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Meisterhans-Kronenberg, Hanna (1988) Auswirkungen des Skibetriebs auf subalpine Heuwiesen bei Davos


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin)

 

INHALT

Die Autorin beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Skibetriebs auf subalpine Grünlandvegetationen. Sie untersucht inwieweit die maschinelle Pistenpräparierung sich auf die phänologische Entwicklung, die Artenzusammensetzung und die Ertragsleistung auf solchen subalpinen Fettwiesen (Trisetion) auswirkt. Zudem sollen die Unterschiede zwischen der montanen und subalpinen Zone festgestellt werden. Diese Untersuchungen wurden im Rahmen des "Man-and-Biosphere" Projektes Davos durchgeführt. Im folgenden werden nur die Auswirkungen des Skibetriebs in Hinblick auf die Ausaperungszeiten, die phänologische Entwicklung und die Vegetation auf Pistenflächen erläutert.

Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Pistenflächen und unbeeinflussten Flächen abseits der Piste.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Autorin stellte (entgegen der Erwartungen) in vielen Bereichen der Piste ein verfrühtes Ausapern (ausapern = schneefrei werden) fest. Sie vermutet einen Zusammenhang des frühen Schmelzenes mit einer durch intensive Nutzung der Piste dünn gewordenen Schneedecke.

Während der Skisaison aperte der untersuchte Pistenabschnitt nicht aus. Aus diesem Grund schließt die Autorin eine mechanische Schädigung der Vegetation und des Bodens durch den Skibetrieb aus.

Ein späterer Vegetationsanfang und ein langsameres Wachstum während des ersten Monats prägten die Entwicklung der Pflanzen auf den Pistenflächen. Der große Unterschied in den Bodentemperaturen ist nach der Auffassung der Autorin hauptverantwortlich für die verzögerte Entwicklung auf den Pistenflächen.

Einige Arten kamen auf der Piste häufiger vor als auf den Flächen abseits der Piste und umgekehrt. Die Autorin konnte aber nicht nachweisen, dass dies ausschließlich auf den Skibetrieb allein zurückzuführen ist. Bleibt die Frage unbeantwortet, ob das Relief mitverantwortlich ist.

Die Untersuchungen betreffen nur einen kleinen Teil des ganzen Skigebietes. Je nach Pistenlage, Schneemenge und Beanspruchung wird der Unterschied gegenüber unbelasteten Flächen größer oder kleiner ausfallen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2723) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Das Untersuchungsgebiet befindet sich auf einem westexponierten Hang des Jakobshorns bei Davos im Kanton Graubünden (Schweiz). Das Untersuchungsobjekt sind die Fettwiesen der oberen Clavadeler Alpen (2040 m).

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Ist-Ist-Vergleiche der Pistenfläche mit unbeeinflussten Flächen abseits der Piste

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Über die Piste, die Randbereiche und Flächen außerhalb der Piste wurden drei Transekte gelegt. Transekt A war 140 m und B und C jeweils 100 m lang. In den Transekten wurden jeweils 1 m² große Probeflächen markiert. Im ersten Transekt waren es 25, im zweiten 10 und im dritten 11 Flächen.

Ausaperung: Im Frühling 1983 und 1984 wurde im Bereiche der Transekte die Ausaperung verfolgt. Dabei untersuchte man die Höhe der Schneedecke, die Mächtigkeit der Eisschicht und die Frosttiefe des Bodens.

Phänologische Beobachtungen: Vom 22. Juni bis 14. Juli 1982 wurden in jedem Quadratmeter dreimal phänologische Aufnahmen gemacht und vom 4. Juni bis 20. Juli 1983 sechsmal. Dabei unterschied man die Entwicklungsphasen Blütenknospen, Blüten, verwelkte Blüten und Früchte. Bei 18 (häufigeren) Arten wurde die Anzahl der Individuen (in den jeweiligen Phasen) ermittelt. Insbesondere befasst sich die Autorin mit der phänologischen Entwicklung von Crocus albiflorus (Frühlingskrokus), Taraxacum officinale (Löwenzahn), Ligusticum mutellina (Mutterwurz) und Silene dioeca (Rote Waldnelke). Zusätzlich stellte man die mittlere Höhe der Krautschicht fest.

Pflanzensoziologische Aufnahmen: Zwischen dem 14. und 17. Juli 1982 und vom 18. bis 19. Juli 1983 wurde von jedem Quadratmeter (kurz vor dem Heuschnitt) eine Aufnahme gemacht. Für die Auswertung wurden die aufgenommenen Arten von 1983 verwendet. Die Arten, die nur 1982 beobachtet wurden zählte man dann dazu. Die Daten wurden mit Hilfe des Fortran IV-Pakets analysiert.

 


EINWIRKUNGSART

mechanische Beeinträchtigung der Vegetation

 

Ausaperung, Mächtigkeit der Eisschicht und die Frosttiefe des Bodens

In den Transekten B und C waren die Pistenflächen ca. 2 Wochen früher schneefrei, als auf dem Flächen abseits der Piste. Im Transekt A (ca. 20 m höher gelegen) aperte das Gebiet abseits der Piste früher aus. Im Frühling befand sich auf der Piste, teils noch unter einer Schneedecke, immer eine 1-6 cm dicke Eisschicht (vereinzelt bis zu 20 cm Tiefe). Neben der Piste wurde nur in einem Drittel der Messungen eine Eisschicht von 1-3 cm ermittelt. Unter der Eisschicht auf den Pistenflächen war der Boden überall mindestens bis zu 5 cm Tiefe gefroren, im Gegensatz zu den Flächen neben der Piste, wo der Boden meistens nicht oder höchstens bis in 2 cm Tiefe gefroren war.

 

Phänologische Beobachtungen

Hinsichtlich der phänologischen Entwicklung der vier näher untersuchten Arten wurde im Mittel auf den Pistenflächen ein Rückstand in der Entwicklung von 10 bis 14 Tagen gegenüber den nicht als Piste genutzten Bereichen ermittelt. Beim Frühlingskrokus und Löwenzahn war diese Verspätung besonders ausgeprägt. Teilweise wurde die Verzögerung von Mutterwurz und Roter Waldnelke wieder aufgeholt.

Im Pistenbereich war die mittlere Höhe der Krautschicht über die gesamte Beobachtungszeit hinweg viel niedriger, als auf den unbelasteten Flächen. Einen Monat nach der Ausaperung wies die mittlere Höhe im Transekt B und C einen Rückstand von ca. 50 % auf. Dieser Rückstand wurde von Ende Juni bis zum Heuschnitt teils wieder aufgeholt. In diesen beiden Transekten lag der Unterschied kurz vor der Ernte noch bei ca. 30 %. Im Transekt A war dann keine bedeutende Differenz mehr vorhanden. Insgesamt kam es während der ersten 30 Tage zu einem verlangsamten Wachstum auf der Piste, was den Entwicklungsrückstand der Vegetation weiter verstärkte.

 

Pflanzensoziologische Aufnahmen

Fast 50 % der Arten kamen auf den Flächen abseits der Piste häufiger vor und nur 20 % der Arten waren auf den Pistenflächen häufiger.