Bundesamt für Naturschutz

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Langenegger, H.; Grünigen, C.von (1983) Tiefschneeskifahren und Waldverjüngung in Bereich der oberen Waldgrenze. Ergebnisse einer Untersuchung im Testgebiet Grindelwald


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Skilanglauf, Tourenskilauf

 

INHALT

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob Tiefschneefahren abseits der Pisten im Bereich der oberen Waldgrenze zu einer Beeinträchtigung der Waldverjüngung führen kann.

In geschützten Lagen des Untersuchungsgebietes ist die Tendenz zur Verjüngung gegeben, da die aktuelle Waldgrenze unterhalb der potentiell natürlichen liegt. Das Ergebnis der Arbeit zeigt, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die feststellbaren Schäden am Jungwuchs im Bereich der Waldgrenze überwiegend natürlich bzw. durch Säugetiere verursacht sind. Bei zusätzlicher Beeinträchtigung durch Skifahren abseits der Pisten können sich die Schäden insbesondere bei kleinen Exemplaren der für die Waldverjüngung wichtigen Baumarten jedoch soweit potenzieren, daß die Waldverjüngung in Frage gestellt sein kann. Zur Eingrenzung der Konfliktbereiche sind Lenkungsmaßnahmen in Absprache mit der Forstverwaltung erforderlich.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Ca. 50 % der vorhandenen Jungpflanzen zeigen feststellbare Schäden. Die natürliche Waldverjüngung oberhalb der Waldgrenze wird jedoch in erster Linie durch natürliche Gegebenheiten beeinträchtigt. Limitierend wirken v.a. das harte Klima, die kurze Vegetationszeit, austrocknende Winde, Schneelast und Schneedruck, Wärmemangel, Konkurrenz durch die Bodenvegetation, Schneeschimmelpilze und Fraßschäden durch Säugetiere.

Wenn jedoch die ohnehin stark beeinträchtigte Waldverjüngung abseits der räumlich markierten Pisten zusätzlich beeinträchtigt wird, ist die Waldverjüngung stellenweise in Frage gestellt.

Zusatzbelastungen der Waldverjüngung durch Tiefschneefahren sollten vermieden werden, indem

1. die Erschließung von Tiefschneefahrerrouten auf Gebiete ohne erwünschte Waldverjüngung/Waldausdehnung begrenzt werden,

2. gefährdete Zonen in bereits erschlossenen Gebieten abgesperrt und die Besucher entsprechend informiert werden.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Männlichen - Kleine Scheidegg, Grindelwald, Schweiz
  • erschlossene Skigebiete unmittelbar in oder über der Waldgrenzzone, 1.750-2.000 m ü. NN
  • Vegetation: Weiden, Zwergstrauchheiden, Flachmoore, lockerer bis aufgelöster Wald
  • Waldgesellschaften: Alpenrosen-Arvenwald mit Zwergwacholder, Alpenlattich-Fichtenwald, Arven-Lärchenaufforstung

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Erfassung der Waldverjüngung im Herbst 1980
  • Stichprobennetz im Dreiecksverband 150x150 m
  • 48 Stichproben im Bereich der Waldgrenze und des angrenzenden Freilandes
  • Größe: 20x20 m
  • Erfassung von Höhenlage, Exposition, Neigung, Verjüngungshindernissen biologischer Art, Beanspruchung, Vegetationsform, Anzahl der Bäume mit 4-7 m Höhe
  • Zählung und Beschreibung aller Bäume bis 4 m Höhe nach Baumart, Höhe, Schadensgrad, Schadensursache, Kleinstandort der Pflanze, Entwicklungschance
  • Erfassung der Einwirkung: Kartierung von Tiefschneefahrer-Spuren im Januar/Februar 1980

