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Kraatz, Siegfried; Beyer, Karl-Heinz (2005) Die Brutbiologie des Waldwasserläufers Tringa ochropus (L.)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Martin Schorr

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Monographie des Waldwasserläufers

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Waldwasserläufer scheinen nach gegenwärtigem Kenntnisstand wenig anfällig gegenüber Störungen zu sein. Offensichtlich ist hierfür auch der Lebensraum verantwortlich, der einerseits günstige Deckungsmöglichkeiten, d.h. Sichtschutz gegenüber Störungen gewährt (Bruchwälder, alte vernässte Waldbestände, "Drosselbiotope", d .h. Fichtenbestände mit Drosselnestern) und andererseits unattracktiv für Natursportaktivitäten ist.

 

BEZUG/QUELLE

Ökologie der Vögel
Dr. Jochen Hölzinger
Wasenstr. 7/1
71686 Remseck


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Brutbiologie des Waldwasserläufers wird basierend auf einer Untersuchung einer 25 bis 30 Brutpaare umfassenden Population bei Greifswald/Mecklenburg-Vorpommern dargestellt.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

unmittelbare Beobachtung von Verhaltensabläufen (deskriptiv)
umfangreichen Auswertung der Spezialliteratur
Informationen von Gewährsleuten

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Deskription

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

enfällt


EINWIRKUNGSDAUER

unterschiedlich

 

EINWIRKUNGSART

Beobachtung am Nest

 

EINWIRKUNGSGRAD

gering

 

TIERART/ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Bei freier Sicht in offener Landschaft [...] beträgt die kürzeste Fluchtdistanz gegenüber dem Menschen etwa 50 m. Das ist unerwartet wenig. Alle Entfernungen darunter sind sehr selten. Wichtig ist bei solchen geringen Distanzen, dass der Vogel den Störenfried schon aus weiter Entfernung näher kommen sieht. Anders ist es, wenn sich Waldwasserläufer z.B. an Gräben aufhalten. Von ihnen streichen sie viel eher ab, schon in dem Moment, wenn der Mensch plötzlich weit entfernt über der Grabenkante auftaucht. Dann fliegen sie, erschreckt, schon bei 100 m Entfernung und mehr auf. [...]
Dem am Graben entlang gehenden Beobachter können die Vögel auch in Etappen vorwegfliegen. Etappenlängen von 20 m bis einigen hundert Metern sind üblich. Kurz vor der Nachtruhe und einige Stunden vor der Ablage eines Eies kann es auch vorkommen, dass sich ein Vogel unter der Ufervegetation des Grabens so fest drückt, dass man an ihm unmittelbar vorbeigehen kann. Am Brutplatz Greifswald-Lassan befindet sich am Waldrand der Ortslage Jägerhof ein Nahrungstümpel von etwa 40 m im Durchmesser, der unmittelbar an ein bewohntes Grundstück grenzt. Dort haben sich die Vögel weitgehend an den Anblick des Menschen gewöhnt. Wenn diese aus dem Haus kommen und zum Ufer des Tümpels gehen, fliegen die Waldwasserläufer nur lautlos ans gegenüberliegende Ufer."
Bei der Jungenführung "reagieren die Waldwasserläufer äußerst empfindlich auf Menschen." Ein sogenanntes Verleiten (Strategien der Eltern beim Herauslocken der Jungen aus einer Gefahr, Mittel zum Ablenken der Menschen, generell von potenziellen Feinden, von den Jungen) werden beschrieben (Elemente der Bodenbalz und des Singfluges).
Verhalten der brütenden Vögel gegenüber dem Menschen: Es werden mehrere Quellen genannt und Eigenbeobachtungen referiert, nach denen die Vögel am Nest sehr wenig scheu sind. Die "Zutraulichkeit" ist jedoch stark vom Bruttrieb abhängig, und auch individuell verschieden. Es gibt Weibchen, die bei Unterschreitung einer Distanz zum Nest von ca. 20 m flüchten. Gestörte Vögel "kehrten sehr schnell wieder auf das Gelege zurück.", oft bereits nach "wenigen Minuten".
"Prinzipiell ist es bei ruhigem Verhalten des Beobachters möglich, ungetarnt aus einer Entfernung von etwa 40 m einen Waldwasserläufer beim Brüten zu betrachten. Der Vogel auf dem Nest bleibt ruhig und verhält sich fast normal. Zu Brutablösezeiten ist aber absolut von Beobachtungen am Nest abzuraten"