Bundesamt für Naturschutz

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Mayhew, Peter (1988) The daily energy intake of European Wigeon in winter


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Jagd

 

INHALT

Die Bestandsentwicklung der Pfeifente in Großbritannien verlief sehr unterschiedlich, wobei im großen und ganzen die Populationsgröße in etwa gleich bleib. Jedoch gab es regional starke Bestandsrückgänge zu verzeichnen, während in ruhiggestellten Gewässern der Bestand zunahm. Als Ursache dieser Bestandsverschiebungen werden Nahrungskonkurrenz durch die Ringelgans (Branta bernicla) und die Zunahme von Freizeitaktivitäten an Gewässern vermutet.

Pfeifenten ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch, wobei die Nahrung relativ nährstoffarm und schwer verdaulich ist. Ernährungsphysiologisch erbringt der Magen der Pfeifenten (ähnlich wie bei anderen Enten- und Gänseartigen) nur eine geringe Leistung, weshalb nur geringe Anteile der aufgenommenen Nahrung in Energie umgesetzt werden können. Dies führt dazu, dass Pfeifenten einen hohen Nahrungsbedarf haben und deshalb große Anteile ihres Zeitbudgets für die Nahrungsaufnahme aufwenden müssen. Dies macht sie besonders anfällig gegenüber Störungen, da alle Störungen automatisch zu einer Reduzierung der verfügbaren Zeit zur Nahrungsaufnahme führen.
Vogelarten, die einen hohen Anteil ihrer verfügbaren Zeit zur Nahrungsaufnahme aufwenden müssen, haben erhebliche Schwierigkeiten, durch Störung verloren gegangene Zeit zu kompensieren.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

74 % der Tageszeit, besonders während der Dämmerung, werden zur Nahrungsaufnahme genutzt. Mit abnehmender Tageslänge nimmt die Intensität der Nahrungsaufnahme zu, d. h. an kurzen Tagen und in der Dämmerung können Störungen besonders gravierend wirken. Dies gilt auch für helle Mondnächte, die besonders intensiv zur Nahrungsaufnahme genutzt werden. Generell erfolgt die Nahrungsaufnahme bis ca. 2.00 Uhr nachts. Insgesamt wird ein Zeitfenster von etwa 17,5 h eines Tages zur Nahrungsaufnahme genutzt.

Der tägliche Energieverbrauch wurde mit 631,1 KJ errechnet, wobei 91,6 g Trockenmasse als Nahrung aufgenommen werden müssen. Um diese Nahrung aufnehmen zu können, müssen die Pfeifenten im Minimum 14 h pro Tag fressen. Zur Kompensation von Störungen stehen deshalb nur etwa 3,5 h zur Verfügung, weil auch Ruhen, Putzen, etc. im Tagesablauf untergebracht werden müssen. Anschaulicher formuliert heißt dies, dass eine Pfeifente etwa 366 g Gras fressen muß, um ihren Energiebedarf zu decken. Diese Menge entspricht etwa der Hälfte ihres Körpergewichtes.

Pfeifenten, die Seegras fressen, benötigen etwas weniger Biomasse zur Energiebedarfdeckung und auch etwas weniger Zeit (12,7h), um die Nahrung aufnehmen zu können. Andere Studien zeigen, dass im Januar und Februar sogar 91,2 % des Tageslichtes zur Nahrungsaufnahme genutzt werden (müssen); hier wird deutlich, wie gravierend Störungen sich auswirken können.

Nächtliche Nahrungsaufnahme wird ausdrücklich nicht als Anpassung an von Menschen ausgehende Störungen interpretiert, sondern sie ist notwendig, um die zur Energiegewinnung notwendige Nahrungsmenge aufnehmen zu können. Der Autor zitiert Studien, die zeigen, dass aufgrund der hohen Störempfindlichkeit der Pfeifente diese überdurchschnittlich häufig - verglichen mit anderen Entenarten - ausschließlich in Gebieten mit niedriger Störungsintensität, wie Naturschutzgebieten oder Wildschongebieten anzutreffen ist. Dies gilt auch für die Schnatterente, bei der sehr ähnliche Ergebnisse wie bei der Pfeifente zum Energiebudget erzielt wurden. Für andere Entenarten gilt grob folgende Reihenfolge einer abnehmenden Störempfindlichkeit: Löffelente, Spießente, Reiherente, Krickente und Tafelente.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Wildfowl Trust"s refuge in Caerlaverock, SW Schottland, Großbritannien

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Erfassung des Zeitanteils von Nahrungssuch- und aufnahmeaktivitäten von Pfeifenten-Pulks zwischen 35 und 350 (meist zwischen 70-150) Individuen während des Tages und in der Nacht.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Der Energieumsatz wurde aus dem Vergleich der aufgenommenen Biomasse und des ausgeschiedenen Kotes (Trockenmasse) errechnet.

 

Pfeifente

  • Reduzierung des zur Nahrungsaufnahme notwendigen Zeitbudgets
  • Verdrängung aus Überwinterungsbiotopen

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Der Autor zeigt, dass für Vogelarten das Zeitfenster, das zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung steht, bei einigen Arten "randvoll" ausgefüllt ist. Störungen können deshalb sehr schnell einen Anteil des Zeitbudgets einnehmen, der dazu führt, dass bestimmte lebensnotwendige Aktivitäten nicht mehr (vollständig) realisiert werden können oder zu Lasten anderer Aktivitäten verschoben werden müssen. Dies hat Auswirkungen auf die Kondition von Individuen. Die Wahrscheinlichkeit, dass mangelernährte Tiere einer erhöhten natürlichen Mortalität (Erfrieren, Beute von Prädatoren) unterliegen, steigt an. Auch sind Wirkungen auf der Ebene Fitness zu erwarten, weil der Reproduktionserfolg schlecht konditionierter Tiere voraussichtlich geringner ist, bzw. diese nicht versuchen zu brüten.