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Mosbech, A.; Glahder, C. (1991) Assessment of the impact of helicopter disturbance on moulting Pink-footed Geese Anser brachyrhynchus and Barnacle geese Branta leucopsis on Jameson Land, Greenland


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Luftsport

 

INHALT

Mausernde Gänse sind in einem Zeitraum von ca. 3-4 Wochen flugunfähig. Mauserplätze werden so ausgewählt, dass eine Flucht vor Beutegreifern möglich ist und ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Die Gänse schließen sich dabei zu großen Gruppen zusammen. Aufgrund von Vorstudien wurden Störungen im Gebiet durch Ausweisung eines "Mauserschutzgebietes" unterbunden. Jedoch wurde 1988 in Teilbereichen dieses Gebietes die Ölsuche doch erlaubt. Die Wirkungen von Hubschraubereinsätzen werden beschrieben.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Gänse reagierten bei größeren Hubschraubern (Bell 212) bereits auf ca. 10 km Entfernung, bei kleineren Hubschraubern (Bell 206) auf 2,5 bis 5 km Entfernung.
  • Das Zeit-Aktivitäts-Budget der Kurzschnabelgänse wurde hiervon stark beeinflusst. Nahrungsaufnahme und Ruhezeiten wurden reduziert, Schwimmaktivitäten nahmen zu. Folglich nahmen sie wahrscheinlich nicht genügend Nahrung zu sich.
  • Effekte von Hubschrauberflügen auf die Nonnengänse waren weniger stark (untersuchter Zeitraum: zweite Hälfte der Mauserperiode).

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1584) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Jameson Land, Nordost Grönland, hocharktische Zone, RAMSAR-Gebiet

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Beobachtung des Verhaltens mausernder Gänse unter dem Einfluss von Störungen durch Hubschrauber. Folgende Verhaltensweisen wurden notiert: Nahrungssuche, Ruhen, Gefiederputzen, Gehen, Schwimmen, Fliegen, Aufmerksamkeitsverhalten zeigen, Soziale Interaktionen. Das Verhalten von Gänsen wurde im 10 Minuten-Abstand notiert, ebenso wie ggf. Störungen, die nach einem Störungsindex bewertet wurden. Beobachtungszeiten schwankten zwischen wenigen bis zu 48 Stunden. Es wurde jedoch versucht, das Verhalten über mindestens 24 Stunden zu beobachten, wobei innerhalb des Beobachtungsblocks sowohl eine durch Hubschrauber ungestörte wie auch eine gestörte Phase enthalten sein sollte. Im Regelfall flogen die Hubschrauber in einer Höhe von weniger als 120 m.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Analyse der Veränderung des Zeit-Aktivitäts-Budgets von durch Hubschraubern gestörten Gänsen im Vergleich mit ungestörten Gänsen. Die Daten der ungestörten Gänse stammen von 1982-84, während die Daten mit Störungen 1988 erhoben wurden.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Jeweils ca. 500 Brutpaare und 5000 mausernde Kurzschnabel- (Anser brachyrhynchus) und Nonnengänse (Branta leucopsis) halten sich im Gebiet auf. Ölsuchaktivitäten führten zu massivem Hubschrauberverkehr. Da im Untersuchungsjahr die Hubschaubereinsätze bekannt waren, wurde das Verhalten der Gänse ein oder zwei Tage vorher und während des Einsatzes beobachtet. Die exakte Zahl der, während der Beobachtung anwesenden Gänse ist nicht eindeutig ableitbar, offensichtlich waren es jedoch bei beiden Arten deutlich unter 100.

 

 


EINWIRKUNGSDAUER

abhängig von verschiedenen Parametern, v. a. Größe der Hubschrauber, Flughöhe und der Topografie (s. u., Bemerkungen)

 

EINWIRKUNGSART

Lärm

 

EINWIRKUNGSGRAD

Reduzierung der Nahrungsaufnahme, Ausweichen auf nahrungslose Flächen

 

Kurzschnabelgans:

Empfindlichkeit im Mausergebiet

(Es wird die Situation dokumentiert, in der die noch flugfähigen Gänse gerade das potenzielle Mausergebiet aufgesucht hatten.) Die Gänse sind empfindlich gegenüber Fluglärm. Kurze Zeit nach dem Vorbeiflug von Hubschraubern verließen die Gänse das (Teil-)Gebiet, in dem sie mausern wollten (dies auch 1987 getan hatten). Die Distanz zwischen Hubschraubern und Gänsen betrug ca. 5 km. Der Mindestabstand der Flugroute zum Gebiet wurde auf 8 km erweitert, jedoch wurde die Region 1988 nicht mehr zum Mausern genutzt.
Kommentar: Offensichtlich fand die Störung zu einem Zeitpunkt statt, in dem die Gänse besonders empfindlich auf Störungen reagieren, da sie entscheiden müssen, ob das Gebiet in den nächsten 3-4 Wochen, in der Phase weitgehender Flugunfähigkeit, voraussichtlich ungestört bleibt.

