Bundesamt für Naturschutz

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Lee, J.A. (1981) Habituation to human disturbance in nesting accipiters


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Schneemobilfahren, Skilanglauf, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Die Arbeit analysiert Verhaltensanpassungen und Gewöhnung (Habituation) von habichtartigen Greifvögeln an menschliche Störungen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Es gibt gegenüber Störungen sowohl zwischen Männchen und Weibchen Unterschiede, als auch individuelle Unterschiede. Das sogenannte "Mandan-Weibchen" reagierte sehr aggressiv auf Störer, während das "Meadows-Weibchen" sehr tolerant war.

Trotz verschiedenster Störungen/Störreize war der Bruterfolg hoch.

Die Autorin vermutet, dass die Nutzung von stark gestörten Bereichen als Brutbiotop auf die mangelnde Erfahrung der Brutpaare (wahrscheinlich erstmals brütende Individuen) zurückzuführen ist. Weiterhin gab es Anzeichen (u. a. mehrere alte Horste), dass es sich bei den Brutbiotopen - trotz der Störungen - aufgrund von habitatkennzeichnenden Parametern um Optimallebensräume handelte. So führte das Schlagen von Schneisen in den Wald (Skiwanderwege) zu einer Optimierung der Jagdmöglichkeiten für die Habichte.

Die Autorin vermutet, dass Jungvögel, die unter den beschriebenen Störeinflüssen aufwachsen auch später gegenüber Störreizen tolerant reagieren werden.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

24 km Nördlich von Provo, Utah, USA.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

1979 und 1980 wurden je zwei Horste des Habichts (Accipter gentilis) und 1979 zusätzlich ein Horst von Coopers" Habicht (Accipter cooperii) in gestörten Bereichen untersucht. Die Horste wurden während der Brutsaison aus einer Entfernung von 800 m einmal pro Woche beobachtet. Bruterfolg und Verhalten gegenüber menschlichen Aktivitäten wurden notiert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Beschreibung der Reaktion der Habichte auf verschiedene Störreize. Unterschieden wird zwischen den Reaktionen des sogenannten "Mandan-Weibchens" und dem "Meadows-Weibchen". Anmerkung Rezensent: Die Unterschiede im Verhalten werden unten differenziert dargestellt, Parallelitäten werden wegen der besseren Lesbarkeit unter "Mandan-Weibchen" zusammengefasst.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Das Studiengebiet umfasst 800 ha, wovon 390 ha von einem Skigebiet (Wohnmöglichkeiten, Infrastruktureinrichtungen etc.) eingenommen werden. Die restliche Fläche wird während der Wintermonate von Skiläufern und Schneemobilfahrern genutzt. Im Sommer wird das Gebiet von Reitern, Wanderern und Geländemotorradfahrern intensiv genutzt.


TIERART/ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG

Habicht

Bau von Häusern/Hütten: in 91 und 205 m Entfernung vom Horst (des Mandan-Habichts) wurde jeweils ein Gebäude errichtet. Die Bauarbeiten begannen, bevor der Habicht im Gelände beobachtet werden konnte, also vor der Brutzeit. Störungen beinhalteten die gleichzeitige Anwesenheit von bis zu drei Personen jeweils über 8 Stunden pro Tag und an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen und das Fällen von Bäumen nahe des Horstes. Betonmischer fuhren mindestens zweimal pro Tag in einem Abstand von 31 m am Horst vorbei. Nach der Schneeschmelze näherten sich Wanderer oder Reiter (in der Wintersaison auch Skifahrer) bis auf 35 m zu den Horsten. Ein Beobachtungsunterstand in einer Entfernung von 16 bzw. 21 m, der alle 2-3 Tage für eine halbe Stunde pro Tag genutzt wurde, wude ebenfalls toleriert. Das Weibchen merkte sich alle Aktivitäten, änderte aber seine Brutposition auf dem Horst nicht. Zu einer Attacke durch das brütende Weibchen kam es nur, als sich der Beobachter dem Horst bis auf einen Meter näherte. Danach wurde der Beobachter auch vom Männchen bis zu seinem Beobachtungsstand verfolgt und attackiert. Nach einer halben Stunde endete das aggressive Verhalten des Männchens.

Reaktion gegenüber Schneemobilen: Ein zweites Habichtpaar wurde während der Monate März bis Mai mindestens zweimal pro Tag, aber nur an jeweils 3 Tagen in einer Woche gestört. Schneemobile führten gelegenlich zum Auffliegen des Männchens. Als ein Mobil unmittelbar vor dem Horst anhielt, verließ das Weibchen ohne intensive Reaktion den Horst.

Reaktion gegenüber einem Beobachtungsstand: Ein Beobachtungsstand in 30 m Entfernung wurde in der ersten Woche nach dem Schlupf der Küken gebaut. Dies wurde vom Weibchen beobachtet, es schien aber nicht dadurch gestört zu sein. Dies galt auch für Umhergehen zwischen dem Stand und dem Horst. Und auch später als Motorradfahrer, Wanderer und Reiter den Horst passierten, verließ das Weibchen den Horst nie, um zu attackieren.

Reaktion gegenüber Horstbesteigung: Vor der Eiablage reagierte das "Meadows-Weibchen" nicht. Später wurden Warnrufe ausgestoßen, in einem Fall attackierte das Männchen. Es griff die Beobachterin mehrfach an, u.a. auch, als von der Straße (31 m Distanz zum Horst) das brütende Weibchen beobachtet wurde (Angriff ins Gesicht, sodass die Beobachterin sogar zu Fall kam). In beiden Beobachtungsjahren (1979 und 1980) war das Verhalten der Individuen gleich.

 

Coopers' Habicht

Ein Horst befand sich 38 m von einer Straße entfernt. Im Falle, dass Wanderer den Horst auf der Straße passierten, blieb das Weibchen sitzen. Verließen die Wanderer die Straße, so flog es vom Horst ab. Eine Reaktion erfolgte erst dann, wenn die Personen sichtbar wurden, obwohl die Habichte - nach Eindruck der Autorin - diese vorher hören mussten.