Bundesamt für Naturschutz

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Kulisch, Christine; Zimmermann, Birte (1989) Untersuchung der Auswirkung des alpinen Schilaufs am Beispiel Bürserberg/Brand


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin), Skilanglauf

 

INHALT

Diese Projektstudie untersucht die Auswirkungen des alpinen Skitourismus auf die Vegetation in einem österreichischen Skigebiet. Dabei bearbeiten die Autorinnen unterschiedlich belastete Flächen und vergleichen diese mit unbelasteten Flächen.

Insgesamt sind die negativen Auswirkungen in Bürserberg, einen kleinen uznd noch wenig erschlossenen Skigebiet, verglichen mit anderen, größeren Skigebieten, nach Auffassung der Autoren als relativ gering einzustufen. Trotzdem wurden erhebliche Schäden an Boden und Vegetation festgestellt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Für den deutlichen Rückgang der Pflanzenartenzahlen und die Änderungen des Artenspektrums auf den planierten und teils übrigen P/L-Flächen gibt es nach Ansicht der Autorinnen zwei Ursachen: die Belastung durch den Pistenbetrieb wie z. B. Befahren mit Schneewalzen, Skikantenschliff usw. und die Pistenplanie, d. h. das Einebnen des Geländes und die damit verbundene Bodenverdichtung, Zerstörung der ursprünglichen Vegetation, Neuansaat mit anderen Arten usw.

Gehölze sind bis auf eine eine Art nicht wieder auf die planierten Flächen eingewandert. Die wenigen Geölze zeigen kümmerlichen Wuchs und durch Skikanten abrasierte Zweige. Ihr Verschwinden ist auch aus Sicht des fehlenden Erosionsschutzes besonders bedenklich.

Arten ehemals standorttypischer Arten (Flachmoore, Feuchtwiesen oder Krummholzzone) fehlen überwiegend. Eine intensive Düngung der Pistenflächen läßt Grünlandarten nährstoffreicher Standorte dominieren, Arten der Magerwiesenarten werden verdrängt. Das gehäufte Auftreten von Störzeigern weist auf einen negativ beeinflussten Wasserhaushalt hin (Bodenverdichtung und Staunässe).

Die besonders schütteren planierten und beweideten Flächen der höheren Lagen zeigen deutlich die (verarmenden) Auswirkungen von sommerlicher Beweidung und winterlichem Skibetrieb.

Auf den Flächen der geplanten Lifttrasse wurden sehr artenreiche Bestände teils auf sehr flachgründigen, steinigen Böden, stellenweise sehr feucht, kartiert. Bei Beschädigungen der Pflanzendecke dieser Flächen würde sich hier eine erhebliche Erosionsgefahr ergeben.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2639) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Das Untersuchungsgebiet umfasst das Skigebiet Bürserberg im Brandnder Tal, im Südwesten von Vorarlberg/Österreich. Es befindet sich am nördlichen Rand des Rätikon und liegt zwischen 600 m und 2965 m ü NN. Das Skigebiet berührt die Gemarkungen der Gemeinden Brand, Bürserberg und Nenzing, die alle zum Regierungsbezirk Bludenz gehören. Die Vegetationsuntersuchungen wurden auf den Flächen des Loisch- und Einhornlifts und dem des zu erwartenden Liftneubaus am Alpilakopf durchgeführt.

Diese Projektstudie führten die Autoren von Januar 1988 bis Januar 1989 durch.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Vegetationsuntersuchungen, Ist-Ist-Vergleich (Bestandsaufnahmen auf unterschiedlich belasteten Flächen)

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vegetationsuntersuchungen

Vegetationsaufnahmen zwischen 8 und 80 m². In ihnen bestimmten sie alle vorkommenden Blütenpflanzen und Gefäßkryptogamen.

Die Untersuchungsflächen wurden 3 Kategorien zugeordnet: Skipisten mit Vergleichsflächen, Lifttrassen mit Vergleichsflächen und Flächen in der Gegend des geplanten Lifts (32 Untersuchungsflächen).

