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Klaassen, Björn (1993) Auswirkungen von Drachen- und Gleitschirmfliegern auf Wildtiere am Wallberg (Tegernseer Tal)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter)

 

INHALT

Die Arbeit untersucht, wie wildlebende Tiere auf den Über- oder Vorbeiflug von Drachen- und Gleitschirmen reagieren. Es soll dabei gezeigt werden, welche Tierarten wo und zu welcher Zeit betroffen sind und welche Faktoren das Verhalten der Tiere bei einer Begegnung mit den Fluggeräten bestimmen. Daraufhin sollen die daraus folgenden Auswirkungen auf die Wildtier-Populationen aufgezeigt werden.

Die Untersuchung basiert auf Fragebögen und Direktbefragungen, die die Beobachtungen der Jägerschaft sowie der Drachen- und Gleitschirmpiloten dokumentieren sowie auf eigenen Beobachtungen des Autors, die durch Begehung und Befliegung des Untersuchungsgebiets erzielt wurden.

Abschließend werden Lösungsvorschläge zur Vermeidung von Störungen und Konflikten abgeleitet.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Schalenwild (besonders Gemsen und Rotwild)

  • Die Empfindlichkeit von Schalenwild ist in selten beflogenen Gebieten hoch, die Beeinträchtigung durch den seltenen Überflug jedoch gering (S. 66).
  • Ein Abwandern aus dem Hauptflugbereich konnte nicht festgestellt werden (S. 66).
  • Moderate Jagd, gute Deckung und Gewöhnung an den Flugbetrieb führen zu geringer Störung der Tiere (S. 67).

Greifvögel

  • Greifvögel werden in der Regel nicht durch den Flugbetrieb gestört, nur in unmittelbarer Horstnähe treten aggressive Verhaltensweisen gegenüber Fluggeräten auf (S. 67).

Rauhfußhühner

  • Beobachtungen mit Birk- und Auerwild waren nicht häufig genug, um gesicherte Aussagen abzuleiten (S. 67).

BEZUG/QUELLE

Fachhochschule Weihenstephan

Fachbereich Forstwirtschaft

Bibliothek

Gutenbergstr. 7-9

85354 Freising

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 118) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Schwäbisch-Oberbayerische Voralpen, Bayern

Der Wallberg im Tegernseer Tal liegt im Bereich eines ganzjährig stark touristisch genutzten Gebiets, das seit 1975 beflogen wird.

Der Wallberg ist überwiegend bewaldet nur in den Gipfellagen treten Latschenbereiche auf. Infrastruktur für Tourismus und Siedlungsbereiche überwiegen; auf der östlichen Seite befinden sich wenig erschlossene Bereiche mit Befliegungsverbot (S. 10/19).

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Reaktionsursachen und -muster der Wildtiere wurden ermittelt:

  • Durch Beobachtungen von Jägerschaft und Hängegleiterpiloten mittels Fragebögen (160 Bögen an die Piloten, Rücklauf 96 Bögen; 80 Bögen an die Jäger, Rücklauf 15 Bögen) (S. 32ff.).
  • Durch Direktbefragung der Jagdpächter am Wallberg (S. 33).
  • Durch eigene Beobachtungen des Autors mittels Befliegungen und Begehungen (S. 57ff.).

Der Untersuchungszeitraum lag im Verlauf des Jahres 1992.

 

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Flugfrequenz (Sektor A: Enger Bereich um den Wallberg, intensiv beflogen; Sektor B: erweiterter Bereich, mittlere Befliegungshäufigkeit; Sektor C: Streckenflugbereich, seltene Befliegung (S. 20).
  • Flugroute/-manöver
  • Flughöhe
  • Flugzeit
  • Deckungsgrad
  • Fluggeräte (keine Auswirkungen)


EINWIRKUNGSDAUER

Ganzjährige kontinuierliche Befliegung in Sektor A; in den Sektoren B und C Befliegung nicht im Winter (S. 23).

Konzentrationserscheinungen an Wochenenden und bei gutem Wetter mit über 100 Starts pro Tag sowie im Juli und August (S. 24).

