Bundesamt für Naturschutz

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Keller, Verena (1991) Effects of human disturbance on Eider ducklings Somateria mollissima in an estuarine habitat in Scotland


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

SPORTARTEN

Angeln, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Ziele der Arbeit:

  • Untersuchung der Häufigkeit und der räumlichen Verteilung von Erholungsaktivitäten im Ythan-Mündungsgebiet.
  • Wie und wie oft beeinflussen die Erholungsaktivitäten die Küken von Eiderenten?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Überlebensrate der Küken?
  • Erhöht sich aufgrund der Störungen die Mortalität der Küken durch Beutegreifer?

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Eiderentenküken werden durch Erholungsaktivitäten sowohl beim Ruhen am Strand als auch bei der Nahrungsaufnahme im Wasser gestört. Im Untersuchungsgebiet sind wasserseits erfolgende Störungen im Vergleich mit anderen Untersuchungen relativ gering. Dies wird u. a. auf den Bootstyp (meist sich langsam bewegende Ruderboote) zurückgeführt. Windsurfer wirken deshalb vergleichsweise wenig negativ, weil das zum Surfen nutzbare Zeitfenster (hoher Wasserstand) im Untersuchungsgebiet relativ klein ist; jedoch zeigt die über den Erwartungen liegende Störrate der Surfer deren hohes Störpotenzial.

Angel- und Fischaktivitäten, Spazierengehen/Wandern und Hunde - landgebundene Erholungsformen - verursachten mehr Störungen als wassergebundene Erholungsaktivitäen wie Surfen und Ruderbootfahren.

Störungen beeinflussten das Verhalten der Eiderentenküken bis zu 35 Minuten Dauer.

Störungen der Küken führten zu einem Anstieg der Attacken durch Beutegreifer unmittelbar - nach 5 Minuten - nachdem eine Reaktion der Küken auf den Störreiz erfolgte. Die Autorin rechnet hoch, dass auf 200 Störungen mit dem Verlust eines Kükens zu rechnen ist. Insgesamt ist der Verlust durch Beutegreifer verglichen mit anderen Untersuchungsgebieten geringer, was auf die, v. a. von der Wasserseite her ausgehende, verschiedene Störreizintensität (u. a. sehr wenig Motorgetriebene Boote) zurückgeführt wird. So kommt es im Regelfall nicht zu einem Zerreißen der Küken-Familienverbände, die potenziellen Beutegreifern bessere Chancen zum Ergreifen eines Kükens bieten, als geschlossene Familienverbände.

Aktuell scheinen Störungen im Untersuchungsgebiet keinen wesentlichen Anteil an der Erhöhung der Mortalität der Küken zu haben. Dies kann sich jedoch ändern, wenn der Anteil der Motorboote oder Wasser-Scooters zunehmen sollte.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 1305) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Ythan Mündungsgebiet, 20 km N Aberdeen, Schottland

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Das Untersuchungsgebiet wurde in neun Sektoren aufgeteilt. Bei den Aktivitäten Erholungssuchender wurde unterschieden zwischen vier von der Landseite (Angler, Personen wandern entlang des Strandes, Hunde, Fahrzeuge) und von der Seeseite aus erfolgenden Aktivitäten (Surfer, Boote). Beobachtung des Verhaltens und derWirkungen der Erholungsaktivitäten erfolgte an allen Wochentagen - insgesamt an 37 Tagen (Sommer 1988) und 58 Tagen (Sommer 1989) - und während des gesamten Gezeiten-Zyklus, der in vier ca. 3 Stunden-Perioden unterteilt wurde.

Die Familienverbände der Küken wurden solange wie möglich ununterbrochen beobachtet; in Zeitabständen von 5 Minuten wurde das Verhalten (auf dem Wassser: Nahrungsaufnahme, Schwimmen, auf den Wasser treiben; an Land: Ruhen, Laufen, Gefiederpfleg) notiert. Parellel wurde die Anzahl der Menschen, die sich im jeweiligen Sektor aufhielten notiert. Fluchtdistanzen wurden in Schritten gemessen: es wurde die Anzahl der Schritte gezählt die eine Person zurücklegte ab dem Zeitpunkt an dem die Küken reagierten bis zu dem Ort, wo sich die Eiderenten vorher aufhielten.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Verhaltensänderungen der Küken-Familienverbände wurden in 5-Minuten-Intervallen fünf bis 60 Minuten nach einer Störung analysiert. Das Verhältnis von 5-Minuten-Aktivitäten 30 Minuten vor der Störung wurde mit den Aktivitäten nach der Störung verglichen.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Ab Anfang Juni schlüpfen die Küken synchron in der Eiderentenpopulation des Untersuchungsgebietes. Am 19 Juni 1989 wurden 707 Küken gezählt. Gegen Ende Juli konnten nur noch 240 Küken gezählt werden. Familienverbände der Küken umfassten im Durchschnitt ca. 10,6 Küken (n=40) (im Juni), im Juli fast 14 (n=37) und im August fast 12 (n=24). Die Gezeiten beeinflussten die Verteilung der Küken insoweit, als die Schlammflächen v. a. für die jungen Küken und später die Muschelbänke für die älteren Küken zugängig oder nicht zugängig waren. Während der Flut ruhten die Enten an Land.

