Bundesamt für Naturschutz

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Keller, Verena (1992) Schutzzonen für Wasservögel zur Vermeidung von Störungen durch Menschen: wissenschaftliche Grundlagen und ihre Umsetzung in die Praxis


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Rudern, Segeln, Surfen, Wassersport

 

INHALT

Störungen von Vögeln durch Menschen können sich negativ auf Bruterfolg, Raumnutzung, Energiebilanz u.a. auswirken. Damit die intensiv genutzten Gebiete auch weiterhin Lebensraum für Wasservögel bleiben können, müssen Störungen möglichst verhindert oder zumindest so weit reduziert werden, dass negative Auswirkungen auf die Vogelbestände vermieden werden. Ein sinnvoller Ansatz zur Lösung des Konflikts zwischen Naturschutz und menschlichem Nutzungsinteresse ist die Abgrenzung von Schutzzonen in Gewässerabschnitten, die für Wasservögel wichtig sind. Es ist zu klären, an welchen Uferabschnitten sie liegen sollen und wie breit sie sein müssen, damit Störungen verhindert werden können. Es werden wissenschaftliche Grundlagen für die Abgrenzung von Uferschutzzonen erläutert, und die Frage der Umsetzung in die Praxis wird diskutiert.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Ableitung der Schutzzonen kann anhand folgender Prüfschritte operationalisiert werden:

Generelle Bedeutung des Gebietes

  • Prüfen, ob ein Gewässer eine besondere Bedeutung als Vogelschutzgebiet hat (u.a. anhand der Zahlen internationaler oder nationaler Wasservogelzählungen)
  • Prüfen der Ausbildung der Ufer (u. a. Röhrichte, ausgedehnte Seggenrieder) und Bewertung der Bedeutung der Biotopstrukturen als (Brut-) Biotop von Wasservogelarten.
  • Prüfen sonstiger Bereiche des Gewässers, u. a. in seiner Funktion als Nahrungsbiotop oder Mauser- oder Überwinterungsgebiet.
  • Ableiten, ob ganzjährige Schutzzonen (Mehrfunktionalität des Gewässers) oder temporäre Schutzzonen (Einfunktionalität, u.a. während der Brutzeit oder im Winter) ausgewiesen werden müssen.

Festlegen der Breite von Schutzzonen

  • Entsprechend dem Ziel, Schutzzonen auszuweisen, die Fluchtreaktionen verhindern, muss generell die Schutzzone breiter sein, als die Fluchtdistanz gegenüber gewässertypischen Störreizen.
  • Schutzzonen sind schwierig festzulegen, da eine Vielzahl von Faktoren (Vogelart, individuelle Disposition gegenüber Störungen, Gewöhnungseffekte etc.) an den jeweiligen Seen die Breite beeinflussen kann. Bei Haubentauchern wird als Maß das Nestbauverhalten und Zudecken des Nestes bei Verlassen des Geleges angegeben. Sowohl Nestbauverhalten bzw. die Unterhaltung des Nestes in einem optimalen Zustand als auch das Zudecken des Nestes (Sichtschutz gegenüber Eiräubern) werden negativ durch Störreize beeinflusst. Werden beide Verhaltensweisen ohne Reaktion auf Störreize erledigt, liegt eine Distanz vor, in der Störungen nicht mehr negativ wirken. Nach Literaturangaben liegt diese Distanz beim Haubentaucher um 100 m.
  • Für andere Arten werden Fluchtdistanzen zusammengestellt, die bei Störung durch verschiedene Bootstypen im Regelfall über 200 m liegen.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1307) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)


UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Kompilation von Literaturdaten

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewertung des Verhaltens von Vogelarten in störungslosen Situationen mit dem Verhalten in Situationen mit Störreizen.