Bundesamt für Naturschutz

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Müller, Joya (1999) Inwiefern beeinflusst der Flugbetrieb die Verteilung der Gämsen am Männlichen?


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Motorflug

 

INHALT

Die vorliegende Untersuchung wurde im Frühjahr 1998 am Männlichen (Berner Oberland) durchgeführt. Es sollte geprüft werden, inwieweit der Flugbetrieb (Gleitschirme und Helikopter) einen Einfluss auf die Verteilung der Gämsen im Gebiet hat, ob sich Gämsen bei Flugbetrieb vermehrt bei Strukturen aufhalten und ob diese einen Einfluss auf das Aufmerksamkeitsverhalten der Tiere haben. Zusätzlich ergab sich die Möglichkeit zu prüfen, inwiefern die Arbeiten an den Lawinenverbauungen den Aufenthalt der Gämsen beeinflussen.
Während der Zeit vom 10. Februar bis 17. Juni 1998 wurde der Standort der Tiere und deren Distanz zur nächsten Struktur (einzelne Tanne, Jungwuchs, etc.) stündlich von Wengen aus auf einer Kartenkopie (1:5000) eingetragen. Ebenso wurde der Bewölkungs- und Schneebedeckungsgrad stündlich festgehalten. Luftfahrzeuge wurden erfasst, sobald sie über dem Untersuchungsgebiet auftauchten. Daten zum Aufmerksamkeitsverhalten bei äsenden Tieren wurden anhand von Fokustierbeobachtungen erhoben. Dabei wurden die Häufigkeit und Dauer des Kopfhebens während 20 Minuten aufgenommen.
An Tagen mit Flugbetrieb nahm die Zahl sichtbarer Gämsen im Gebiet am Nachmittag im Vergleich zum Vormittag deutlich ab, an Tagen ohne Flugbetrieb war die Zahl am Nachmittag ungefähr dieselbe wie am Vormittag. Auch legten die noch sichtbaren Tiere bei Flugbetrieb eine eher grössere Höhendifferenz im Tagesverlauf zurück als an Tagen ohne Flüge. In dem am stärksten beflogenen Gebietsabschnitt nahm die Zahl der Tiere besonders stark ab. Hingegen nahm bei Flugbetrieb der Anteil der Tiere in einem wenig beflogenen Randgebiet eher etwas zu. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass die Tiere umso länger in tieferen Lagen blieben, je später das letzte Luftfahrzeug auftauchte. Weiters wurden unter Flugbedingungen nicht vermehrt Strukturen aufgesucht und das Aufmerksamkeitsverhalten von Geissen unterschied sich bei Strukturen und im Offenen nicht voneinander. Die Zahl der Gämsen im Gebiet war während den Arbeiten an den Lawinenverbauungen (mit Helikopterflügen) signifikant kleiner als vorher, und die Maximalzahl an Tieren wurde, anders als vor Beginn der Arbeiten, am Morgen früh vor 6 Uhr erreicht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Offensichtlich bewirkt der Flugbetrieb, dass viele Gämsen ihre Äsgebiete oberhalb des Gebirgswaldes zeitweise verlassen und in tiefere Lagen (bewaldete Bereiche) bzw. in andere Gebietsabschnitte ziehen. Dies bedeutet, dass sie gewisse Teile ihres Lebensraumes im Winter nur noch vermindert nutzen können.

 

BEZUG/QUELLE

Dr. Andreas Boldt
WildARK
Tillierstrasse 6a
CH-3005 Bern
andreas.boldt@wildark.ch

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2923) sortiert.
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