Tageszeitliche Verteilung von 9 Uhr bis nach 17 Uhr mit einem Schwerpunkt zwischen 13 und 15 Uhr (S. 24 ff.).

 

EINWIRKUNGSART

Optische und akustische Reize am Himmel.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich dicht aufeinanderfolgende Fluggeräte (S. 20).

Unterschiedlich Flughöhe, Flugmanöver und Flugrouten (z. B. bei Streckenflügen) (S. 26).

Beobachtungen der Jägerschaft

  • Häufigste Reaktion beim Schalenwild war Flucht, bei den Rauhfußhühner Aufsuchen von Deckung, bei den Greifvögeln Davonfliegen oder Ignorieren (S. 38 ff.).
  • Als Reaktionsursachen wurden hauptsächlich Schattenwurf der Flugobjekte, tiefes Fliegen sowie Schreien und Jodeln in der Luft und außerdem Überraschung des Wildes und Fluggeräusche genannt (S. 39/42).
  • Dämmerungs- und Nachtflüge sowie Flüge unter 50 m waren störend.
  • Obwohl der Flugsport kritisch gewertet wurde, fühlten sich 75 % der Jäger durch den Flugsport nicht bei der Jagd gestört (S. 42).
  • Gewöhnung an den Flugbetrieb wurde teilweise verneint und bestätigt (S. 39/42).

Beobachtungen der Hängegleiterpiloten

  • Der Einfluß auf Wildtiere im Sektor A mit genügend Deckungsmöglichkeiten war gering, in den Sektoren B und C waren die Reaktionen deutlicher (S. 52/56).
  • Tiere am Boden reagierten am häufigsten mit Sicherungsverhalten. Weniger häufig erfolgten die Reaktionen "ruhiges Ziehen", "keine Reaktion" und "Flucht". Vögel reagierten zumeist mit Begleiten des Flugobjektes, weniger häufig mit "Ignorieren" oder "Davonfliegen" (S. 50ff.).
  • Tiefes Fliegen und Schattenwirkungen sind die häufigsten Reaktionsursachen, Überraschung der Tiere und Fluggeräusche werden seltener genannt (S. 49/56).
  • Bei Streckenflügen wurden starke Reaktionen festgestellt (S. 56).
  • Die meisten Begegnungen erfolgten mit Gemsen (S. 52).
  • Gemsen reagierten auch bei Flughöhen zwischen 50 und 100 m nur mit Sicherungsverhalten; Fluchten erfolgten nur bei Jungtieren und sehr geringem Bodenabstand (S. 54ff.).
  • Gewöhnung der Wildtiere an den Flugsport wurde für möglich gehalten (S. 54/57).

Eigene Beobachtungen

  • Kaum Reaktionen von Gemsen und Rotwild auf Fluggeräte in Sektor A aufgrund von Gewöhnung und guten Deckungsmöglichkeiten; ohne Deckung waren die Tiere mißtrauischer und reagierten zumeist mit Sicherungsverhalten oder seltener mit Ziehen in den nächsten Unterstand (S. 57ff.).
  • Obwohl Drachen in der Regel höher fliegen, konnten keine Unterschiede in der Reaktion auf Drachen- und Gleitschirme festgestellt werden (S. 58).
  • In Sektor B reagierten Gemsen unterschiedlich: Besonders bei überraschendem plötzlichem Anflug erfolgten heftige Reaktionen,- in vereinzelten Fällen erfolgten Fluchten in den nächsten Unterstand (S. 59 ff.).
  • Negative Auswirkungen auf Birkwild und Greifvögel konnten nicht festgestellt werden (S. 60).
  • In Sektor C wurden keine Beobachtungen durchgeführt (S. 60).

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Eine Übertragbarkeit der Ergebnisse ist aufgrund der geringen Repräsentativität der Fragebögen (geringer Rücklauf) sowie aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten der Beobachtung von Wildtieren durch den Autor (schlechte Sichtbarkeit in den Waldbereichen und Ablenkung des Beobachters beim Flugvorgang) fraglich (S. 32/59).