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Nussberger, Béatrice (2002) Beeinflussen Halsbandsender das Verhalten von Gämsen (Rupicapra rupicapra rupicapra L.)?


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Motorflug

 

INHALT

Die Wildtierbiologie bedient sich oft der Radiotelemetrie als einer nützlichen Methode zur Datenerfassung. Allerdings ist bekannt, dass bereits das Einfangen zur Besenderung die Tiere mindestens kurzfristig traumatisieren kann. Ein längerfristigen Einfluss der Halsbandsender auf das Verhalten der Tiere wäre aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen nicht tragbar. Wenige Arbeiten haben sich mit Langzeiteinflüssen von Sendern befasst. Eingehende Studien an Huftieren gibt es kaum, solche an Gämsen fehlten bisher gänzlich.
In einer Untersuchung an neun seit zwei bis vier Jahren besenderten Gämsgeissen am Männlichen im Berner Oberland wurde geprüft, inwieweit der Halsbandsender das individuelle Verhalten und gewisse soziale Aspekte beeinflusst.
In Fokustieraufnahmen wurden Häufigkeit und Dauer von Äsen, Sichern, Verhaltensweisen der Fellpflege und Fortbewegung sowie das Liegen von besenderten und unbesenderten weiblichen Gämsen aufgenommen. Aufnahmen von besenderten Gämsen wurden mit denen von unbesenderten anhand von multivariaten linearen Modellen verglichen. Die Analyse ergab, dass die Halsbandsender keinen signifikanten Einfluss auf das individuelle Verhalten der Gämsen hatten. Gewisse Tendenzen zeichneten sich jedoch in der deskriptiven Auswertung ab. Besenderte Gämsen sicherten etwas weniger lang und kratzten sich doppelt so häufig als unbesenderte.
Ein weiterer Aspekt der Untersuchung waren die Nachbarschaftsbeziehungen. Um zu wissen, ob die besenderten Gämsen von den unbesenderten etwas abgesondert sind und ob sie weniger Tiere in ihrer Nähe haben als die unbesenderten, wurden die Distanzen zwischen besenderten und unbesenderten Gämsen, sowie die Anzahl Gämsen im Umfeld besenderter und unbesenderter Geißen verglichen. Die Ergebnisse des Binomialtests waren für beide Fragen nicht signifikant. Die Sender hatten also keinen Einfluss auf die Nachbarschaftsbeziehungen der Gämsen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die untersuchten Gämsen durch das Tragen von Halsbandsendern über längere Zeit nicht wesentlich beeinflusst wurden.

 

BEZUG/QUELLE

Dr. Andreas Boldt
WildARK
Tillierstrasse 6a
CH-3005 Bern
andreas.boldt@wildark.ch

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2925) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Wengen-Männlichen, Berner Oberland, Schweiz