Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Irmler, Ulrich; Hein, Cornelia (2002) Laufkäfer als Indikatoren für die Habitatvielfalt eines Golfplatzes: Untersuchungen in Heikendorf (Schleswig-Holstein)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Der zunehmende Rückzug der Landwirtschaft und die gleichzeitig steigende Nutzung des ländlichen Raumes durch die urbane Bevölkerung zeigen sich u.a. in der Zunahme des Flächenbedarfs ehemaliger landwirtschaftlicher Flächen durch den Golfsport. In diesem Zusammenhang stellt sich für den Naturschutz die Frage, ob eine Nutzung durch Golfplätze im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nutzung von Vorteil ist oder eine Verschlechterung gegenüber der Vornutzung bedeutet.
Dazu wurde 1999 mit Hilfe von Bodenfallen der schleswig-holsteinische Golfplatz Kitzeberg unter Einbeziehung verschiedener Habitate von drei Spielbahnen bezüglich der dortigen Laufkäferfauna untersucht.Die Untersuchung soll dabei anhand der Laufkäferbesiedlung eines Golfplatzes folgende Fragen klären:

  • Welche Laufkäfergemeinschaften lassen sich auf einem Golfplatz differenzieren?
  • Haben die unterschiedlichen Habitatstrukturen einen Einfluss auf die Vielfalt und Verteilung der Laufkäfer?
  • Wie lassen sich das Auftreten der Laufkäferarten unter den vorgegebenen Standortpotenzialen im Vergleich zu möglicher landwirtschaftlicher Nutzung bewerten?

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Insbesondere bei der Neuanlage von Golfplätzen muss sehr genau auf die vorhandene Habitatvielfalt in der umzuwandelnden landwirtschaftlichen Fläche geachtet werden. Bewirtschaftetes Land mit vielseitigen Heckenbeständen oder Kleingewässern ist mindestens so wertvoll oder wertvoller als Golfplätze. Eine eventuelle Aufwertung hinsichtlich der Verbesserung des Artenpotenzials auf Golfplätzen muss sich somit an der Ausstattung der Agrarflächen sowie dem Aufbau der Habitate auf dem Golfplatz orientieren. Dabei führen nicht allein die Erhöhungen der Anzahl verschiedener Habitattypen, sondern v.a. die Vergrößerung der Flächen für die einzelnen Typen und ihrem Verbund zu einer Steigerung des Artenpotenzials.
 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2975) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Der bereits seit 1905 bestehende Golfplatz Kitzeberg in der Gemeinde Heikendorf, Schleswig-Holstein. Der 26 ha große, einen Teich einschließende und von Wald sowie vorstädtischen Gartenanlagen umgebende Golfplatz liegt naturräumlich in der Jungmoränenlandschaft des Ostholsteinischen Hügellandes.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Im Zeitraum vom 28.04. bis zum 28.09.1999 wurden auf dem Golfplatz auf je drei Spielbahnen Roughs, Abschläge und Sandgruben untersucht. Auf jeder der drei Bahnen wurden fünf bis sechs Flächen mit jeweils drei bis acht Bodenfallen ausgestattet.
Daneben wurden außerdem Standortparameter wie Vegetationshöhe, Vegetationsstruktur, Bodenfeuchte und Bodenart sowie pH-Wert und organischer Gehalt des Bodens erfasst.


BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bestimmung der Artenvielfalt an Laufkäfern einer Falle, eines Habitattyps und des gesamten Golfplatzes mit Hilfe der α-Diversität nach SHANNON & WEAVER (1963) sowie des Maßes der Diversität zwischen den Fallen und Standorten mit Hilfe der β- und γ-Diversität nach WHITTAKER (1972).

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Anschließender Vergleich der Untersuchungsergebnisse bezüglich der Artenvielfalt an Laufkäfern mit Ergebnissen von Äckern und landwirtschaftlich genutztem Grünland mit ähnlichen Böden in der weiteren Umgebung.


EINWIRKUNGSDAUER

Von 1905 (Neuanlage des Golfplatzes Kitzeberg) bis 1999 (Jahr der Untersuchung). Der Platz wurde bewusst gewählt, da man dort von einer stabilen Laufkäferbesiedlung ausgehen konnte, die nicht durch einen möglichen Rückgang nach einer Neuanlage gestört war.

 

EINWIRKUNGSART

Umwandlung einer landwirtschaftlich genutzten Fläche in einen Golfplatz.

 

EINWIRKUNGSGRAD

keine Angaben

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Laufkäferarten Insgesamt wurden auf dem Golfplatz Kitzeberg 66 Laufkäferarten festgestellt. Eine positivere Bewertung des Golfplatzes gegenüber landwirtschaftlich genutzten Flächen im Hinblick auf die Artenvielfalt fällt aber schwer.
So unterscheiden sich beispielsweise die Rasenflächen, welche den größten Teil des Golfplatzes ausmachen, nicht von den entsprechenden landwirtschaftlichen Flächen. Die übrigen, teils künstlichen und zumeist sehr kleinen Habitate weisen bei entsprechendem Alter eine Fauna auf, die darauf hindeutet, dass sie einigen typischen Arten Lebensraum bietet.