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Nehls, Georg (1998) Einfluß des Schiffsverkehrs im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer auf die Bestände mausernder Enten


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Fischerei, Motorboot/Wasserski/Parasailing, Segeln

INHALT

Nach Einrichtung des Nationalparks waren ab Mitte der 80er Jahre direkte, indirekte und langfristige Auswirkungen des Wassersports auf Arten im Schleswig- Holsteinischen Wattenmeer analysiert worden. Dazu wurden Bestand und räumliche Verteilung von Seehunden, Eiderenten und Brandenten (im folgenden als Brandgänse bezeichnet) im Verhältnis zum Bootsaufkommen erfaßt.

siehe dazu auch Auswertung für das Informationssystem

Nehls, Georg; Thiel, Martin; Bräger, Stefan & Meißner, Jan (1991): Auswirkungen des Bootsverkehrs im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer auf die räumliche Verteilung von Seehunden und mausernden Enten. - Kiel (Gutachten im Auftrag des Landesamtes für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer) 26 S. - unveröffentlichtes Manuskript

Die dort festgestellten Verteilungsmuster der untersuchten Arten waren wesentlich durch den Bootsverkehr beeinflußt und weitere Bestandszuwächse nur bei ausreichendem Vorhandensein von ungestörten Ausweichräumen prognostiziert worden, insofern plädierten die Autoren für eine räumliche Beschränkung des Bootsverkehrs.

Der vorliegende Beitrag bewertet aufgrund weiterführender Beobachtungen und der Diskussion von Untersuchungsergebnissen anderer Autoren die Wirksamkeit der 1992 eingeführten Befahrungsregelungen für die Zone 1 des Nationalparks.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Das Ziel der Befahrungsregelungen, Mauserplätze der Enten und Wurfplätze der Seehunde vor Störungen durch den Schiffsverkehr zu schützen, ist nicht erfüllt. Ursachen:
  • großzügige Ausnahmeregelungen für Fischereiverkehr
  • Freigabe aller bezeichneten Fahrwasser
  • Die Befahrungsregelungen sollten erweitert werden und damit
  • nur noch Fahrwasser, die Zone 1 kreuzen freigeben
  • alle wichtigen Mauserplätze generell ins Befahrungsverbot einbeziehen (zeitliche Befristung möglich)
  • Ausnahmeregelungen nur noch für Vollerwerbsfischerei zulassen.

BEZUG/QUELLE

Umweltbundesamt, Bibliothek

Bismarckplatz 1

14 193 Berlin

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 57) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer, Schleswig- Holsteinische Marsch und Inseln, Schleswig- Holstein
  • Untersuchungsraum: von Elbmündung, entlang der Prielläufe zum Damm zur Insel Röm/Dänemark

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Zählungen bei Niedrigwasser vom Flugzeug aus:
  • Anzahl, Typ und Position der Boote
  • Anzahl mausernden Enten

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Veränderung des Aufkommens sowie der zeitlichen und räumlichen Verteilung des Schiffsverkehrs durch die Befahrungsregelung

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

  • Eiderente und Brandgans: im Juli/August durch Großgefiedermauser für etwa 4 Wochen flugunfähig -> Fluchtdistanzen steigen auf ca. 1 km bei Eiderenten und 2 km bei Brandgänsen
  • Bestandsdaten der untersuchten Arten im Sommer:
  • Eiderenten:
  • Mauser von ca. 130 000 Individuen der baltischen Population im Schleswig- Holsteinischen Wattenmeer, dabei Bildung großer Schwärme
  • Mauserbestände derzeit stabil
  • Brandgänse: Mauser von ca. 200 000 Individuen im Wattenmeer, davon ca. 2/3 im Untersuchungsgebiet, Schwarmbildungen von mehreren 10 000 Individuen


EINWIRKUNGSDAUER

seit 1992 räumliche und zeitliche Befahrungsregelung:

  • 3 h vor - 3 h nach Tidehochwasser Befahren der Zone 1 des Nationalparks außerhalb der gekennzeichneten Fahrwasser verboten
  • in Seehundschutzgebieten und Vogelbrut- und -mausergebieten Befahrungsverbot auch während Hochwasser
  • größter Anteil an Sportbooten von Mai-September

EINWIRKUNGSART

  • optische und akustische Beunruhigung

EINWIRKUNGSGRAD

  • ausgenommen von der Befahrungsregelung ist Berufsfischerei
  • an Wochenden und Feiertagen etwa dooppelt so viele Sportboote wie in der Woche
  • Fischereifahrzeuge: Anteil ca. 1/3 des Schiffsaufkommens im Sommer und ca. 2/3 im Winter
  • Sportboote: im Sommer Anteil von ca. 50 %, im Winter ca. 1/3
  • übriger Schiffsverkehr: Behördenfahrzeuge, Fahrgastschiffe

(da die Zählungen bei Niedrigwasser durchgeführt wurden, sind Boote, die Hafen nur bei Hochwasser verlassen, nicht erfaßt)

räumliche Verteilung des Bootsverkehrs:

    • Befahren fast aller Teile des Wattenmeers durch Sportboote
    • Konzentration jedoch in Nähe der größeren Häfen und den zu diesen führenden Fahrwassern
    • Befahrungsregelung:
    • alle vor 1992 bezeichneten Fahrwasser als "Freie Fahrwasser" freigegeben und von der Befahrungsregelung ausgenommen
    • im Mittel wurden nur 2,5 % der Schiffe außerhalb der Freien Fahrwasser gezählt

    1. Ergebnisse früherer Untersuchungen:

    • Die räumliche Verteilung der mausernden Vögel sind wesentlich von Störungen durch den Bootsverkehr beeinflußt. Die geringe räumliche Überlappung des Vorkommens von Bootsverkehr mit dem Vorkommen von mausernden Enten ist als Vertreibungseffekt aus den regelmäßig von Booten befahrenen Gewässern zu beurteilen. Verteilungsmuster sind nicht mit Habitatansprüchen bzw. unterschiedlichem Nahrungsangebot zu erklären.
    • Die Ursache für die Zunahme der Entenbestände trotz Zunahme des Sportbootverkehrs liegt außerhalb des Wattenmeeres in der Eutrophierung der Ostsee. Da Bestandszunahmen nur möglich sind, wenn ausreichend ungestörte Gebiete zur Verfügung stehen, der Sportbootverkehr aber anhaltend zunimmt, sind Befahrungsregelungen erforderlich.

    2. Bootsaufkommen und dessen räumliche Verteilung im Vergleich zu den Jahren ohne Bootsaufkommen:

    • Anteil an Sportbooten, der in 4 Jahren vor der Befahrungsregelung außerhalb der gekennzeichneten Fahrwasser erfaßt wurde: 0,5 % des Bootsverkehrs -> entspricht dem erwarteten Anteil der von Befahrungsregelung Betroffenen, unter Berücksichtigung der räumlichen und zeitlichen Beschränkungen
    • 1992: 1,2 % der Sportboote außerhalb der Fahrwasser: 4 von 342
    • 1993: 1,5 % der Sportboote außerhalb der Fahrwasser: 2 von 135

    3. Beobachtungen aus den Jahren 1992/93:

    • Beobachtungen direkter Störwirkungen auf mausernde Eiderenten- und Brandgänsebestände durch kleine Fischereifahrzeuge und Sportboote, von denen aus gefischt wurde.