Auswertung nach ökologischen Gruppen/Standortgruppen (Unterteilung in 8 Gruppen)

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Vergleich der Artenzahl und Artenzusammensetzung von belasteten mit (mehr oder weniger) unbelasteten Flächen


EINWIRKUNGSART

direkte mechanische Schädigung der Vegetation

 

EINWIRKUNGSGRAD

Der durchschnittliche Deckungsgrad der erfassten Flächen lag bei 89 %. Die beweideten Flächen hatten einen Bedeckungsgrad von 87 % und die unbeweideten 99 %, mit einer nahezu geschlossenen Vegetationsdecke. Die Deckung auf den unplanierten Pisten- und Liftflächen (P/L-Flächen) und den Vergleichsflächen (V-Flächen) war mit 91 % ungefähr gleich. Bei den planierten Flächen sank sie jedoch auf 85 % und bei den planierten Lifttrassen sogar auf 75 %. Auf planierten Pistenflächen über 1600 m ü NN sank die Deckung auf 76 %.

Auf 78 % der Pisten- und Liftflächen ergaben sich deutliche Trittschäden, auf den Vergleichsflächen und den Flächen des geplanten Liftneubaus hingegen nur 44 %.

Die durchschnittliche Gesamtartenzahl auf den Pisten- und Liftflächen lag bei 27,9 und auf den Vergleichsflächen bei 40,1. Dies entspricht einem Artenrückgang von 30 %. Im folgenden werden die Ergebnisse noch nach planierten und unplanierten Flächen aufgeschlüsselt:

Artenzahl der P/L-Flächen Artenzahl der V-Flächen
planierte Pisten 25,7 36,5
planierte Lifttrassen 25,8 37,5
unplanierte Pisten 30 36
unplanierte Lifttrassen 31,7 40,5
Flächen des neuen Lifts - 50

Somit ist auf den planierten Flächen, im Gegensatz zu den (vergleichsweise) naturbelassenen P/L-Flächen ein Artenrückgang von mehr als 10 % festzustellen.

Die Anzahl gemeinsamer Arten von unplanierten Flächen mit ihren Vergleichsflächen betrug 55 %, bei planierten Flächen hingegen sank der Anteil auf 38 %.

Die Untersuchungen an verholzten Pflanzen zeigten, dass auf planierten Flächen keine Gehölze (bis auf eine Ausnahme) vorkommen. Auf unplanierten Flächen stellten die Bearbeiter im Durchschnitt 1,6 Arten, auf den Vergleichsflächen 2,4 Arten (16 % mit einer Deckung zwischen 5 und 50 %) und auf den Flächen des vorgesehenen Lifts sogar 8,9 Arten (von denen 15 % mit einer Deckung von 5 bis 75 % vorkamen) fest. Die häufigsten Gehölze waren hier Picea abies, Rhododendron hirsutum, Pinus mugo, Vaccinium myrtillus, Calluna vulgaris, Polygala chamaebuxus und Thymus polytrichus.

Gräser haben an der Gesamtartenzahl bei allen Aufnahmen bei 25 %, ihr Deckungsanteil ist 50 bis 90 %. Auf den V-Flächen waren jedoch 22 % der Gräser Sauergräser, auf den P/L-Flächen betrug deren Anteil 27 % und auf den planierten Lifttrassen 35 %. Gehäuft traten belastungsertragende Arten wie Phlenum pratense und Cynosurus cristatus auf den P/L-Flächen auf, auch unter den Blütenpflanzen herrschen Verdichtungs- und Belastungszeiger wie z. B. Trifolium repens und Plantago major vor. Durchschnittlich kamen diese Arten auf 34 % der P/L-Flächen, 44 % der planierten Gebiete und 18 % der V-Flächen vor.

80 % der Aufnahmen von planierten Flächen gehören zu Vegetationseinheit des belasteten Wirtschaftsgrünlandes. Diese Gruppe trat fast nur auf planierten Flächen auf. Auf Vergleichsflächen traten dagegen zum großen Teil Arten der artenreicheren Magerwiesen auf.

Naturschutzbedeutsame Gruppen fehlen auf den Pisten/Liftflächen ganz überwiegend: Arten der Flachmoore kamen im Durchschnitt auf 20 % der V-Flächen, 7 % der P/L-Flächen und auf den planierten Flächen erschienen sie bis auf eine Ausnahme nicht. Magerrasenarten befanden sich durchschnittlich auf 28 % der V-Flächen, 11 % der P/L-Flächen und 5 % der planierten Flächen (20 % auf unplanierten Flächen).

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Untersuchungsgebiet nur bedingt strukturell vergleichbar mit anderen Räumen im Alpengebiet