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Differenzierung der Beanspruchung:
  • Vergleichsfläche ohne Beanspruchung
  • Variantenfläche mit mäßiger Beanspruchung: mittlere Tiefschneefahreraktivität, einige Spuren
  • Variantenfläche mit starker Beanspruchung: starke Tiefschneefahreraktivität, viele Spuren
  • Piste, extreme Beanspruchung (ohne planierte Pisten und Skilifttrassen)

Schadensgrad:

  • unbeschädigt oder unwesentliche Beanspruchungsspuren, Pflanze gesund, alter Schaden vernarbt
  • 1 Zweig abgeschert/abgebrochen/abgefressen
  • 2-4 Zweige oder Teil der Pflanze abgeschert/abgebrochen/abgefressen
  • viele Zweige oder Teil der Pflanze abgeschert/abgebrochen/abgefressen/dürr
  • leichte Stammverletzung
  • bedeutende Stammverletzung
  • andere Schäden (Schneeschimmel, Nadelverfärbung)
  • tot/abgestorben/ausgerissen

Differenzierung der Schadensursache:

  • keine
  • Skifahrer, Ratrac - nur sicher ansprechbare Skifahrerschäden
  • Säugetiere
  • Klima
  • Schneeschimmelpilz
  • andere, unsichere, unbekannte Ursachen bzw. verschiedene zusammenwirkende Ursachen

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Verteilung der Baumarten bis 4 m Höhe: 61 % Fichte, 18 % Arve, 2 % Lärche, 4 % Legföhre, 15 % Vogelbeere

 

 

EINWIRKUNGSDAUER

keine Aussage

 

EINWIRKUNGSART

mechanische Schädigung der Vegetation:

Kantenschliff, Abhobeln von Zweigen oder Stammteilen

 

EINWIRKUNGSGRAD

Erschließung des Skigebietes mit einer Gondelbahn und je 4 Sessel- und Skiliften

Beanspruchung der 48 Probeflächen:

11 keine

12 mäßig

20 stark

5 Piste

 

ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

direkte Schäden an Bäumen < 4 m im Bereich der Waldgrenze

  • direkte Schäden durch Skifahrer nur in sehr geringer Anzahl (2 % der gezählten Bäume)
  • sichere Schäden durch Skifahrer nur an Fichte, Arve und Legföhre, wobei Fichten und Arven die wichtigsten Baumarten für die Waldverjüngung im Gebiet sind
  • durch Skifahrer v. a. Verletzungen der Stämme leichter oder schwerer Art verursacht (abhobeln durch Skikanten)
  • Skifahrerschäden v. a. an kleinen (< 50 cm) bis mannshohen Bäumchen, je nach Schneehöhe
  • Gefährdung v. a. für Bäumchen, die aus der Schneedecke herausragen und nicht kleinstandörtlich geschützt sind, bspw. durch Steine
  • Schäden durch Vieh und Wild sowie klimatisch bedingte Schäden sind wesentlich häufiger
  • 9 % der festgestellten Schäden sind "anderer, unsicherer Ursache"; da der Schaden nicht eindeutig zugeordnet werden kann, sind hier potentiell Schäden durch Skifahrer, die im Zusammenhang mit anderen Ursachen wirken, verborgen
  • überwiegender Teil beschädigter Bäumchen muß als langfristig verloren gelten; Pflanzenteil können zwar prinzipiell regeneriert werden, je dünner jedoch die Stämme sind, desto schwerwiegender ist die Verletzung und entsprechend unsicher bzw. verlangsamt stellt sich der Erfolg der Regeneration ein

indirekte Beanspruchungsschäden hinsichtlich der Waldverjüngung

mit zunehmender Beanspruchung der Flächen durch Skifahrer abseits der Pisten

  • sinkt die durchschnittlich vorhandene Anzahl von Bäumchen pro Probefläche
  • sinkt der Anteil der nicht beschädigten Bäumchen
  • steigt der Anteil der Bäumchen mit mittleren bis schweren Schäden
  • steigt der Anteil der toten oder ausgerissenen Bäumchen tendenziell