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Nehls, Georg; Thiel, Martin; Bräger, Stefan; Meißner, Jan (1991) Auswirkungen des Bootsverkehrs im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer auf die räumliche Verteilung von Seehunden und mausernden Enten


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Fischerei, Motorboot/Wasserski/Parasailing, Segeln

 

INHALT

Im Rahmen des vorliegenden Gutachtens sollten direkte, indirekte und langfristige Auswirkungen des Wassersports auf Arten im Nationalpark Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer analysiert werden. Dazu sind Bestand und räumliche Verteilung von Seehunden, Eiderenten und Brandgänsen im Verhältnis zum Bootsaufkommen erfaßt worden.

Da die festgestellten Verteilungsmuster der untersuchten Arten wesentlich durch den Bootsverkehr beeinflußt sind und weitere Bestandszuwächse nur bei ausreichendem Vorhandensein von ungestörten Ausweichräumen erwartet werden können, plädieren die Autoren für eine räumliche Beschränkung des Bootsverkehrs.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Die festgestellten Verteilungsmuster sind wesentlich durch den Bootsverkehr beeinflußt und die geringe räumliche Überlappung des Vorkommens von Bootsverkehr mit dem Vorkommen von Seehunden und mausernden Enten ist als Vertreibungseffekt aus den regelmäßig von Booten befahrenen Gewässern zu beurteilen.
  • Verteilungsmuster sind nicht aus Habitatansprüchen zu erklären, sommerliche Verbreitungslücken sind nicht auf Variationen des Nahrungsangebotes, der morphologischen oder hydrologischen Struktur der entsprechenden Bereiche zurückzuführen
  • Bootsverkehr im Wattenmeer ist seit langer Zeit etabliert und Ausweichräume für die Arten sind vorhanden.
  • Im Untersuchungsgebiet sind drei Zonen gegeneinander abgrenzbar, die hinsichtlich Bootsverkehr und Bedeutung für die untersuchten Arten vereinfachend klassifiziert werden können:
Typ 1 Typ 2 Typ 3
Vorkommen von Booten keine einige viele
Vorkommen von Seehunden, Enten viele einige keine
Störungen fast keine einige nicht mehr
Auswirkungen/Effekte direkte & indirekte direkte & indirekte anhaltende
  • Trotz Zunahme des Sportbootverkehrs haben die Bestände der untersuchten Arten ebenfalls zugenommen.
  • Ursache für Erholung der Bestände bei Seehunden v.a. die Einstellung der Jagd und Verbesserung der Nahrungsgrundlage durch Einstellung der Beifang- Fischerei
  • Ursache für Zunahme der Entenarten liegt außerhalb des Wattenmeeres: Eutrophierung der Ostsee
  • Da Bestandszunahmen nur möglich sind, wenn ausreichend ungestörte Gebiete zur Verfügung stehen, der Sportbootverkehr aber anhaltend zunimmt, sind Befahrungsregelungen erforderlich.
  • Dabei sollten räumliche Regelungen den Vorrang gegenüber Begrenzungen der Boots- Liegeplatzzahlen haben, weil nicht die Zahl der Boote entscheidend ist sondern die Gebiete, die sie befahren.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 56) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Nationalpark Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer, Schleswig- Holsteinische Marsch und Inseln, Schleswig- Holstein
  • Untersuchungsraum: von Elbmündung, entlang der Prielläufe bis zum Damm zur Insel Röm/Dänemark

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Untersuchungszeitraum Mai 1987 bis September 1990
  • 37 Zählungen bei Niedrigwasser vom Flugzeug aus:
  • Anzahl, Typ und Position der Boote
  • Anzahl an Seehunden, Eiderenten und Brandgänse
  • Kontrolle regelmäßig besetzter Seehundliegeplätze
  • zeitliche Verteilung der Zählungen:
  • 32 Zählungen in der Wassersportsaison: Mai - Oktober
  • 5 Zählungen außerhalb der Wassersportsaison: November - April

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • direkte Effekte: gestörte Tiere fliehen vor einer sich nähernden Störungsquelle
  • als Störung von Seehunden auf Liegeplätzen wird gewertet: wenn regelmäßig genutzte Seehundbänke während Niedrigwasser nicht besetzt sind, Spuren der Tiere ins Wasser führen und sich Boote in der Nähe aufhalten
  • indirekte Effekte: Dichte von Tierbeständen ist im Gebieten mit menschlichen Aktivitäten niedriger
  • langfristige Effekte: Gebiete mit häufigen Störungen werden dauerhaft gemieden und auch an störungsfreien Tagen nicht genutzt ® effektive Reduzierung des Lebensraumes einer Art
  • indirekte und langfristige Effekte erfaßt über räumliche Verteilung der Tiere in Abhängigkeit vom Bootsverkehr

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

  • höchste Bestände im Wattenmeer der untersuchten Arten im Sommer während des höchsten Bootsverkehrs, darüber hinaus für die Arten Sommer besonders störungsempfindliche Jahreszeit:
  • Seehund: Jungenaufzucht
  • Eiderente und Brandgans: im Juli/August durch Großgefiedermauser flugunfähig -> Fluchtdistanzen steigen auf ca. 1 km
  • Bestandsdaten der untersuchten Arten im Sommer:
  • Seehunde:
  • Aufenthalt im Untersuchungsgebiet von > 40 % der gesamten Wattenmeer- Population
  • Höchstbestand vor 1988 (vor Seehundsterben) ca. 4200, 1990 ca. 2000
  • Eiderenten: Mauser von ca. 300 000 Individuen der baltischen Population im Wattenmeer, davon ca. 50 % im UG, Schwarmbildungen von mehreren 10.000 Individuen
  • Brandgänse: Mauser von ca. 200 000 Individuen im Wattenmeer, davon ca. 2/3 im UG, Schwarmbildungen von mehreren 10.000 Individuen


EINWIRKUNGSDAUER

ganzjährig, ganztägig

keine zeitliche oder räumliche Regulierung des Bootsverkehrs

 

EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigung

 

EINWIRKUNGSGRAD

(da die Zählungen bei Niedrigwasser durchgeführt wurden, sind Boote, die Hafen nur bei Hochwasser verlassen, nicht erfaßt)

außerhalb der Wassersportsaison während der Wassersportsaison
Boote gesamt: 97 Boote gesamt: 3171
max.: 31 max.: 247
Sportboote max.: 216
min.: 2 min.: 22
im Mittel: 20 im Mittel: 100