Bundesamt für Naturschutz

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Mikola, Juha; Miettinen, Mika; Lehikoinen, Esa; Lehtilä, Kari (1994) The effects of disturbance caused by boating on survival and behaviour of Velvet scoter Melanitta fusca ducklings


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Kanu, Kajak

 

INHALT

Der Bestandstrend der Samtenten im Baltikum ist rückläufig. Die Studie referiert Ursachen hierfür, wobei Probleme der anthropogenen Störung unter besonderer Berücksichtigung etho-ökologischer Spezifika der Art analysiert werden müssen: Die Weibchen der Samtente scheinen kaum in der Lage zu sein, ihre Brut gegenüber Prädatoren (Beutegreifern) zu schützen (dies wurde in der Studie teilweise widerlegt), gestörte Küken versuchen nicht sofort wieder sich nahe der Mutter zu "clustern" (im Pulk zusammenzufinden), es kommt vor, dass die Mutter nach der Störung davonfliegt und die Jungen ungeschützt zurücklässt. Dies ermöglicht Prädatoren, v.a. Möwen, einen hohen Jagderfolg. Hinzu kommt, dass die Küken gegenüber schlechten Witterungsbedingungen sehr empfindlich reagieren.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Störungen durch Boote bedingen direkt und indirekt einen starken Anstieg der Mortalität der Küken der Samtente; 1991 lag waren nach 7 Wochen ca. 70 % aller Küken tot. Möwen, denen durch Störungen ein freier Zugang zu den Kücken ermöglicht wurde, haben hieran einen Anteil von 56 % (innerhalb der ersten bis dritten Lebenswochen der Küken).

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2684) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Archipel von Turku, Finnland

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Klassifizierung der Jungvögel nach Alter. Von Booten ausgehende Störungen und die Anwesenheit von Möwen wurde kontinuierlich protokolliert. Das Verhalten von Weibchen und Küken wurde in 5-min-Intervallen notiert. Im Durchschnitt wurden die an der Weibchen-Kopffärbung individuell erkennbaren Familienverbände 3 h 40 min beobachtet.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Küken: Tauchen und Nahrungssuche, Putzen, Schwimmen, Ruhen, Aufenthalt in der Röhrichtzone, Sitzen auf dem Land.
Weibchen (zusätzlich): Aufmerksamkeit; Verhalten gegenüber Booten, die näher als 300 m von der Brut entfernt waren; Verhalten von Möwen gegenüber Samtentenküken.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Im Juli schlüpfen die Jungen und halten sich auf dem Wasser auf. In dieser Zeit halten sich ebenfalls - u. a. aufgrund der Ferienzeit - besonders viele Boote mit erholungssuchenden Menschen im selben Bereich auf.

 


EINWIRKUNGSDAUER

85 Bruten wurden zusammen 308 h beobachtet. In dieser Zeit näherten sich 113 Boote näher als 300 m.

1990 wurde jede Brut täglich im Durchschnitt 8,5 Mal, und 1991 3,5 Mal pro Tag gestört.

 

EINWIRKUNGSART

Störreize von Booten ausgehend

Möwen

 

EINWIRKUNGSGRAD

unterschiedlich bis hin zum Tod der Küken

 

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Samtente Boote, die sich näher als 30 m einer Brut näherten, veranlassten das Weibchen, die Jungen zu verlassen, gegen das Boot zu schwimmen oder aufzufliegen
Die Jungen tauchen ab und verteilen sich innerhalb eines Radius von 25 bis 30 m für 1 bis 2 min. Teilweise sind sie mehr als 50 m vom Weibchen entfernt. (Diese Situation trat in 20 % aller untersuchten Störereignissen auf). In solchen Situationen steigen die Chancen für Möwen ein Küken zu erbeuten.
Boote, die weiter als 30 m entfernt waren führten dazu, dass das Weibchen bei den Küken verblieb, sehr aufmerksam war und die Brut vom Boot wegführte.
Statistisch nachgewiesen ist eine Reduzierung der Zeit, die zur Nahrungsaufnahme aufgewendet wurde. Andere Verhaltensänderungen wurden beeinflusst, jedoch war meist nur ein Trend, jedoch keine statistische Absicherung des Verhaltens vor bzw. dem nach einer Störung zu errechnen.
Im Durchschnitt dauerte es 20 min, bis ein Familienverband nach einer Störung wieder ein "normales" Verhaltensrepertoire zeigte.
Die Mortalität der Küken betrug nach drei Wochen 64 % (1990) und 60 % (1991), und lag 1991 nach 7 Wochen bei 70 %. Somit sind v. a. junge Küken einer besonders hohen Mortalität ausgesetzt.
Der Einfluss von Störungen zeigte sich darin, dass häufiger gestörte Familienverbänder kleiner waren, als weniger gestörte.
Möwen übten v.a. in einer Periode von drei Wochen (Ende Juli bis Mitte August) eine hohen Druck auf die Samtenten aus.
Die Attackierungsrate von Möwen war 3,5 Mal größer unter gestörten (6 Attacken während 25 h Beobachtungszeit; 3,1 Attacken pro Tag) als unter ungestörten Bedingungen (8 Attacken während 105 h Beobachtungsdauer; 0,9 Attacken pro Tag).
Es wurde unmittelbar beobachtet, wie Möwen nach einer Störung Küken erbeuteten. Berechnungen verdeutlichen, dass Möwen bis zum Zeitpunkt, ab dem Küken als nicht mehr durch Möwen gefährdet eingeschätzt werden (ab einem Alter von 17 Tagen) unmittelbar für den Tod von 56 % aller Küken verantwortlich sind. Hinzu kommen weitere, mit der Störung zusammenhängende und auch unbeeinflussbare Ereignisse (wie z. B. ungünstige Witterung), die die Mortalität weiter ansteigen lassen.

BEMERKUNGEN

Die nicht unmittelbar auf Möwen zurückzuführende Kükenmortalität wird wahrscheinlich durch eine täglich zwischen 1 und 3 h, in Gebieten mit höheren Bootverkehr noch stärkere, unterbrochene Nahrungsaufnahme verursacht, v. a. wenn ungünstige Witterungsbedingungen und Störung zusammenfallen. Die Autoren zitieren Studien, die die besondere Kälteempfindlichkeit der Samtenten-Küken aufzeigen. Eine Störung durch Boote führt in entsprechenden Situationen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer kältebedingten Mortalität.