Angler waren mit Ausnahme des Sonntages (Angelverbot) im Durchschnitt mit 19,5 Personen, im Maximum mit 43 Personen anwesend. Hier wie bei den Kraftfahrzeugen wurden die höchsten Zahlen während der Ebbe erreicht. Wanderer (und Hunde) waren tidenunabhängig anwesend (an 93 von 106 Zählungen). Wassergebundene Aktivitäten erfolgten tidenunabhängig. Surfer waren jedoch nur bei höheren Wasserstand, ca. 80 Min. vor und ca. 90 Min. nach dem Höchstwasserstand anwesend (in dieser Zeit ruhten die meisten Küken an Land); an 19 von 28 Tagen mit hoher Tide waren im Durchschnitt 5,3 und manchmal 19 Surfer anwesend.


ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG

Eiderente (Somateria mollissima)

 

Häufigkeit und Quellen der Störungen:

Pro Stunde erfolgte im Durchschnitt eine Störung, wobei ca. 79 % der Störungen von der Landseite ausgingen. An diesen Störungen waren Wanderer und Hunde überproportional stark vertreten. Vor allem Hunden kommt ein weit überdurchschnittliches Störpotenzial zu. An den vergleichsweise seltenen von der Seeseite ausgehenden Störungen haben Surfer einen Anteil, der über den Erwartungswerten liegt. Wurden Küken aufgrund landseitiger Störungen auf das Wasser getrieben, wurden sie dort weiter von Surfern gestört. So erfolgten 1989 22 der 37 Störungen durch Surfer aufgrund vorausgegangener Störungen an Land.

Reaktion der Küken auf Störungen (wasserseits):

Auf dem Wasser schwammen Küken von der Störquelle weg oder die Weibchen und die Küken schlossen sich zu dichten Gruppen zusammen (clustern). Dieses Verhalten wurde auch gegenüber natürlichen Feinden gezeigt, bevor sie davonschwammen. Wegtauchen erfolgte nur einmal. Clustern wird als stärkere Reaktion auf Störreize aufgefasst; es erfolgte bei wassergebundenen Störungen deutlich häufiger als bei landgebundenen Störungen, jedoch führten Störungen durch Personen mit Hunden oder Hunde allein ebenfalls zu einem sehr hohen Anteil des Clusterns. Auch führten Hunde zu einer deutlich längeren Unterbrechung des Verhaltens, bevor das ursprüngliche Verhalten wieder aufgenommen wurde. (7,2 min ± 1,4 min (n=13) gegenüber 2,8 ± 0,6 min (Wanderer und Angler) (n=10) bzw. Wanderern mit Hunden (3,9 ± 0,7 min; n=20)).

Reaktion der Küken auf Störungen (landseits):

Landseitige Störungen an den Ruheplätzen führen dazu, dass die Weibchen mitsamt den Küken Richtung Strand rennen und sich dort wieder hinsetzen. Hunde führen im Regelfall dazu, dass das Ufer verlassen werden musste und die Eiderenten ins Wasser flüchteten. Nachdem die Hunde weg waren, kehrten die Eiderenten wieder an Land zurück, jedoch blieben sie 1989 in ca. 20 % (n=21) und 1988 in ca. 36 % (n=28) der Fälle im Wasser. Dies konnte bis zu 85 Minuten andauern, im Regelfall aber 6,5 Minuten (1989) und 10,5 Minuten (1988).

Fluchtdistanzen:

Küken am Strand:

Personen ohne Hunde: 52 ± 3,1 Schritte (n=45)

Personen mit Hunden: 103 ± 9,9 Schritte (n=6)

Küken im Wasser:

Personen ohne Hunde: 18 ± 3,4 Schritte (n=5)

Personen mit Hunden: 40 ± 10,3 Schritte (n=6)

Generell reagierten Eiderenten mit Küken etwa auf die doppelte Distanz wie Eiderenten ohne Küken.

 

Wirkungen der Störungen auf die Aktivitäten der Küken-Familienverbände:

Allgemeine Aktivitäten: Störungen wirkten sich bis durchschnittlich zu 35 Minuten aus. Erst dann wurde wieder das ursprünglicheVerhalten aufgenommen. Bei hoher Tide reduzierte sich bei Störungen der Anteil des Ruhens zugunsten von Schwimmaktivitäten. Bei Ebbe erhöhte sich der Anteil des Schwimmens zu Lasten von Nahrungsaufnahme und Ruhen. Die Nahrungssuche wurde im Durchschnitt nach ca. 10 Minuten wieder aufgenommen. Die Wiederaufnahme des Ruheverhaltens erfolgte nur in wenigen Fällen. Generell dauerte die Störwirkung ca. 20 Minuten an.

Länge der Ruheperioden: Bei Flut wirkten sich Störungen auf die Länge des Ruheverhalten besonders intensiv aus.

 

Auswirkungen der Störungen auf die Wahrscheinlichkeit Beutegreifern zum Opfer zu fallen:

Nach Störungen war die Anzahl der Attacken durch Silber- und Heringsmöwen (Hauptbeutegreifern bei Eiderentenküken im Untersuchungsgebiet) um das Vierfache höher als vor einer Störung. Generell waren nur 1,2 % aller Attacken von Möwen erfolgreich (n=744). Teilweise waren die Angriffe der Möwen erst mehr als 5 Minuten nach einer Störung erfolgreich. Jedoch fallen 1989 nur 2 von 8 und 1988 2 von 3 erfolgreich abgeschlossenen Kükenerbeutungen in den unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang bzw. die Abfolge von Störungen.