 

Reaktionsdistanz zu Hubschraubern

Im Regelfall waren Hubschrauber für die Gänse nicht sichtbar, wenn sie reagierten. Folglich hören Gänse den Lärm der Maschinen.
Der erste Wert bezieht sich auf alle untersuchten Gänse, der zweite zusätzlich auf das Gebiet Jyllandselv

 

kleine Hubschrauber: 4,4±2,3 km (n=5) / 5,3±1,4 km (n=4)

große Hubschrauber: 8,7±4,4 km (n=31) / 9,8±2,9 km (n=16)

 

 

Zeit-Aktivitäts-Budget

Die Gänse sind offensichtlich stark störempfindlich, da im Vergleich zur Untersuchungsperiode ohne Störungen der Anteil des Verhaltens Nahrungsaufnahme um ca. 50 bis 80 % abnahm. In Abhängigkeit von der Untersuchungsperiode und der Anzahl der Hubschrauberflüge war dies besonders deutlich bei > 2 Flügen pro Stunde. Der Anteil der Verhaltensaktivität "Schwimmen", in der keine Nahrung aufgenommen werden kann, nahm stark zu. Dies galt auch für Tage mit nur ca. 1 Flug pro 2 Stunden. Gegen Ende der Mauserzeit waren die Störungen noch deutlich zu erkennen, jedoch nicht mehr so ausgeprägt wie zu Beginn und in der Mitte. Zudem führten die anhaltenden Hubschrauberflüge dazu, dass die Gänse das Gebiet am Tag nach der stärksten Störung (> 2 Flüge) verließen. Gegen Ende der Mauserperiode hielten sich wieder einige Individuen im Gebiet auf, die jedoch einen mangelhaft ernährten Eindruck machten.
Kommentar: Die Ausführungen der Autoren sind quantitativ nicht leicht interpretierbar; jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Hubschrauberflüge negativ wirkten (die Veränderung des Zeit-Aktivitäts-Budgets ist nachvollziehbar). Jedoch ist die Korrelation zur Intensität der Hubschrauberflüge nicht eindeutig nachvollziehbar, allenfalls in der Weise, dass bereits eine sehr geringe Flugintensität ausreicht, Verhaltensänderungen herbeizuführen, die die Fitness der Gänse in erheblichem Maße beeinflusst, bis dahingehend, dass das Gebiet ins Wasser und auf Eisschollen verlassen wird, obwohl dort keine Nahrung zur Verfügung steht. Die Autoren beschreiben die Wirkungen der Hubschrauberflüge als "drastisch".

 

Nonnengans:

Reaktionsdistanz zu Hubschraubern

Im Regelfall waren Hubschrauber für die Gänse nicht sichtbar, wenn sie reagierten. Folglich hören Gänse den Lärm der Maschinen.
Der erste Wert bezieht sich auf alle untersuchten Gänse, der zweite zusätzlich auf das Gebiet Depotelv

kleine Hubschrauber: 2,6±1,4 km (n=42) / 2,5±1,5 km (n=33)

große Hubschrauber: 9,1±2,1 km (n=12) / 11,3 km (n=2)

 

Zeit-Aktivitäts-Budget

Die Veränderung des Verhaltens wurde in der zweiten Hälfte der Mauserperiode, in der ein zunehmender Anteil der Gänse ihre Flugfähigkeit wiedererlangt hatte, durchgeführt. Das Verhalten Nahrungsaufnahme war um 10 bis 20 % reduziert, stieg aber in der Schlussphase der Mauserperiode deutlich an. Es wurde keine Korrelation zwischen Störungen und Störintenisität und dem Anteil der Nahrungsaufnahme gefunden. Im Gegensatz zu den Kurzschnabelgänsen scheinen Nonnengänse gegenüber Helikoptern bzw. Fluglärm weniger empfindlich zu sein, zumindest in der zweiten Hälfte der Mauserphase.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Angaben

BEMERKUNGEN

In der Studie werden nicht explizit von Touristen verursachte Störungen durch Hubschrauber untersucht. Jedoch dürfte es gleichgültig sein, ob Störungen von durch Ölbohrungen verursachten Flügen oder touristisch motivierten Hubschrauberflügen verursacht werden. Im Kontext des Projektes FREIINFO kommt dieser Publikation deshalb die Funktion zu, Hinweise auf potenzielle Störungen offenzulegen, die von Touristen ausgehen können, die Hubschrauber - u.a. zur Wildtierbeobachtung - benutzen.

Der Lärm von Hubschraubern hängt vom Typ und den Witterungsbedingungen, der Topografie, der Flughöhe, der Flugrichtung, der Beladung des Hubschraubern und der Geschwindigkeit ab. Die Beobachtungen im Gebiet zeigen, dass der Lärm der Hubschrauber mit zunehmender Flughöhe zunahm. So wirkten niedriger fliegende Hubschrauber auf die selbe Distanz weniger laut. Nur wenn die Hubschrauber (im offenen Gelände) unmittelbar über den Gänsen waren, war der Lärm von höher fliegenden Hubschraubern weniger stark.