Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Niemann, Jutta; Sossinka, Roland (1995) Untersuchungen zur Störungsökologie von Wasservögeln (militärischer Übungsbetrieb) im Feuchtgebiet internationaler Bedeutung "Weserstaustufe Schlüsselburg"


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Motorflug, Ultraleichtflug

 

INHALT

Die Untersuchung befasst sich mit dem Einfluss militärischer Hubschrauberüberflüge auf die Reaktion von Wat- und Wasservögeln im Feuchtgebiet "Weserstaustufe Schlüsselburg". Aus Beobachtungen heraus analysierten die Autoren die Reaktionen und differenzierten dabei nach Flughöhe, horizontaler Distanz, Schallpegel, Flugkörpertyp und jahreszyklischen Phasen der Vögel.

Es hat sich gezeit das die Überflüge eine deutliche Auswirkung auf Wat- und Wasservögel haben. Dabei waren Schallpegel und Überflughöhe die bedeutendsten Faktoren.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Mögliche Auswirkungen

  • Direkter Energieverlust durch Verhaltensweisen mit relativ grossem Kalorienbedarf, relativ zum ungestörten Zustand
  • Indirekter Energieverlust durch eine verminderte Futteraufnahme

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2693) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Das Untersuchungsgebiet umfasste das Feuchtgebiet "Weserstaustufe Schlüsselberg". Die Untersuchung wurde zwischen Herbst 1989 und Herbst 1991 durchgeführt.

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • quantitative Auswertung
  • Raum-zeitliche Untersuchungen in Hinsicht des Reiz-Reaktion-Verhältnisses

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Aktionen der Vogelgruppen wurden von getarnten Ansitzen aus auf Video aufgenommen und später quantitativ ausgewertet.
  • Bei den Untersuchungen wurde die Flugroute der Hubschrauber und der Standort der Tiere kartiert und die daraus resultierende horizontale Distanz berechnet. Man unterschied dabei zwischen direkten und indirekten Überflügen. Als direkt definierte man, wenn ein Überflug in weniger als 150 m horizontaler Distanz zu den Tieren stattfand. Als indirekt wertete man eine Distanz von mehr als 150 m. Gleichzeitig mit dem Bestimmen der Distanzen wurden auch Flughöhe und Schallpegel gemessen.
  • Die Aktionen der Vögel auf eine Störung wurden dann als Reaktion bezeichnet, wenn sich die Mehrzahl der Tiere gleich verhielt und wenn eine solche Verhaltensweise bei ebensovielen Tieren in weniger als 5 % der Stichproben ohne erkennbare Störquelle auftrat.
  • Es wurde zwischen 10 Reaktionsgraden unterschieden: Innehalten, Sichern, Recken, Umher- und Fortgehen bez. -schwimmen, Abtauchen, Auf- und Fortfliegen. Zudem wurden sie in Reaktionsgrad-Klassen eingeteilt. Diese reichten von leicht, über mittel und hoch bis hin zu extrem.


EINWIRKUNGSDAUER

nur kurzzeitige Überflüge

 

EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigungen

 

EINWIRKUNGSGRAD

Die Autoren unterschieden den Einwirkungsgrad nach Überflughöhe, Entfernung und Schallpegel.

Wat- und Wasservögel

  • Insgesamt wurden die Tiere 497 Stunden lang beobachtet. In dieser Zeit wurden 1724 Überflüge registriert, von denen 1463 ausgewertet wurden. Die Überflüge teilten sich auf in 924 Einzelüberflüge, 185 Mehrfachüberflüge und 30 abgesprochene Überflüge. Daraus resultierte ein Überflugrate von 3,5 Flugkörpern/h
  • Es hat sich gezeigt, dass 66 % aller direkten und 32 % aller indirekten Einzelüberflüge in der Überwinterungsphase zu einer Reaktion der Vögel führte. 45 % der Reaktionen waren hoch bzw. extrem. Bei Mehrfachüberflügen betrug dieser Wert sogar 55 %.
  • Die mittlere Reaktionsdauer direkter Überflüge betrug bei leichten Reaktionen 27 Sec., bei mittleren 54 Sec., bei hohen 1 Minute 43 Sec. und bei extremen Reaktionen 2 Min. 57 Sec. Ähnliche Zeiten galten auch für indirekte Überflüge.

5 Faktoren die für eine Reaktionsauslösung verantwortlich waren

  • Horizontale Distanz: In der Regel führten horizontale Distanzen von mehr als 700 m nicht mehr zu einer Reaktion. Die einzige Ausnahme waren die Grauen Gänse.
  • Überflughöhe: Bei reaktionsauslösenden direkten Überflügen lag die Flughöhe im Mittel bei 102 m (bei indirekten 106 m). Bei denjenigen die keine Reaktion auslösten lag die Höhe bei 151 m im Mittel (bei indirekten 133 m). Allgemein lässt sich herausstellen, dass je tiefer ein Überflug stattfand, desto häufiger erfolgte eine Reaktion. Da die Klassen der aufgetretenen Reaktionen bei allen Höhenklassifizierungen annähernd gleich verteilt waren, könnte man nach der Auffassung der Autoren auf starre Verhaltensmuster schließen.
  • Schallpegel: Die Messungen der Schallpegel haben ergeben, dass im Mittel diejenigen, bei denen eine Reaktion erfolgte signifikant höher lagen als bei denen die keine Reaktion hervorriefen. Der mittlere Schallpegel, der eine Reaktion auslöste lag bei 89,9 dB und bei dem der keine Reaktion auslöste bei 79,9 dB. Bei indirekten Überflügen lag das Verhältnis bei 80,5 versus 71,5 dB.
  • Flugkörpertyp: Bis auf den sehr grossen Transporthubschrauber CH53G und das Transportflugzeug Transall war in allen Höhenklassifizierungen eine relativ gleiche Anzahl der verschiedenen Hubschraubertypen vorhanden. Nur der oben genannte Transporthubschrauber flog in grösseren Höhen über das Untersuchungsgebiet. Dieser war trotzdem einer der wirksamsten Auslöser für Reaktionen der Tiere und 94,7 % aller direkten Überflüge führten zu hohen bis extremen Reaktionen. Bei der Transall waren es 78,6 % und bei der Bell UH-1D noch 54,3 %. Bei der Alouette lag der Wert bei 35,5 % und der bei BO 105 bei 50 %. Besonders die CH53G, Bell UH-1D und die Transall riefen bei den Tieren starke Reaktionen hervor und die Reaktionsdauer auf diese Typen war im Mittel signifikant länger als die der anderen.
  • Jahreszyklische Phasen der Vögel: Hubschrauber stellen für brütende Austernfischer, Kiebitze und Möwen keine sichtbare Störung dar. Für Entenvögel konnte man leider keine Beobachtungen machen. Bei Beobachtungen mausernde Reiherenten hat sich gezeigt, dass die Tiere während dieser Zeit deutlich stärker gegenüber den Störungen durch Hubschrauber reagierten als in der Überwinterungsphase. Dabei bewirkten 40 % der direkten Einzelüberflüge eine Reaktion. Der Grad der Reaktion lag mit 25 % im mittleren Bereich und mit 75 % im hohen Bereich. In der Überwinterungsphase führten lediglich 11 % zu einer direkten Reaktion, wobei nur die Reaktionsklasse leicht und mittel auftraten. Nach der Auffassung der Autoren liegt dies an der verminderten Reizschwelle aufgrund der zeitweiligen geringeren Beweglichkeit.