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McMillan, Michelle A.; Larson, Douglas W. (2002) Effects of rock climbing on the Vegetation of the Niagara Escarpment in Southern Ontario, Canada


Diese Auswertung wurde erstellt von: Holger Thüs

 

SPORTARTEN

Klettern, Landgebundener Sport

 

INHALT

Die Auswirkungen klettersportlicher Nutzung auf Gefäßpflanzen, Moose und Flechten werden mittels einer statistischen Analyse von 150 Vegetationsaufnahmen auf bekletterten und nicht bekletterten Felsen der Niagara-Klippen in Süd-Ontario/Canada untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Sowohl Dichte, Deckung, Artenzahl als auch Diversität der Gefäßpflanzen sind auf bekletterten Felsen geringer als auf nicht bekletterten Felsen.

Der Anteil von Neophyten an der Felsflora steigt an bekletterten Felsen auf ein Vielfaches der Anteile an nicht bekletterten Felsen.

Die Häufigkeit der Moose und ihre Artenzahl sind ebenfalls auf bekletterten Felsen geringer als auf nicht bekletterten Felsen.

Die Frequenz der Flechten ist auf bekletterten und nicht bekletterten Felsen gleich, ihre Artenzahl sinkt aber in bekletterten Bereichen signifikant ab und die Artenkomposition der Gemeinschaften ändert sich.

Einige wenige Flechtenarten (z. B. Caloplaca flavescens) können sich bei mäßiger klettersportlicher Nutzung zu Lasten sensitiverer Arten ausbreiten (ersetzt werden dabei z. B. lepröse Krusten, aber auch einzelne endolithische Arten wie Acrocordia conoidea).

Es wird empfohlen, auf die Einrichtung neuer Kletterrouten im Untersuchungsgebiet zu verzichten.

Zur Klärung der Frage nach der Regenerationfähigkeit der Felsflora werden langfristige Dauerbeobachtungsstudien angeregt.


BEZUG/QUELLE

Conservation Biology 16: 389-398

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2822) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Niagara Escarpment (Dolomit-Felskomplex), Süd-Ontario, Canada

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Es wurden 50 Transekte vom Fuß der Felsen bis zur oberen Felskante untersucht. Je 25 Transekte stammen von bekletterten bzw. nicht bekletterten Felsen. Unter den bekletterten Felsen (Felsen mit dokumentierten Kletterrouten) wurden nur solche ausgewählt, die einen mittleren Schwierigkeitsgrad aufweisen. Als nicht beklettert galt ein Felsen, wenn weder eine Kletterroute dokumentiert war, noch Spuren sporadischer Klettertätigkeit zu erkennen waren. Alle Transekte wurden an Felsen aufgenommen, die eine gleichartige Oberflächenbeschaffenheit und Gesteinszusammensetzung hatten sowie frei von Überhängen, Sickerwasseraustritten oder Regenwasserabläufen waren.

Auf jedem Transekt wurden je drei 1x2 m Aufnahmeflächen (Felsfuß, -wand, -oberkante) bestimmt, innerhalb derer jeweils 50 20x20 cm Teilflächen abgegrenzt wurden. Die Dichte der Pflanzen wurden definiert als Zahl der Exemplare (bei Gefäßpflanzen: bewurzelter Sprosse) innerhalb der 1x2m Aufnahmeflächen. Die Deckung wurde als Prozentzahl der von dem betreffenden Taxon besiedelten 20x20 cm-Quadrate bestimmt. Die Diversität wurde durch den Shannon-Wiener-Index dargestellt.

In der statistischen Analyse wurden die Variablen klettersportliche Nutzung (vorhanden/nicht vorhanden), Position der Aufnahmeflächen (Felsfuß, -Wand, Oberkante), Aufnahmedatum, Höhe des Felsens, Kronenschluß benachbarter Bäume und Ausrichtung der Felswand zueinander in Beziehung gesetzt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Uni- und multivariate Analysen, Häufigkeit und Deckungsgrad einzelner taxonomische Einheiten, Artenzahl und Diversiät der Aufnahmflächen, Auftreten von Neophyten.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Als Kontrollzustand wird die Vegetation der nicht bekletterten Felsen betrachtet.


EINWIRKUNGSDAUER

ca. 50 Jahre

 

EINWIRKUNGSART

Klettersport

 

 

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Gefäßpflanzen Unterschiedliche Befunde für Felsfuß, -wand und –oberkante:
Moose Sowohl Deckung als auch Artenzahl der Moose sind in den bekletterten Aufnahmeflächen signifikant niedriger als in jenen der nicht bekletterten Felsen.
Flechten Die Deckung der Flechten an bekletterten und nicht bekletterten Felsen ist auffallend ähnlich, die Artenzahl in den bekletterten Bereichen aber um 60% reduziert im Vergleich mit den nicht bekletterten Felsen. Einzelne Caloplaca-Arten (u. a. C. flavescens) sind häufiger in den bekletterten als in den nicht bekletterten Arealen und überstehen einen gewissen Grad mechanischer Einwirkung zunächst ohne größere Schäden.