden möglich. Hier ist es meist nötig, klar der einen oder der anderen Seite den Vorrang zu geben (BLAB 1986). Die Schädigungen, die aufgrund der Ausübung von Wassersportarten und Erholung feststellbar waren, lassen sich nur eindämmen, aber nicht gänzlich unterbinden. SoLange ein See wie der in Trais-Horloff auch Uferabschnitte aufweist, die wenig oder sogar gar nicht genutzt werden, wird ein Teil der Einflüsse von Freizeiteinwirkungen durch das Gewässer auffangbar sein. Allerdings dürfen dann nicht noch, über die unvermeidliche Nährstoffzufuhr hinaus (z.B. durch Niederschläge, Laubfall) zusätzliche Beeinträchtigungen, wie Einleitungen von Dränwässern aus der Landwirtschaft oder kommunale Abwässer auf den See einwirken.
Sicher stellen auch die Privatgrundstücke eine Beeinflussung dar, doch muß man bedenken, daß die meisten Anwohner nicht während des ganzen Jahres anwesend sind. Verglichen mit den anderen Einflüssen am See geht von den Privatgrundstücken nur ein geringes Maß an Störungen aus.
Bei der Bewertung der Ergebnisse darf man nicht aus den Augen verlieren, daß es sich bei dem Trais-Horloffer-See um einen anthropogenen See handelt, der seit seiner Entstehung von Menschen als Freizeitstätte genutzt wird. Die gezielte Nutzung dieses Sees ermöglicht es, an den benachbarten Seen Maßnahmen zu ergreifen, um dort die Belange des Naturschutzes weitgehend durchzusetzen, wie es bereits am „Unteren Knappensee", der seit 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, verwirklicht wurde.
Um am Trais-Horloffer-See die unvermeidlichen Schädigungen am Ökosystem durch Freizeitnutzung so gering wie möglich zu halten, muß ein Nutzungs- und Sanierungskonzept entwickelt und umgesetzt werden. Im Rahmen dieser Arbeit kann kein umfassendes Kon¬zept erstellt werden, doch sollen einige vordringliche Maßnahmen kurz erläutert werden.

1. Änderung der Besatzpolitik

Mit einer Änderung der Besatzpolitik und dem zeitweiligen Ausweichen der Angler auf andere Seen könnte der Restaurierungsprozess unterstützt werden (LAMPERT 1983). Hierbei sollten die Besatzmaßnahmen qualitativ (Artenzusammensetzung) und quantitativ (Zahl der Besatzfische) den Erfordernissen und Verträglichkeitsgrenzen dieses Lebensraums angepaßt sein (XYLANDER im Druck).
Hier muß man allerdings mehrere Möglichkeiten diskutieren:
Es müßte eingangs untersucht werden, ob sich der Besatz an Hechten erhöhen läßt. Der See ist zwar reich an Wasserpflanzen, dennoch ist zu prüfen, inwiefern die Zahl der verfügbaren Reviere bereits erschöpft ist. Hier könnte eine Elektrobefischung der Uferregionen Aufschluß geben.
Von verschiedenen Autoren wird als Biomanipulationsmaßnahme der Besatz mit Zandern propagiert (DENSEN & VAN GRIMM 1988). Die Erfolgschancen dieser Maßnahme werden jedoch kontrovers diskutiert, da die Autökologie und das Beutespektrum dieses Räubers bisher nur lückenhaft erforscht sind (BARTHELMES 1988).
Eine weitere Möglichkeit liegt in der rigorosen Befischung der Weißfische und Bar¬sche sowie in Fangrestriktionen für Zander und Hecht. Beispiele anderer Seen, z. B. des Rohrsees in der Nähe von Bad Wurzach, zeigen den Erfolg dieser Maßnahmen: Der See wurde klarer, die Algenbiomasse wurde reduziert (ZINTZ et al. 1990).
Es muß allerdings betont werden, daß auch bei der Biomanipulation potentielle Risiken vorhanden sind. LAMPERT (1983) wies auf Algen mit Fraßschutz-Mechanismen hin (große Kolonien, bizarre Formen, toxische Inhaltsstoffe), die vom Zooplankton kaum konsumiert werden. Die Biomanipulation birgt daher laut LAMPERT die Gefahr, daß sich in ihrer Folge die fraßgeschützten Algenarten stark vermehren und letztlich noch schwerer zu bekämpfende Algenblüten auftreten.
Generell kann die Biomanipulation als eine begleitende Maßnahme des Restaurierungs- bzw. Sanierungsprozesses betrachtet werden. Oberstes Ziel dieses Prozesses ist immer die Reduzierung der zufließenden Nährstoffe, insbesondere des Phosphors. Zu diesem Zweck ist eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen.

