Bundesamt für Naturschutz

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Neuhaus, P.; Mainini, B.; Ingold, P. (1990) Concerning the influence of hikers on the behaviour of the Alpine Marmot, Marmota marmota L.


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Tagesperiodik, Aufenthalt in der Nähe der Wanderwege und der Einfluss von Wanderern, die die Wanderwege benutzen im Vergleich zu denen, die abseits der Wege laufen, auf Murmeltiere wird untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

In Bereichen, in denen die Wanderer sich auf Wanderwegen bewegten, verbrachten Murmeltiere 71 % ihrer Zeit außerhalb der Erdbauten. In Bereichen, in denen sich Wanderer abseits der Wege bewegten, reduzierte sich diese Zeit auf durchschnittlich 48 %. Auch wurde in solchen Gebieten gemessen, dass die Tiere weniger Zeit zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung hatten.

Die Anwesenheit der Wanderer beeinflusste die Verfügbarkeit des Lebensraumes stark: nur während der Morgen- und Abendstunden, wenn sich keine Wanderer im Gebiet aufhielten, wurde das gesamte Gebiet genutzt. Während der Anwesenheit waren nur einige Tiere, aber weit von den Wegen entfernt, oberirisch aktiv.

Die Reaktionsdistanz auf Wanderer abseits der Wege war signifikant größer und sie zogen sich häufiger in ihre Erdbauten zurück, als in Gebieten, in denen die Wanderer auf den Wegen blieben.

Die Autoren gehen davon aus, dass die reduzierte Nahrungsaufnahmezeit nicht kompensiert werden kann. Dies kann zu Mangelernährung der Tiere, aber auch einer unzureichenden Versorgung der Jungtiere führen.

Dass Murmeltiere sich in häufig oder seltener bewanderten Gebieten unterschiedlich verhalten, wird als eine Anpassung an Wanderaktivitäten verstanden; jedoch ist Voraussetzung für das Verhalten der Wanderer - indem sie auf den Wegen bleiben - vorhersehbar ist.

Es wird vorgeschlagen, die Wanderer besser über ihre Wirkungen auf Murmeltiere aufzuklären.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1625) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Grindelwald-First, Berner Oberland, Schweiz

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Es werden zwei Gebiete, eines in der Nähe der Wanderwege und eines weiter weg und mit geringerer Anzahl von Wanderern untersucht. In jedem der beiden Teilgebiete wurden je drei Murmeltiergruppen über jeweils 5 Tage beobachtet (Scan-Sampling-Method nach Altmann, 1974). Die Wanderwege wurden zu verschiedenen Zeitpunkten abgegangen und die Anzahl der Murmeltiere und ihre Distanz vom Weg wurden notiert. Das Verhalten von Murmeltieren gegenüber Wanderern abseits der Wege wurde experimentell untersucht.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Raumnutzung; Nutzung des Lebensraumes in Abhängigkeit von Tageszeitpunkt und Anwesenheit von Wanderern; Verhalten bzw. Raumnutzung bei abweichendem Verhalten der Wanderer.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

In der Nähe eines Sesselliftes (Kapazität 540 Personen/h) mit Restaurant sind an schönen Sommertagen teilweise bis zu 1000 Personen gleichzeitig anwesend. Im Regelfall bleiben die Besucher auf dem gut ausgebauten Wanderwegenetz, das durch einen Murmeltier-Lebensraum führt.


TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG AUSWIRKUNG
Murmeltier (Marmota marmota) Wenig frequentierte Gebiete Stark frequentierte Gebiete
Nach 8 Uhr waren zwischen 70 und 90 % aller Tiere bis in den Abend hinein (21.00 Uhr) zu beobachten. Im Durchschnitt waren 71 % aller Individuen außerhalb ihrer Erdbaue zu beobachten. Nur am Morgen und am Abend waren zwischen 70 und 90 % der Tiere zu beobachten; ab ca. 10 bis 16 Uhr sank die Zahl auf ca. 30 % teilweise auf <10 % ab. Im Durchschnitt waren 48 % aller Individuen außerhalb ihrer Erdbaue zu beobachten.
Zwischen 8 und 21 Uhr suchten mindestens 40 % aller Tiere Nahrung. Die Anzahl nahrungssuchender Tiere sank von ca. 10 bis 16.00 Uhr deutlich ab; um die Mittagzeit suchten weniger als 20 % der Tiere nach Nahrung.
Am Morgen vor der Ankunft der ersten Wanderer hielten sich die Tiere noch nahe der Wege auf. Gegen Mittag, wenn die Anzahl der Wanderer regelmäßig am höchsten war, waren dort nur noch sehr wenige Individuen zu beobachten, diese hielten sich jedoch weit abseits der Wege auf. Am Abend (gegen 17.45 Uhr), nachdem die Wanderer "abgewandert" waren, näherten sich die Murmeltiere wieder den Wanderwegen und nutzten diese wieder wie am frühen Morgen.
Wanderer, die sich abseits der Wege bewegten, führten zu Reaktionsdistanzen (im Originalpapier als Fluchtdistanz bezeichnet) von im Median 50 Metern, während die bei Wanderern auf den Wegen im Median 30 Meter betrugen. Weiterhin blieben mehr Tiere in ihren Erdbauten, wenn sich Wanderer abseits der Wege bewegten als im Fall, dass sie auf den Wegen blieben.