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Ingold, Paul (1999) Freizeitaktivitäten und Wildtiere im alpinen Lebensraum


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Andere Freizeitaktivitäten, Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Landgebundener Sport, Luftsport, Mountainbiking, Spaziergang mit Hund, Wandern/ Geländelauf

INHALT

Als Kulturlandschaft über Jahrtausende geprägt, sind die Alpen heute der Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten, die zum Teil nach ihrer weitgehenden Ausrottung wiederangesiedelt wurden, wie Luchs und Steinbock. Dieser Lebensraum gerät aber in den letzten Jahrzehnten auch zunehmend unter Druck durch die Intensivierung der Landwirschaft und die touristische Nutzung. Wurde bis Mitte der 80-er Jahre vor allem der Skisport mit den Auswüchsen des Variantenfahrens als Problem erkannt, gelangten seither auch die Sommeraktivitäten in den Brennpunkt, welche sowohl quantitativ wie qualitativ eine tiefgreifende Entwicklung erfahren haben.

In der Arbeitsgruppe um Prof. Paul Ingold wurde exemplarisch anhand von vebreiteten und allseits bekannten Tierarten der Alpen untersucht, wie sich Freizeitaktivitäten auf Wildtiere auswirken. Durch eingehende Untersuchungen an Gämsen, Steinböcken, Murmeltieren und Schneehühnern wurde eindrücklich belegt, wie unterschiedlich sich Wandern, Mountainking und Hängegleiten auf die betroffenen Tiere auswirken können. Die Bandbreite reicht von zeitweiligem Verziehen über veränderte oder eingeschränkte Nutzung von Nahrungsgebieten bis hin zu konditionellen Einbussen (detaillierte Ergebnisse sind in Ingold et. al 1996 ausführlich beschrieben).

Die Reaktion von Wildtieren auf Störung ist von vielen Faktoren abhängig, namentlich von

  • dem Typ der Freizeitaktivtät
  • ihrem räumlichen und zeitlichen Auftreten
  • ihrer Häufigkeit
  • dem Verhalten der Ausübenden (Bsp. laut vs. leise)
  • der Position zu den Tieren (Bsp. unterhalb vs. oberhalb)
  • der Posoition der Tiere in Bezug zu Geländestrukturen (Bsp. Waldnähe vs. offenes Gelände)
  • der Tierart (Bsp. Gämsen reagieren heftig auf Gleitschirme, Murmeltiere nur schwach)
  • dem aktuellen Verhalten der Tiere (Bsp. Äsen vs. Ruhen)
  • dem Alter der Tiere (Bsp alte vs. junge Individuen)
  • dem Geschlecht (Bsp. Geissen vs. Böcke)
  • sozialen Faktoren (Bsp. Anwesenheit von alten Steinböcken dämpft Reaktion von jungen).

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Freizeitaktivitäten können schwerwiegende Auswirkungen auf Wildtiere haben: 1. Verlust von wichtigen Teilen des Lebensraumes, 2. Beeinträchtigung der körperlichen Verfassung, 3. einen verminderten Fortpflanzungserfolg. Wenn damit Arten aus gewissen Gebieten verschwinden oder in ihren Beständen zurückgehen und seltener werden, ist das gemäss Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz ein naturschützerisches Problem, unabhängig davon, ob es sich um eine gefährdete oder häufige Art handelt. Erreichen Freizeitaktivitäten ein Ausmass mit solchen Auswirkungen, sind das nach dem Bundesgesetz über die Jadg und den Schutz freilebender Vögel und Säugetiere "Störungen", vor welchen Tiere zu schützen sind.

 

Empfehlungen für die Praxis:
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den Einfluss von Freizeitaktivitäten auf Wildtiere zu verhindern oder wenigsten zu vermindern, wie den Verzicht auf Erschliessungen oder die Lenkung von Aktivitäten. Am Anfang einer erfolgreichen Umsetzung solcher Massnahmen stehen aber immer sachkundige Information und das Gespräch mit den Beteiligten.

 

BEZUG/QUELLE

Prof. Paul Ingold
Färichweg 1
CH-3038 Kirchlindach
paul.ingold@gmx.ch

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2945) sortiert. Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Nicht spezifiziert. Die Publikation stellt eine allgemeine Übersicht des Themas dar.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Nicht spezifiziert. Die Publikation stellt eine allgemeine Übersicht des Themas dar.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Nicht spezifiziert. Die Publikation stellt eine allgemeine Übersicht des Themas dar.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Nicht spezifiziert. Die Publikation stellt eine allgemeine Übersicht des Themas dar.


TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG

Nicht spezifiziert. Die Publikation stellt eine allgemeine Übersicht des Themas dar.