2. Reduktion des Nährstoffeintrages

Im Bereich der Freizeitnutzung ist eine Reduktion des Nährstoffeintrages in erster Linie durch Aufklärung der Besucher und Verbesserung der Infrastruktur zu erreichen. Beson¬ders bei Sportarten mit einem hohen Organisationsgrad (Tauchen, Angeln, Segeln) ist eine gezielte Informierung über die Verbände und Vereine durch fundierte Umweltausbildung und Einzelveranstaltungen möglich. Die übrigen Gäste des Sees sind durch Schautafeln, die über die Einflüsse des Freizeitverhaltens auf die Biozönose des Sees informieren sowie gegebenenfalls durch Zeitungsartikel und Informationsveranstaltungen zu erreichen.
Auf diesem Wege wäre es möglich, den Nährstoffeintrag durch Reduktion
 der Fütterung der Wasservögel
 des Anfütterns der Fische
 des Aufwirbelns von Sedimenten durch Taucher und
 der Freisetzung von Sonnenöl und der Harnabgabe durch Badegäste zu vermindern.
Der letzte Punkt setzt neben der Information der Öffentlichkeit auch die Bereitstellung weiterer Toiletten voraus.
Außerdem ist jegliches Einleiten von Abwässern zu unterbinden. Hiervon betroffen sind zum einen die Privatgrundstücke, deren Uferbereiche auf mögliche Einleitungen zu überprüfen sind, zum anderen der Köstgraben, der die Haupt-Nährstofffracht in den See einträgt.
Eine Umleitung des Köstgrabens in die Horloff würde als alleinige Maßnahme nur eine Verlagerung des Problems bringen. Die Horloff als Vorfluter könnte als Fließgewässer sicher die Nährstoffe besser abbauen, jedoch wäre damit das Problem nicht gelöst. Abhilfe kann hier nur eine veränderte Bewirtschaftungsstruktur der angrenzenden Äcker bringen, wie: Änderung der Nutzungsform, Verminderung der Erosion, Anlage eines 10 bis 20 m breiten Grünlandstreifens an beiden Ufern des Köstgrabens sowie pflanzenbedarfsgerechte Aufbringung der Düngemittel (Nmin -Methode; DVWK 1987)
Weiterhin ist eine Erhöhung der Kapazität des Rückhaltebeckens der Ringkanalanlage unbedingt angeraten, um zum einen den Bakterieneintrag ins Wasser zu unterbinden und zum anderen die Nährstoffbelastung zu verringern.

3. Anbringung von Stegen

Besonders die Freizeitaktivitäten Baden, Tauchen und Surfen, die durchweg Einstiegsstellen und damit Schnittpunke zwischen Wasser und Land benötigen, ziehen Probleme wie erhöhte Sedimentaufwirbelung nach sich, die sich allerdings sehr leicht durch die Installation von Stegen reduzieren lassen. Diese müßten so weit in das Wasser hineinreichen, daß ohne Grundkontakt abgetaucht, bzw. das Surfbrett bestiegen werden kann. Wenn nur einige Stellen (angepaßt an die Menge der Nutzer) als Schnittstelle genutzt werden und nicht ein gesamtes Ufer, ist es möglich, die Schäden gering zu halten. Auf diese Weise ließen sich in den Bereichen, die nicht zum direkten Badestrand gehören, Schäden an der Makrozoobenthospopulation und dem Pflanzengürtel minimieren.

4. Bojenmarkierungen als Schutz für die gefährdeten Uferbereiche

Um zu verhindern, daß empfindliche Uferbereiche wie z.B. Bestände von Schwimmblattpflanzen und Röhrichte durch Segler, Surfer und Boote gefährdet und beschädigt werden, ist eine Absperrung dieser Zonen mit Bojen sinnvoll.

5. Schilfanpflanzungen in den Bereichen der Privatgrundstücke.

Röhrichtbestände sind in der Lage, effektiv den Phosphatgehalt zu senken. Schilfröhricht fördert darüber hinaus die Sedimentation der nährstoffhaltigen Schwebstoffe, wodurch ein Absinken in tiefere Wasserschichten und die damit einhergehende Sauerstoffzehrung verringert wird. Durch Ausscheidungen im Wurzelbereich können einige Röhrichtarten eine Abtötung von Colibakterien und anderen pathogenen Keimen bewirken (WENDELBERGER 1986). Daher sollte, neben vermehrter Schilfanpflanzung, darauf hingewirkt werden, daß die Schilfhalme nicht mehr gemäht bzw. abgebrannt werden.
Wenn auf Basis der hier vorgestellten Ergebnisse ein fundiertes Nutzungskonzept für diesen See erstellt wird und die hier vorgestellten Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden, kann man davon ausgehen, daß die Wasserqualität des Trais-Horloffer-Sees innerhalb der nächsten Jahre eine Verbesserung erfahren wird.

 

BEZUG/QUELLE

Michael Pütsch
Heideweg 10
53343 Wachtberg-Niederbachem

 

 


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Trais-Horloffer-See, Hungen, Giessen, Mittelhessen, Hessen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Empirische Untersuchungen etc.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Makrophytenkartierung nach Melzer

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Zwei verschieden stark frequentierte Ufer wurden untersucht und miteinander verglichen


EINWIRKUNGSDAUER

bisher keine Angabe

 

EINWIRKUNGSART

bisher keine Angabe

 

EINWIRKUNGSGRAD

bisher keine Angabe

 

VEGETATIONSEINHEIT

Makrophytenvegetation

 

ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Veränderung der Zusammensetzung

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Ist gegeben.