Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Miquet, A. (1990) Mortality in Black Grouse Tetrao tetrix due to elevated cables


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin), Wintersport

 

INHALT

Die Kollisionshäufigkeit mit Todesfolge bei Birkhühnern wird in einem Skigebiet untersucht. Ergänzend werden Ergebnisse einer Fragebogenaktion in anderen Skigebieten analysiert.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Kollisionen mit Kabeln werden als ein wesentlicher ("major threat") Mortalitätsfaktor in Skigebieten angesehen, wobei die "besten Habitate für das Birkhuhn in den Alpen" betroffen sind. Offensichtlich besteht zwischen Birkhuhn und Skifahrern eine Raumkonkurrenz, die auf eine einerseits günstige Lebensraumeignung und andererseits optimale Möglichkeiten zum Skifahren zurückzuführen ist.

Männliche Birkhühner sind überproportional stark unter den Todesopfern vertreten. Dies wird auf das höhere Körpergewicht - verglichen mit Hennen - zurückgeführt, welches eine geringere Manövrierfähigkeit der Hähne bedingt. Ein Ausweichen wird hierdurch erschwert bzw. eine Kollision mit den Kabeln ist wahrscheinlicher. Weiterhin sind Hähne v.a. im Winter und während der Balzzeit auf den Balzplätzen sowie im Herbst während der Nahrungssuche aktiver als Hennen.

Aufgrund der Tatsache, dass nicht sämtliche Anflugopfer gefunden werden können (Fressen durch Aasfresser, Einsinken in tiefen Schnee, Verletzungen, die ein Entfernen ermöglichen, aber nach wenigen Tagen zum Tode führen), sind die Eingriffe in die Populationsgröße höher, als die Anzahl der tot aufgefundenen Individuen.

Bei Nebel und in stärker bewaldeten Lebensräumen finden Kollisionen stärker statt als während anderer Witterungs- oder Lebensraumsituationen. Jedoch kommt es aber auch bei sehr guter Sichtbarkeit der Kabel zur Kollisionen.

Aufgrund der besseren Sichtbarkeit der Sessellifte liegt die Mortalität deutlich unter der bei Schleppliften. Die höhere Mortalität bei Schleppliften wird darauf zurückgeführt, dass die Kabel und die Sicherheitskabel deutlich dünner als bei Sesselliften sind. Bei Doppel-Schleppliften liegt die Mortalitätsrate höher als bei Einfach-Schleppliften.

Kollisionen erfolgen nicht gleichmäßig entlang der Kabel, sondern konzentrieren sich räumlich. Hohe Kollisionsraten entstehen dort, wo besonders geeignete Lebensräume im Einwirkungsbereich der Kabel liegen. Kollisionen erfolgen primär beim Auffliegen von Birkhühnern.

Hinweise auf mögliche Gewöhnungseffekte werden vom Autor zurückgewiesen. Die altersbezogene Auswertung der Anflugopfer zeigt, dass über 50 % der identifizierbaren Opfer älter als 1 Jahr waren.

Folgende Möglichkeiten zur Reduzierung des Kollisionsrisikos werden aufgezeigt:

  • Kabel sollten nicht Balzplätze, Überwinterungsbiotope oder Flugbahnen überspannen.
  • Elektrizitätsleitungen sollten als Erdkabel verlegt werden oder sie sollten deutlich sichtbar gemacht werden (u. a. durch Anbringen von Wimpeln)
  • Sessellifte sollten bevorzugt vor Schleppliften betrieben werden.
  • Die dünnen Sicherheitskabel der Schlepplifte sollten dicht über dem Boden angebracht werden. Falls dies nicht möglich sein sollte, sollte ihre Sichtbarkeit deutlich erhöht werden.
  • Dicke oder ummantelte Kabel sollten zum Einsatz gebracht werden. Sie sollten so dicht wie möglich parallel geführt werden.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1562) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Frankreich, Savoyer Alpen, Ski-Station Les Arcs

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Im Winter wurden Skilifte täglich, elektrische Leitungen weniger häufig auf verunglückte Birkhühner abgesucht. In die Auswertung wurden nur tödlich verlaufene Unfälle einbezogen, wobei nur Hinweise auf Unfälle (tote Tiere oder Federn) in einem Korridor von 50 m beidseits der Kabel Berücksichtigung fanden.

Zusätzlich wurden Personen zu Unfällen in anderen Skistationen innerhalb der Savoyer Alpen per Fragebogen befragt (Geschlecht, Alter und Verwundung der Individuen; Typ, Anzahl und Höhe der Kabel; Umweltfaktoren wie Topographie, Baumbewuchs und Baumhöhe).

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Daten (Fragebogen und im Untersuchungsgebiet erhobene) wurden qualitativ dargestellt; die Ergebnisse wurden nicht quantitativ - Mortalität bezogen auf die Populationsgröße - ausgewertet.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

10 km elektrische oder mechanische Kabel pro km² im Habitat des Birkhuhns; 56 Ski-Lifte, wovon 48 % Schlepplifte sind. Siedlungsdichte des Birkhuhns: 4 Individuen pro km², insgesamt 30 adulte Tiere, davon 70 % Hennen.


EINWIRKUNGSART

Kollision mit Todesfolge

EINWIRKUNGSGRAD

Auswertung Fragebogen

  • Geschlecht der Kollisionsopfer: n=58, davon 50 % Männchen, die jedoch nur zu 30 % am Aufbau einer Population beteilgt sind.
  • Alter: n=13, 54 % der identifizierbaren Opfer waren älter als 1 Jahr.
  • Elektrokabel waren zu 8 % und Skilift-Kabel zu 72 % (n=58) für den Tod verantwortlich (Rest andere, die nicht benannt werden). Für Skilift-Kabel differenziert sich der Anteil zu 95 % für Schlepplifte und zu 5 % für Sessellifte.
  • 96 % aller Kollisionen mit Todesfolge erfolgten an Kabeln in einer Höhe zwischen 3 und 15 m über Grund.
  • In Abhängigkeit von der Sichtbarkeit erfolgten 15 % der Kollisionen in einer Entfernung von über 100 m von Bäumen und 85 % in locker mit Bäumen bestandenem Gelände oder offenem Wald (n=39)
  • 76 % der Kollisionen erfolgten bei Nebel oder Schneefall, 24 % bei gutem Wetter (n=17).

Auswertung Felddaten Les Arcs:

  • Im Winter 1983/84: 5 Hähne und eine Henne Kollisionsopfer, wobei die Balzpopulation im Mai 1984 8 Hähne betrug. Folglich sind maximal 38,5 % aller Hähne Opfer einer Kollision geworden.
  • Im März und April 1984: 2 Hennen. Im August waren 12 Hennen bekannt, somit sind maximal ca. 17 % der Hennen Opfer einer Kollision geworden.
  • Im April 1987 wurde ein Jährling tot aufgefunden; insgesamt waren 15 beringt worden.

Birkhuhn

Kollision mit Kabeln führt zum Tod.