Bundesamt für Naturschutz

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Kahlert, J. (1994) Effects of human disturbance on broods of Red-breasted Merganser Mergus serrator


Die Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Fischerei, Radfahren, Segeln, Surfen, Wassersport

 

INHALT

Untersuchung des Einflusses sich schnell bewegender Wasserfahrzeuge (Fischerboote, Surfer, Motorboote) auf den Mittelsäger (Mergus serrator). Auswirkungen der Anwesenheit auf das Zeit-Aktivitätsbudget der Individuen.

Speziell standen die Fragen im Vordergrund:

  • Wie häufig werden Bruten gestört?
  • Unterscheiden die Vögel zwischen den verschiedenen Aktivitäten der Menschen (Störer)?
  • Wie lange beeinflussen die Störungen die Aktivitäten der Vögel?
  • Sind die Vögel in der Lage, die durch Störungen verloren gegangene Zeit / Aktivitäten zu kompensieren?
  • Wird die Überlebensrate der Jungvögel von der Art und Häufigkeit der Störereignisse beeinflusst?

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(IN)EN

Auf der Ebene der Fitness war bemerkenswert, dass sich der Bruterfolg an den drei untersuchten Seen darin unterschied, dass er am See mit Surfern um 43% und an den Seen ohne Surfer um 25% reduziert war. Offensichtlich haben Surfer in der Summe aller Störereignisse eine stärker negative Wirkung auf die Säger, als andere Aktivitäten. Der Autor gibt keine empirische Erklärung hierfür, diskutiert aber, dass Junge bis zu einem Alter von drei Wochen nicht zu einer eigenständigen Thermoregulation fähig sind. Sie müssen deshalb von den Eltern immer wieder gewärmt werden. Dies würde den gestiegenen Anteil des Putzens (Komfortverhaltens) nach Störungen erklären. Für die Mittelsäger sind Komfort-Aktivitäten wichtiger als Nahrungssuche. Möglicherweise führen Störugnen durch Surfer dazu, dass der Anteil der Jungen, die durch Unterkühlung geschwächt sind - und dann leider bspw. natürlcihen Beutegreifern zu Opfer fallen - höher liegt, als bei anderen Störungen bzw. ungestörten Seen.

Generell stuft der Autor den Mittelsäger als Art mit einer Toleranzschwelle gegenüber menschlichen Störungen ein. Lokal wirken jedoch Störungen dann negativ auf die Population ein, wenn sie häufig sind oder von sich schnell bewegenden Wasserfahrzeugen ausgehen.


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Dänemark, Lillebaelt (55°20"N 9°45"E), 3Seen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Fünf Verhaltensweisen - Nahrungssuche, Putzen, Schwimmen, Sitzen auf dem Wasser, andere - wurden unterschieden und in Intervallen von jeweils 5 Minuten zwischen 1 und 9 Stunden pro Tag und Beobachungsort notiert. Menschliche Aktivitäten wurden folgendermaßen unterschieden: Fischer, Windsurfer, Motorbootfahrer, andere Boote (Schlauch-, Segel-, Ruderboote, Kanus, Wanderer, andere Geh-Aktivitäten (Baden, Angeln, Wurmbuddeln), Hunde, Fahrzeuge (Fahrräder, Traktoren), Flugzeuge (Militärflugzeuge, Hubschrauber). Zeit-Aktivitätsbudgets wurden auf Fünf-Minuten-Intervalle bezogen, in denen ausschließlich eine der vorstehend erwähnten menschlichen Aktivitäten erfolgte.


EINWIRKUNGSART

Bewegung
 

EINWIRKUNGSGRAD

kurz, aber heftig

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG 

Jungtiere schwimmen zu den Eltern, gemeinsam schwimmen sie schnell von der Störquelle weg; selten tauchen sie oder fliegen die Eltern weg. Auch wurde beobachtet, dass das Nest verlassen wurde; solche Fälle wurden von Fischerbooten verursacht.

Verhaltensänderungen traten bei Störungen durch Fischerboote, Surfer, Motorboote doppelt so häufig auf, wie bei Wanderern. Hunde hatte keine Wirkungen, von Fahrzeugen und Flugzeugen gingen noch stärkere Störreize als von Wasserfahrzeugen aus.

Nicht die Anzahl von potenziellen Störquellen sondern die Intensität einer Störung ist für die Reaktion verantwortlich.

Veränderungen des Zeit-Aktivitätsbudgets waren am stärksten bei Surfern, gefolgt von Fischer- und anderen Booten, während andere Störquellen nicht zu signifikanten Veränderungen des Zeit-Aktivitätsbudgets führten. Die Anwesenheit auf dem Wasser stieg um bis 24% gegenüber Phasen ohne Störung an.

Es dauerte bis ca. 1,5 Stunden nach einer Störung, bis das Verhalten vor der Störung wieder eingenommen wurde bzw. die Effekte einer Störung wieder kompensiert waren. In diese Phase war die, für die Nahrungsaufnahme aufgewendete Zeit um 9,3% reduziert. Vor allem die Aufwendungen zum Putzen waren etwa 45 min. nach Störungen deutlich erhöht.

Der Bruterfolg an den drei untersuchten Seen unterschied sich darin, dass er am See mit Surfern um 43 % und an den Seen ohne Surfer um 25 % reduziert war.